Logo

Fischreiher

Ident. Nr.: B III 256

ObjID: obj:967229

n/a

Details (expert)

Creator/Entity
Arno Malinowski (1899 - 1976),
Künstler*in
Date(s)
Herstellung: undatiert
Additional titles
Collection title: Fischreiher
Translation: Heron
Material / Technique
Granit
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 43 x 22 x 2,5 cm

Object Description

Der dänische Bildhauer und Medailleur Malinowski studierte von 1918 bis 1921 an der Bildhauerschule der Kopenhagener Akademie und besuchte Paris, Berlin und London. Bekannt wurde er vor allem für Schmuckdesign. In wessen Auftrag oder für welchen Zweck er das Flachrelief „Fischreiher“ (B III 256) schuf, ist nicht bekannt. Malinowski hat hier mit Grau- und Schwarztönen gearbeitet. Oben lässt die Sonne oder der Mond den Reiher zur dunklen Silhouette werden. In der unteren Hälfte kommt das Licht auch von der Betrachterseite, denn die beiden konzentrischen Wellen sind ebenso wie die Beine und Federn des Reihers hell gestaltet. Dieses ruhige, friedliche Bild des einsam im Wasser stehenden Vogels befindet sich in krassem Gegensatz zum „Militärgeistlichen“ (B III 255). Hier ruht ein Soldatenhelm nicht auf einem menschlichen Gesicht, sondern auf einem Totenkopf. Der Seelsorger der Soldaten ist selbst ein Toter. Seine Augenhöhlen versinken tief im Schatten des Helmrands, die Jochbeine stehen hervor. Die Basis der Skulptur bildet eine große, radförmige, wie eine Halskrause wirkende Struktur mit regelmäßigen Einkerbungen, die entfernt an eine Panzerkette denken lassen. Das Kreuz auf dem Helm kennzeichnet den Geistlichen, doch darunter verbirgt sich etwas Drohendes. Der Helm entspricht der Ausstattung deutscher Soldaten im Ersten Weltkrieg, erkennbar an dem tiefen Rand, der den Nacken schützt, sowie den Belüftungslöchern links und rechts. Malinowskis Sohn Kuno, der sich mit seinem Bruder Ivan, einem Schriftsteller, das Erbe des Bildhauers teilte, schenkte 1986 insgesamt drei Werke nach Ost-Berlin, da die Eltern des Künstlers aus Berlin stammten, vor allem aber aus politischen Gründen, wie er selbst hervorhob: „Wichtiger noch ist allerdings, dass in unserer Zeit die DDR die Hauptträgerin der deutschen Kulturtradition ist“ (SMB-ZA, II A/NG 336, Bl. 414). | Emily Joyce Evans

Last updated: 28.08.2026

Contact

Institution:

Neue Nationalgalerie

Additional items from the collections

Gartenblumen

Gartenblumen

Das 1932 durch die Nationalgalerie beim Künstler erworbene Blumenstück (A II 778) zeigt den engen Ausschnitt eines Sommergartens mit botanisch genau erfassten Pflanzen. „Zu meinen Blumenbildern“, so Bartning, „bin ich von der Landschaft her gekommen. Schon vor 30 Jahren habe ich versucht, den Vordergrund des Landschaftsbildes zu selbständiger Bedeutung zu entwickeln. Daraus ist das entstanden, was ich die Nahlandschaft nenne und für eine neue, fast unbekannte Aufgabe halte“ (Ludwig Bartning, in: Maler und Bildhauer der Juryfreien II, Berlin 1929, o.S.). Der Künstler schenkte zu dem Ankauf ein zweites Gemälde (A II 779). Dieser Gartenblumenstrauß in leuchtenden Farben auf dunklem Grund erinnert in der Feinheit und Präzision der Darstellung an Malerei des frühen 19. Jahrhunderts, etwa an die Blumenbilder des Porzellanmalers Gottfried Wilhelm Voelcker. Bartning, der seine erste Ausbildung und Prägung bei Paul Schultze-Naumburg erhielt, gehörte zum konservativen Flügel der deutschen Neuromantik. Ab 1913 war Bartning an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums tätig, mit Beginn der 1920er Jahre wurde er Professor an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg. Als Lehrkraft hielt er dort im März 1931, zur Entstehungszeit der beiden Blumenbilder, den stringent aufgebauten Vortrag „Was ist lehrbar in der Kunst?“. Mit dem Siegeszug der Skizze seit dem Impressionismus wie der Absolutsetzung des seelischen Gestus mit dem Expressionismus hielt er alles Lehrbare für stark zurückgedrängt. Einen Ausweg sah er in der Rückkehr zum soliden Handwerk, wofür die beiden kunstreich auf Holz gemalten, nahsichtigen Blumenbilder stehen, sowie in einer respektvollen Sicht auf die Natur: „Vielleicht ist doch noch ein neues Wunder zu entdecken, das kein Auge je gesehen hat, obwohl es vor aller Augen lag“, ermunterte er zum Schluss seine Zuhörer. (Ludwig Bartning, Was ist lehrbar in der Kunst?, Berlin-Charlottenburg 1932, o.S.). Mit seiner Frau Gertrud und den gemeinsamen Kindern hat Bartning, ein Bruder des Architekten Otto Bartning, zahlreiche botanische Werke illustriert und 1950 ein Lehrbuch der Blumenmalerei publiziert. | Angelika Wesenberg

