Logo

Eselgruppe

Ident. Nr.: B II 103

ObjID: obj:967581

Details (expert)

Creator/Entity
Paul Kratz (1884 - 1958),
Bildhauer*in
Date(s)
um 1922
Provenance
Alfred Neumann,
367786
Übereignung: Dresdner Bank, Filiale Frankfurt am Main,
bis 15.8.1935
Kauf: Reichsfinanzministerium und Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung,
ab 15.8.1935
Material / Technique
Bronze
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 16,5 x 42,5 x 12 cm
Acquisition
1935 vom Preußischen Staat aus den Kunst-Beständen der Dresdner Bank angekauft und an die Staatlichen Museen zu Berlin überwiesen, Vorbesitz Alfred Neumann, Frankfurt am Main

Object Description

Als zu den „Abseitigen und Stillen im Lande“ gehörend charakterisierte 1918 ein Rezensent den Bildhauer Kratz, der „[n]eben seiner Leidenschaft als Künstler […] noch eine andere [hat], die des Tierliebhabers“ (Wilhelm Schäfer, Paul Kratz, in: Die Rheinlande, 28. Jg. [1918], H. 5/6, S. 98). Daher sind es neben dem Märchenbrunnen in Frankfurt am Main (1901–1910) und dem Modell für das Frankfurter Ratssilber (Historisches Museum Frankfurt), an denen Kratz mitarbeitete, vor allem Tierplastiken, die einen Einblick in das Schaffen des heute kaum bekannten Bildhauers ermöglichen. Die „Eselgruppe“ folgt einem mehrfach von dem Künstler eingesetzten Kompositionsschema (vgl. die „Panthergruppe“, B II 104, oder die „Ebergruppe“ [um 1900] am Untermain-Kai in Frankfurt), in dem zwei Tiere in gegenläufiger Bewegung frontal aufeinandertreffen und zu einer geschlossenen Gesamtform zusammengefasst werden. Die dem Bewegungsmotiv geschuldete Stütze unter dem rechten Vorderhuf des Esels bleibt jedoch künstlerisch wenig überzeugend gelöst. Bereits 1918 hatte sich Kratz mit einem „Wildesel“ (um 1918; vgl. Lisbeth Schäfer, Die „Jugend“ aus den Ländern am Rhein, in: Die Rheinlande, 28. Jg. [1918], H. 1/2, Abb. S. 1) auf der Ausstellung des Verbandes der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein in Wiesbaden präsentiert, 1922 folgte dort die Ausstellung der Gruppe „Spielende Esel“ (Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein [Hg.], Maler und Bildhauer in den Ländern am Rhein, Ausst. Kat. Neues Museum Wiesbaden, 1922, S. 75, Nr. 365), bei der es sich um die Komposition der vorliegenden „Eselgruppe“ gehandelt haben könnte. | Yvette Deseyve

Last updated: 19.08.2026

Contact

Institution:

Alte Nationalgalerie

Email:

n/a

Additional items from the collections

Doppelstandbild der Prinzessinnen Luise und Friederike von Preußen

Doppelstandbild der Prinzessinnen Luise und Friederike von Preußen

Das lebensgroße marmorne Standbild der Kronprinzessin Luise (1776-1810) mit ihrer Schwester, Prinzessin Friederike (1778-1841) von Preußen, gehört zu den Hauptwerken des europäischen Klassizismus (vgl. auch die Angaben zum Gipsmodell, Inv.-Nr. B I 76). Hinsichtlich des Typus schuf Schadow mit dieser zweifigurigen Gruppe etwas ganz Neues, denn es ist nicht ein Denkmal für Männer von besonderem Verdienst, nicht eine explizit dynastische Selbstdarstellung der Hohenzollern, sondern primär ein Hymnus auf die Jugend, die Anmut und die Schönheit. Die aufrecht stehende, fernhin blickende Luise kontrastiert in reizvoller, hintergründiger Weise mit ihrer jüngeren, etwas koketteren Schwester Friederike; das beide Figuren verbindende Moment liegt aber nicht nur in dem Umgreifen des Armes von Luise und im vertraulichen Berührungsmotiv der Hände, sondern auch im Aneinanderlehnen, in der pyramidalen Gesamtform und in der vereinheitlichenden Behandlung der antikisierenden Gewänder. Das Gipsmodell (B I 76) der Gruppe diente zur Übertragung in Marmor, die weitgehend Schadows Gehilfe Claude Goussaut ausführte, während der Meister selbst sich die Vollendung der Gesichter und der Arme vorbehielt. Auf der Grundlage des Modells wurden auch kleinformatige Ausformungen in Biskuitporzellan hergestellt. Ursprünglich sollte die Gruppe nur in diesem Material in verkleinertem Maßstab verwirklicht werden. Erst nachdem der Kurator der Akademie der Künste, Friedrich Anton Freiherr von Heinitz, sich nachdrücklich beim preußischen König für eine lebensgroße Übertragung in das edle, zeitlose und freilich auch teurere Material des weißen Marmors verwendet hatte, kam diese zustande. Dies war sicherlich auch ein Ausdruck dafür, daß sich Schadow und sein Protektor Heinitz mit den seit Winckelmann gefeierten Skulpturen der Antike messen wollten, die bekanntlich in Marmorkopien überliefert waren und als künstlerische Normen verstanden wurden. So wurde das Werk auch zu einem Sinnbild der preußischen Kunstpflege – schon die Widmungsinschrift an der Plinthe macht das deutlich (zu deutsch: Im elften Jahr der Regierung Friedrich Wilhelms II.) – und des preußischen Anspruchs auf Erfüllung höchster künstlerischer Normen. Allerdings gehört es zur Ironie der Geschichte, daß lange Zeit (bis ins frühe 20. Jahrhundert) der Marmor magaziniert blieb, während das Modell sich bereits in der Nationalgalerie befand. Seit 1801/02 im Berliner Schloß, befand sich das Werk 1856 im "Boisierten Zimmer" in den sogenannten "Petit-Kammern", wo auch das "Liegende Mädchen" von Schadow aufgestellt war. Nach den starken Zerstörungen des Schlosses kam es 1949 in das Hauptgebäude der Nationalgalerie. | Bernhard Maaz

