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SS. Giovanni e Paolo in Venedig

Ident. Nr.: A II 827

ObjID: obj:967535

Details (expert)

Creator/Entity
Friedrich Nerly (1807 - 1878),
Maler*in
Date(s)
1849
Additional titles
Collection title: SS. Giovanni e Paolo in Venedig
S.S. Giovanni Paolo
Material / Technique
Öl auf Leinwand
Acquisition
1876 aus kaiserlich-königlichem Besitz an die Nationalgalerie überwiesen; 1934 nachinventarisiert; 1938 Leihgabe an die Deutsche Gesandtschaft in Brüssel; 1945 verschollen; 2025 Geschenk vom Belgischen Abgeordnetenhaus an die Alte Nationalgalerie

Object Description

Der 1807 in Erfurt geborene Friedrich Nerly wuchs nach dem frühen Tod seines Vaters ab 1815 beim Bruder seiner Mutter in Hamburg auf. Der Onkel erkannte Nerlys künstlerische Begabung und förderte ihn. Er wurde Lehrling in der lithographischen Werkstatt von Heinrich Joachim Herterich und Johann Michael Speckter. Dort lernte der junge Nerly den Mäzen Freiherr Carl Friedrich von Rumohr (1785-1843) kennen. Die Begegnung mit dem weitgereisten und bestvernetzten Kunsthistoriker, Kunstpädagogen und Amateurkünstler wurde für Nerly prägend. Rumohr nahm ab 1823 den 16-Jährigen zur weiteren Ausbildung bei sich auf Gut Rothenhausen bei Lübeck auf.
1827 begleitete Nerly seinen Mentor auf einer Reise durch Deutschland, u.a. nach Dresden und München. In Weimar besuchten sie Goethe. Im Frühjahr ging es nach Italien. Da Rumohr nach Deutschland zurückkehren musste, traf Nerly im Dezember 1828 ohne seinen Mäzen in Rom ein. Von dort aus bereiste der Maler in den nachfolgenden Jahren verschiedene Regionen Italiens. Der mit dem Namen „Nehrlich“ geborene Künstler nannte sich fortan „Nerly“.
1837 besuchte Nerly Venedig. Die Stadt am Meer mit ihren großartigen Bauwerken, den alten Palästen, Kirchen und Plätzen, mit ihren zahlreichen Brücken und Kanälen, muss ihn fasziniert haben. Im Januar 1838 bezog Nerly eine Wohnung im Palazzo Pisani am Campo San Stefano, wo er über vierzig Jahre wohnen, arbeiten und Gäste empfangen sollte. Er spezialisierte sich erfolgreich auf venezianische Stadtansichten. Die Ansicht der „Piazzetta in Venedig bei Mondschein“ wurde sein berühmtestes und am meisten nachgefragtes Werk. Nerly porträtierte nicht nur bekannte Gebäude und Plätze, als einer der ersten malte er die Lagune, den noch unerschlossenen Lido und viele unscheinbare Winkel Venedigs. Er wurde der prominenteste in Venedig ansässige ausländische Maler. In den Reisehandbüchern wurde Nerlys Atelierwohnung als Anlaufstelle für Kunstinteressierte empfohlen. Nerly erfand nicht nur ein neues Bild der Lagunenstadt, sondern begründete auch die venezianische Freilichtmalerei.
In dem großformatigen, repräsentativen Gemälde hat der Maler eine Ansicht der Kirche SS. Giovanni e Paolo ins Zentrum gerückt (auch San Zanipolo genannt). Der knapp 100 Meter lange Bau zählt zu den größten und bedeutendsten Gebäuden der Venezianischen Gotik. Er wurde die Grablege der Dogen. Links neben der Kirche ist die prächtige Fassade der um 1500 errichteten Scuola di San Marco dargestellt. Rechts auf dem Platz vor den Gebäuden steht auf einem hohen vom Sonnenlicht beschienenen Sockel das bronzene Reiterdenkmal des Condottiere Bartolomeo Colleoni von Andrea del Verrocchio. Nerly hat die Ansicht vom Wasser aus aufgenommen. Auf dem Kanal sind Händler mit Schiffen und Booten unterwegs, an der Ufermauer liegen Gondeln. Auf dem Platz herrscht geschäftiges Treiben, mehrere Besucher strömen zum Eingang der Kirche. Nerly hat die reich verzierten Fassaden der historischen Bauten im Wechsel von Licht und Schatten subtil erfasst. Unter einem fast wolkenlosen blauen Himmel entfalten sich Pracht und Würde der geschichtsträchtigen Gebäude Venedigs.
1850 war das Gemälde auf der Berliner Akademieausstellung zu sehen, mit dem Hinweis im Katalog: „Im Besitz Sr. Maj. des Königs“ (Kat. 1249). Ein Jahr zuvor, im Jahr der Vollendung 1849, hatte Friedrich Wilhelm IV. das Werk erworben. Wohl in Erinnerung an seine Venedigaufenthalte war von ihm das Bild beim Maler bestellt worden. 1876 wurde das Gemälde anlässlich der Eröffnung der Nationalgalerie auf der Museumsinsel aus der kaiserlich-königlichen Sammlung an das Museum überwiesen (Vgl. NG-Kat. 1876, S. 148).
Eine Vorzeichnung befindet sich im Metropolitan Museum New York (SS. Giovanni e Paolo in Venedig mit dem Reiterstandbild des Bartolommeo Colleoni von Verrocchio, Bleistift, 37,7 x 46,3 cm, Inv.-Nr. 2008.198, Metropolitan Museum New York). Eine Teilansicht in Aquarell wird im Angermuseum Erfurt bewahrt (1849, Aquarell, 74,7 x 55,1, cm, Angermuseum Erfurt, Inv.-Nr. 3028).| Birgit Verwiebe