Auf Reisen

Auf Reisen

Das Gemälde „Auf Reisen“ gehört zu den ersten Werken, die 1947 für die kurz zuvor in Berlin gegründete „Galerie des 20. Jahrhunderts“ erworben wurden. Die Ankaufskommission unter Adolf Jannasch und Nationalgalerie-Direktor Ludwig Justi hatte Schmielewskis Arbeit in der vom Amt für bildende Kunst ausgerichteten Ausstellung „Junge Generation“ entdeckt und sich auf ihrer ersten Sitzung im April des Jahres für eine Erwerbung entschieden. Ebenfalls aus der Ausstellung angekauft wurden ein Gemälde von Heinz Trökes („Tierlandschaft“, 1946, A III 259) und eine Skulptur von Bernhard Heiliger („Liegende Frau“, um 1946, B I 661). Auch wenn heute über den Künstler und sein Werk nahezu nichts bekannt ist, muss Schmielewski also einst als ein vielversprechendes Talent der Nachkriegszeit gegolten haben. Das in der Nationalgalerie befindliche Bild spiegelt die Faszination der europäischen Avantgarden für fremde Kulturen wider. Dargestellt ist eine Jagdszene in Afrika. Ein durch überbetont rote Lippen rassistisch überzeichneter Einheimischer schießt mit einem Gewehr auf fliehende Löwen, deren paarweise Anordnung von zwei Jungtieren wiederholt wird. Das lodernde Feuer am unteren Bildrand weist auf die von einem vermeintlich zivilisierten Standpunkt aus als barbarisch begriffene Fortführung der Szene hin, die Zubereitung und Verspeisung der Beute. Die expressive, mit leuchtenden Farben ausgeführte Malerei wurde stellenweise eingeritzt, um einzelne Partien plastischer zu gestalten. | Irina Hiebert Grun

Belgische Landschaft mit Häusern

Belgische Landschaft mit Häusern

Im Sommer 1923 ging Nussbaum zum Malereistudium nach Berlin. Auf den Spuren seines Vorbilds Vincent van Gogh hielt er sich 1928/1929 in Belgien und Frankreich auf, wobei auch das Gemälde „Belgische Landschaft mit Häusern“ entstand. Solche in einem moderaten sachlich-realistischen Modernismus gehaltene Landschaften, Stadtansichten und Alltagsszenen sind typisch für Nussbaums Frühwerk. Sie sind geprägt von einer narrativen, allegorischen Formensprache, die beeinflusst ist von der Pittura metafisica eines Giorgio de Chirico sowie der Archaik von James Ensor und Karl Hofer. In Berlin feierte Nussbaum bald erste Erfolge, 1930 war sein Werk in der Modernen Galerie des Kaufhauses Wertheim erstmals in einer Einzelausstellung zu sehen. Im selben Jahr wurde „Belgische Landschaft mit Häusern“ aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung für die Nationalgalerie erworben. Es war der erste Ankauf eines Bildes von Nussbaum für ein Museum – und blieb bis 1971 der einzige. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 durchkreuzte Nussbaums aufstrebende Künstlerkarriere. Als Jude war er den politischen Repressionen im nationalsozialistischen Deutschland bereits früh ausgesetzt, was 1935 zu seiner endgültigen Emigration nach Belgien führte. Trotz der jüdischen Herkunft des Künstlers war sein Gemälde in der Nationalgalerie nicht von der Aktion „Entartete Kunst“ 1937 betroffen. Nussbaums persönliche Situation als exilierter Jude änderte seine Sujets: Zunehmend setzte er sich nun künstlerisch mit sich und der politisch-gesellschaftlichen Lage, in der er sich befand, auseinander. 1944 wurde Nussbaum in Auschwitz ermordet. | Maike Steinkamp