Amphitrite

Amphitrite

Max Klingers von sublimer Kühle bestimmte, lebensgroße Statue einer strengen, in die Ferne Schauenden wird als "Amphitrite" betitelt, was so viel bedeutet wie "Die Meerumrauschte" oder "Die Meeresgöttin". Doch Klingers Skulptur steht keineswegs in der Tradition klassizistischer Idealschöpfungen und Götterstatuen, sondern verkörpert eine moderne Frau mit Anklängen an die Femme fatale, unergründlich, unnahbar und unerfahrbar. Das leichte Gewand, das von den Hüften herab die Beine umfängt und den Schoß freigibt, hemmt das latente Schreitmotiv. So bleibt die auffällige Säulenhaftigkeit, die aus der Torsoform ohne Arme resultiert, vorherrschend. Die Skulptur entstand aus zwei verschiedenen Gesteinsblöcken: der Oberkörper aus griechischem (parischem) Marmor und die Bein- und Gewandpartie aus Carraramarmor. Der erstgenannte Stein diente zuvor auf der Insel Syra als Treppenstufe. Wenngleich es sich also um eine polylithe, also aus verschiedenen Gesteinsarten montierte Skulptur handelt, erweist sich der Kontrast zwischen den Materialien als verhältnismäßig zurückhaltend. Andere Skulpturen von Klinger und seinen Zeitgenossen spielen die Reize der kostbaren Materialvielfalt weit demonstrativer aus. Klinger konzentrierte sich hier aber darauf, die Unterschiede in der Körnung und in der Temperatur des Farbtons zwischen dem parischen und dem carrarischen Stein zu nutzen. Lediglich durch farbige Tönung differenzierte er die Wirkung weiter aus: Im Kopfbereich finden sich Reste von blauer und roter Tönung, die Augen sind schwarz aufgemalt; andere Farben – etwa im Bereich des Gewandes - gingen hingegen durch unsachgemäße Reinigungen verloren. Die Statue gehört zu jenen polychromen und polylithen Werken, mit denen der Graphiker und Maler Klinger vor allem seit den 1890er Jahren großen Ruhm auch als Bildhauer erlangte und womit er einer gesamteuropäischen Strömung in der Skulptur jener Jahrzehnte folgte. Möglicherweise war Klingers Schöpfung zumindest thematisch von jener "Amphitrite" angeregt, die Marius-Jean-Antonin Marcié bereits 1878 für einen silbernen Tafelaufsatz schuf, die dann auch in Elfenbein, mit Gold, Silber, Perlen und Korallen geschmückt, ausgeführt wurde (Walters Art Museum, Baltimore) und 1900 auf der Pariser Weltausstellung zu sehen war. | Bernhard Maaz