Last updated: 16.03.2026

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Institution:

Alte Nationalgalerie

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Schlesische Landwehr bei Waterloo

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Noch während seines Studiums an der Düsseldorfer Akademie erhielt Hans Kohlschein den ersten Auftrag für die Ausmalung eines repräsentativen Sitzungssaals. Monumentale Figurenbilder, meist zu Szenen der deutschen Geschichte, stellten seitdem einen Schwerpunkt in seinem Schaffen dar. Der napoleonische Befreiungskrieg beschäftigte ihn mehrfach. Es war ein Thema, das im Zuge des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71 an neuer Bedeutung gewonnen hatte. Der Düsseldorfer Maler Arthur Kampf, dem Kohlschein in seiner lockeren Malweise und den eher kantigen Gesichtern künstlerisch nahesteht, hatte in den 1880er Jahren bereits verschiedene Gemälde zu diesem Thema geliefert. Im Jahre 1900, etwa gleichzeitig zur Grundsteinlegung des Leipziger Völkerschlachtdenkmals, schrieb die Verbindung für historische Kunst einen Wettbewerb zur Förderung des vaterländischen Geschichtsbildes aus. Kohlschein beteiligte sich mit einem Entwurf zur Schlacht bei Katzbach. Er gewann den ersten Preis. Das schließlich 1902 vollendete Bild wurde sodann unter dem Titel »Schlesische Landwehr bei Waterloo« auf der Deutsch-Nationalen Kunstausstellung in Düsseldorf gezeigt und für die Nationalgalerie angekauft (Inv.-Nr. A III 572). Es sei, so Paul Clemen, »von grosser Kraft und einem hohen künstlerischem Ernst Zeugnis ablegend. Wie eine Sturmwelle flutet die Landwehr, unaufhaltsam vorwärts getrieben, über die niedere Bodenerhebung, aus dem Nebel löst sich die zweite Welle los« (Die Kunst für Alle, 17. Jg., 1902, H. 24, S. 561). In der Tat ist es gerade diese Vorwärtsbewegung der Soldaten, die den Gesamteindruck des Gemäldes nachhaltig bestimmt und hinter der jegliches erzählerische Moment zurücktritt. Selbst das dargestellte Schlachtfeld ist nur angedeutet, bleibt ein ödes, austauschbares Niemandsland, über das sich der mit breitem Pinsel getupfte, trist verhangene Himmel spannt. Kohlscheins Interesse galt denn auch nicht der heldenhaften Schlacht per se, sondern der Psychologie dahinter: In den Gesichtern der Soldaten spiegeln sich Verwegenheit, Entschlossenheit, Resignation, vor allem aber Terror und Entsetzen. Bildthema ist die Dynamik dieser panisch vorwärtsstürmenden Menschenmenge, die, einmal in Bewegung geraten, nicht mehr zu bändigen ist. Als Variation desselben Themas malte Kohlschein zwei Jahre später das Bild »Lützows Freischar vor dem Kampf« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 886), in dem die nun berittene Menschenmenge – auf den Befehl des Angriffs wartend – gerade noch unter Kontrolle ist. In den wilden Augen der tänzelnden Pferde zeigt sich die Anspannung der Infanteristen deutlicher als in den Gesichtern der Männer selbst. Noch ist der Angriffsbefehl nicht erteilt und die Männer verharren in größter Anspannung; in fiebriger, idealistischer Begeisterung blickt der Knabe auf dem Palomino in die Ferne. »Kohlschein verfällt mit seiner Lützowschen Freischar leise ins Uebertriebene«, bemängelte ein Kritiker. »Die vorspringenden Unterkiefer und eckigen Schädel geben den jugendlichen Streitern etwas Verwandtschaftliches, die Silhouette ist lebendig und die naßkalte Winterluft gut getroffen« (Die Kunst für Alle, 19. Jg., 1904, H. 23, S. 548). Kohlscheins Auseinandersetzung mit der Dynamik von Menschenmengen – in der Zeit um 1900 ein virulentes Thema nicht nur in der Sozialkunde und beginnenden Psychologie – verkannte der Kritiker. Eben hierin, in dem genauen Studium der menschlichen Psyche, der Schilderung der Schlacht als einer auch militärisch instrumentalisierten Massenpanik und der damit einhergehenden Entheroisierung der Soldaten, liegt Kohlscheins unerwartet moderner Ansatz. | Regina Freyberger