Versammlung kurdischer Hirten vom Kolchos Lenin

Versammlung kurdischer Hirten vom Kolchos Lenin

Während seines Aufenthalts auf dem Baumwollkolchos „Lenin“, den Vogeler auf seiner Reise in den Südkaukasus im Sommer 1939 besuchte, fuhr er auch in das angrenzende Hochgebirge. Dort hielt er die baumlose grüne Berglandschaft und das Leben der kurdischen und armenischen Hirten in schriftlichen Aufzeichnungen und etlichen Bildern fest. Ein Ergebnis dieser Eindrücke ist das Gemälde „Versammlung kurdischer Hirten vom Kolchos Lenin“ (A III 288), das eine Gruppe von Hirtinnen und Hirten auf einem Bergplateau zeigt. Dem vorausgegangen waren die Studie „Versammlung kurdischer Hirten“ (A III 287) sowie eine Vielzahl an Zeichnungen und Aquarellen, die sich ebenso wie die Studien zu seinen anderen Reisen zum Teil im Kupferstichkabinett, Berlin, befinden. Auch das Gemälde „Armenische Hirten“ (A III 289) ist diesem Entstehungskontext zuzurechnen. Mit den genannten Werken gab Vogeler einen Einblick in das einfache, traditionsverbundene Leben der Hirten sowie der verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die in dieser politisch so umkämpften Region aufeinandertrafen. Sie zeigen auch die Veränderungen auf, die mit der „Eingliederung“ in die Sowjetunion verbunden waren, die Dichotomie zwischen Alt und Neu, Tradition und Fortschritt, wie sie in dem 1940 entstandenen Gemälde „Sowjetgut Lissogorsk, Armenien“ (A III 290) zu erkennen ist. Während sich im Hintergrund jenes Bildes vor den beeindruckenden grünen Bergrücken des Nordkaukasus die modernen weißen Stallgebäude des Sowjetgutes erstrecken, sieht man im Vordergrund die traditonellen braunen Jurten der einheimischen Bevölkerung. | Maike Steinkamp

Straße in Paris

Straße in Paris

Die 1954 entstandene Pariser Straßenansicht ist mit Blick auf das Schaffen Liebknechts in dieser Zeit erstaunlich impressionistisch gehalten. Sie wird bestimmt von einem Farbklang aus Rosé und Blau. Die Markisen der Läden und die nur skizzierten Passanten setzen Farbakzente. Das Fehlen von Autos verstärkt den friedvollen Eindruck, eine hoffnungsvolle Nachkriegsvision. Ein Jahr später gelangte das Bild in die Sammlung der Nationalgalerie. Ludwig Justi, 1933 als Direktor der Nationalgalerie entlassen, hatte erlebt, wie die Nationalsozialisten deren Sammlung der Moderne beschlagnahmten und zerstörten. 1946 wurde er zum Generaldirektor der Museen in Berlin (Ost) berufen, ab 1950 war er zugleich erneut Direktor der Nationalgalerie. Schon ab 1947 bemühte sich Justi um den Aufbau einer Galerie der Lebenden mit ausdrücklichem Hinweis auf die erlittenen Verluste. Er erwarb die „Eva“ von Gustav Seitz (B I 682) und Werke von Fritz Cremer. Mit dem freundlich-harmonischen Bild von Liebknecht konnte er durch Vermittlung des Grafikers Herbert Tucholski dem nun auch ein französisches Gemälde hinzufügen. Die seit 1951 in Ost-Berlin herrschende Formalismusdebatte erschwerte Justis Arbeit. Liebknecht gehörte weder zur Avantgarde der Nachkriegsmoderne in Frankreich oder Westdeutschland, noch reagierte er auf den der Moderne feindlich gegenüberstehenden Formalismus in der DDR. Vor etwaigen ästhetischen Einwänden der DDR-Behörden gegen diesen Ankauf schützte die Wahl eines eher konventionellen Bildes, zudem war der Maler als Sohn von Karl Liebknecht kaum angreifbar, wie Justi wohl wusste. | Angelika Wesenberg

Eisenschleiferei

Eisenschleiferei

Vom 30. September bis zum 20. Oktober 1918 durfte Robert Sterl, mit einer Genehmigung des Kriegsministeriums ausgestattet, in den Werken der Firma Krupp in Essen, Betriebsteil Gussstahlwerk, künstlerisch arbeiten und war dafür vom Kriegsdienst freigestellt. Er war fasziniert von den ungewohnten Szenen, wie man den Briefen an seine Frau entnehmen kann: „Aber großartig über alle Begriffe, ganz großartig und malerisch.“ (30.9.1918, zit. nach: Horst Zimmermann, Der Maler Robert Sterl. Leben und Werk in Briefen und Selbstzeugnissen, Dresden 2011, S. 207) „Im Werk ist es nach wie vor wunderbar und so nach und nach sieht man alle Schönheiten.“ (15.10.1918, S. 209) So entstanden in den drei Wochen über sechzig Zeichnungen und um die zehn Ölskizzen, zurück in Dresden malte er mehrere Gemälde. Das Bild „Eisenschleiferei“ verbindet Eindrücke von den Arbeitsvorgängen im Schmelzbau wie in der Eisenschleiferei zu einer besonders eindrücklichen Ansicht. Sterl hat, wie seinerzeit Adolph Menzel für das Bild „Eisenwalzwerk“ der Nationalgalerie (A I 201), zahllose Figurenstudien angefertigt, komplementär zum Studium der großartigen Technik und Skizzen von der imposanten Halle. Unter seinen Notizen befindet sich auch eine Aufstellung von Motiven, darunter: „5. Martinwerk I, viele Öfen – Figuren, ganz prachtvoll.“ (30.9.1918, S. 207) Sterl zeigte die vier 1918 in Dresden nach den Skizzen entstandenen Gemälde (Popova Nr. 1062, 1064, 1066, 1067) in seiner großen Personalausstellung von 1928 in der Kunsthütte zu Chemnitz. Alle vier Gemälde wurden schon vor Ausstellungsbeginn von Chemnitzer Fabrikanten erworben. | Angelika Wesenberg