Morgenandacht in einem holländischen Waisenhaus

Morgenandacht in einem holländischen Waisenhaus

Seit den 1860er Jahren rückte die realistische tonige Malerei der Haager Schule ins Interesse der deutschen Künstler. München wurde, nicht zuletzt durch die Erste Internationale Kunstausstellung 1869 im Glaspalast und die Ausstellungen der Münchner Secession, zu einem wichtigen Zentrum der Rezeption. Wie Max Liebermann, der 1872 erstmals nach Holland gereist war, zog es seit den 1880er Jahren zahlreiche deutsche Künstler nach Holland. Walter Firle hielt sich 1883 zu Studienzwecken dort auf. Die Komposition »Morgenandacht in einem holländischen Waisenhaus« entstand unmittelbar nach Firles Rückkehr und zeigt den Einfluß Jozef Israëls im gedämpften, tonigen Kolorit und der spezifischen Behandlung der Lichtverhältnisse. Da Firle in Holland kein originales Kostüm der Waisenhausmädchen zu erwerben vermocht hatte, ließ er sich ein ähnliches Kostüm nachnähen und fertigte das Gemälde nach Studien mit einheimischen Modellen im Münchner Atelier. Das stimmungsvolle Genrebild wurde 1886 bei der Jubiläumsausstellung in Berlin mit einer Goldmedaille ausgezeichnet und von der Kritik begeistert aufgenommen – zu einer Zeit, da Liebermanns spröde Ansichten noch abgelehnt wurden. Firle, so Friedrich Pecht, zeigt »uns die singenden Mädchen von einem Zauber der Jugend und Reinheit umflossen […], für den man sämtliche Odalisken und Italienerinnen der Ausstellung gerne dahin gäbe« (Die Kunst für Alle, 1. Jg., 1886, H. 22, S. 316). | Regina Freyberger

Deutschlands Kampf und Einigung in den Jahren 1870 und 1871. Karton zum Siegesdenkmalfries in sechs Teilen

Deutschlands Kampf und Einigung in den Jahren 1870 und 1871. Karton zum Siegesdenkmalfries in sechs Teilen

»Die unmittelbare Folge des Siegesvelariums war, daß der Erbauer der Siegessäule, Geheimer Hofbaurat Strack, mir den Auftrag erteilte, Entwürfe für ein Bild zu machen, das den Kern der Säule hinter der umgebenden Säulenkolonnade schmücken sollte. Als Motiv hatte der Kaiser angegeben: ›Die Rückwirkung des Kampfes gegen Frankreich auf die Einigung Deutschlands‹ (Allerhöchste Kabinettsorder d.d. Versailles, 12. Februar 1871)« (A. von Werner, Erlebnisse und Eindrücke, Berlin 1913, S. 64). Anton von Werner führte zunächst eine vorläufige Version in Öl auf Leinwand in Originalgröße aus, die das Denkmal zur Einweihung am 2. September 1873 an der vorgesehenen Stelle vollkommen umspannte. Seit Frühjahr 1873 aber bemühte er sich um die Genehmigung, seinen Entwurf in ein Mosaik umsetzen lassen zu dürfen, einem so kostbaren wie teuren Material. Mit Hilfe der Kronprinzessin und der Großherzogin von Baden erlangte er die kaiserliche Genehmigung zu dieser kostspieligen Lösung. Über die Herstellung des riesigen Leinwandbildes, das erst später in die heutigen sechs Teile getrennt wurde, berichtete er in seinen Erinnerungen: »Ich mußte nun die Arbeit an der inzwischen aufgezeichneten Proklamierung [ehemals Berliner Stadtschloß, Kriegsverlust] einstellen und die 75 Fuß lange Leinwand für den Siegesdenkmalsfries in meinem Atelier vor dem Proklamierungsbilde, das 25 Fuß breit und 14 Fuß hoch war, aufstellen. Es geschah, da mein Atelier am Karlsbad 21 doch nicht groß genug war, um einer solchen Fläche Raum zu bieten, derart, daß das Bild auf zwei Walzen rechts und links aufgerollt wurde und jedesmal, wenn ich mit der Fläche von 25 Fuß fertig war, diese nach links weiter auf die linke Walze gerollt und von der rechten Walze die unbemalte Leinwand herausgezogen wurde« (ebd., S. 74). Der Entwurf auf Leinwand blieb bis zum Oktober 1873 an der Siegessäule, danach begann das Herumreichen des übergroßen Bildes: Zunächst wurde es in der Königlichen Akademie ausgestellt, wo Werner es einer nochmaligen Überarbeitung unterzog. Im Mai 1874 schickte Werner die Bildrolle an die Firma Salviati nach Venedig zur Ausführung als Mosaik, nachdem er zuvor auf Wunsch Wilhelms I. einige Änderungen vorgenommen hatte. Das Kultusministerium legte fest, daß das Bild nach seiner Rückkehr der Nationalgalerie zu übergeben sei (vgl. SMB-ZA, I/NG 2035). Es traf am 13. September 1875 in der Nationalgalerie ein, wurde 1876 auf die Kunst- und Kunstindustrieausstellung nach München geschickt und danach per Order vom 30. Oktober 1876 an das Schlesische Museum der bildenden Künste in Breslau abgegeben. In dessen Katalog von 1926 ist das Gemälde ausführlich beschrieben (Schlesisches Museum der Bildenden Künste, Breslau 1926, Kat.-Nr. 781, S. 270 f.). 1954 kamen die nunmehr sechs Bilder als Teil des sogenannten Freundschaftsgeschenks der Volksrepublik Polen an die DDR wieder an die Nationalgalerie zurück. Seit 1991 waren sie als Dauerleihgabe zunächst im Berlin Museum zu sehen, seit 2004 befinden sie sich im Deutschen Historischen Museum, Berlin. | Angelika Wesenberg