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Das monumentale Historiengemälde »Albrecht Achill im Kampf um Nürnberg« schuf der 30jährige Steffeck im Auftrag des Königs von Preußen. Es zeigt ein pyramidal zugespitztes Gewirr aus Menschen- und Pferdeleibern, mittig den brandenburgischen Markgrafen Albrecht III. Achilles (1414–1486), der im ersten Markgrafenkrieg 1449/50 erfolglos die Reichsstadt Nürnberg zu unterwerfen suchte. Nichtsdestotrotz sieht man den Markgrafen bei Steffeck heldenhaft und glorreich auf stattlichem Schimmel inmitten des Getümmels, die gegnerische Standarte siegreich in der Hand und mit der Streitaxt die feindlichen Krieger abwehrend. Einen historisch belegten Vorgang zeigt das Gemälde nicht: »Es ist eben kein welthistorischer Moment, wohl aber ein solcher, der zu einer individuell dramatischen Durchbildung alle Gelegenheit gab.« Dennoch habe der Künstler, so der Kritiker des »Kunst-Blatts« anläßlich der Berliner Akademieausstellung 1848, dies »vortrefflich empfunden und wiederzugeben gewußt […]; besonders in den Pferden zeigt sich eine verwegene Meisterschaft« (Kunst-Blatt, Beilage zum Morgenblatt für gebildete Stände, 29. Jg., 1848, H. 45, S. 177). Das »kolossale Jugendwerk« Steffecks (Max Liebermann, in: Carl Steffeck, Ausst.-Kat., Berlin 1913, S. 6) begründete den Ruhm des Künstlers. Dennoch wurde es vom preußischen König, für den das Bild entstanden war, nicht angekauft. Steffeck war bei ihm durch seine demokratische Gesinnung während des Revolutionsjahrs 1848 in Ungnade gefallen. Erst 1864 wurde das Werk für die Nationalgalerie erworben. | Regina Freyberger

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Bildnis Konrad Haenisch

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Ebenso wie Hans Purrmann verkehrte Bondy um 1905 im Pariser Künstlertreffpunkt Café du Dôme. Damals schuf er an Auguste Renoir und Édouard Manet geschulte Bilder. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs übersiedelte er nach Berlin, wo er später Purrmann wiedertraf. Dieser schrieb 1930: „Bondy, vollkommen unabhängig, aus einem höchst kultivierten Wiener Hause kommend, […] wurde mit und nach dem Krieg gezwungen, Geld zu verdienen. Seine Malerei gab ihm ohne schlimme Zugeständnisse keine Möglichkeit dazu. Es war eine Malerei, die Zeit erforderte, gepflegt durchgeführt sein wollte, und daher nicht mehr in eine so unruhige Zeit paßte“ (Hans Purrmann, Walter Bondy. Zu seinem 50. Geburtstage, in: Weltkunst, 4. Jg. [1930], H. 51/52, S. 13 ). Das vorliegende Bildnis in Pastell bestätigt das kritische Urteil. Es zeigt Konrad Haenisch (1876–1925), von November 1918 bis 1921 erster Kultusminister der Weimarer Republik. Seit Ende 1918 gab es im Ministerium Überlegungen, Bondy eine Meisterklasse für Bildnismalerei an der Berliner Hochschule für die bildenden Künste zu übertragen – doch auch der danach befragte Ludwig Justi, Direktor der Nationalgalerie, riet ab. In diesem Kontext wird wohl die Haenisch-Studie entstanden sein. Wenig später gab Bondy seine Künstlerkarriere auf. Er gründete 1927 das Wochenblatt „Die Kunstauktion“ (ab 1930 „Weltkunst“), war als Kunsthändler und Autor tätig und eröffnete nach seiner Emigration in Sanary-sur-Mer ein Fotoatelier. Das Bildnis gelangte zu einem unbekannten Zeitpunkt in das Kultusministerium. Ebenso wie Willy Jaeckels Porträt des Kultusministers Otto Boelitz (A IV 192) wurde es 1939 der Nationalgalerie zur Magazinierung überwiesen. | Angelika Wesenberg

Landschaft mit Hünengrab

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