Sockel der Prinzessinnengruppe

Sockel der Prinzessinnengruppe

Normal 0 21 false false false DE X-NONE X-NONE Der Sockel zum Gipsmodell der Prinzessinnengruppe (Inv.-Nr. B I 76) mit seiner Marmor imitierenden Bemalung ist bis auf die beiden Inschrifttafeln dunkel gehalten und greift die Wirkung des Marmorsockels (siehe Inv.-Nr. B II 34) auf. Er wurde 1912 vom damals noch im Schloss aufgestellten Marmor der Prinzessinnengruppe abgegossen und für die Präsentation des Originalgipsmodells in der Nationalgalerie genutzt. Dieser Sockel erlitt einige gravierende mechanische Beschädigungen und wies deutliche Alterungsspuren auf, so etwa im Bereich der Rosen, die über innenliegenden Drahtschlaufen anmodelliert wurden, die sich aufgrund von Korrosion auf der Oberfläche abzeichnen, sowie hinsichtlich der Farbfassung. Er konnte 2022 restauriert werden und trägt nun wieder das Originalgipsmodell des Doppelstandbilds Luise und Friederike von Preußen. Die Inschriften sind in den weichen Gipsgrund geritzt und bezeichnen die beiden Dargestellten " Normal 0 21 false false false DE X-NONE X-NONE /* Style Definitions */ table.MsoNormalTable {mso-style-name:"Normale Tabelle"; mso-tstyle-rowband-size:0; mso-tstyle-colband-size:0; mso-style-noshow:yes; mso-style-priority:99; mso-style-parent:""; mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; mso-para-margin-top:0cm; mso-para-margin-right:0cm; mso-para-margin-bottom:8.0pt; mso-para-margin-left:0cm; line-height:107%; mso-pagination:widow-orphan; font-size:11.0pt; font-family:"Calibri",sans-serif; mso-ascii-font-family:Calibri; mso-ascii-theme-font:minor-latin; mso-hansi-font-family:Calibri; mso-hansi-theme-font:minor-latin; mso-bidi-font-family:"Times New Roman"; mso-bidi-theme-font:minor-bidi; mso-fareast-language:EN-US;} LOVISA CONIUX/PRINCIP. HERED/REGN. BORUSS." (Luise, Ehefrau des erblichen Herrschers des Königshauses Preußen) sowie "FRIEDERICA/CONIUX LUDOV./REG. BORUSS. FILI" (Friederike, Ehefrau des Königssohnes Ludwig)  | Yvette Deseyve, Bernhard Maaz

SS. Giovanni e Paolo in Venedig

SS. Giovanni e Paolo in Venedig

Der 1807 in Erfurt geborene Friedrich Nerly wuchs nach dem frühen Tod seines Vaters ab 1815 beim Bruder seiner Mutter in Hamburg auf. Der Onkel erkannte Nerlys künstlerische Begabung und förderte ihn. Er wurde Lehrling in der lithographischen Werkstatt von Heinrich Joachim Herterich und Johann Michael Speckter. Dort lernte der junge Nerly den Mäzen Freiherr Carl Friedrich von Rumohr (1785-1843) kennen. Die Begegnung mit dem weitgereisten und bestvernetzten Kunsthistoriker, Kunstpädagogen und Amateurkünstler wurde für Nerly prägend. Rumohr nahm ab 1823 den 16-Jährigen zur weiteren Ausbildung bei sich auf Gut Rothenhausen bei Lübeck auf.1827 begleitete Nerly seinen Mentor auf einer Reise durch Deutschland, u.a. nach Dresden und München. In Weimar besuchten sie Goethe. Im Frühjahr ging es nach Italien. Da Rumohr nach Deutschland zurückkehren musste, traf Nerly im Dezember 1828 ohne seinen Mäzen in Rom ein. Von dort aus bereiste der Maler in den nachfolgenden Jahren verschiedene Regionen Italiens. Der mit dem Namen „Nehrlich“ geborene Künstler nannte sich fortan „Nerly“. 1837 besuchte Nerly Venedig. Die Stadt am Meer mit ihren großartigen Bauwerken, den alten Palästen, Kirchen und Plätzen, mit ihren zahlreichen Brücken und Kanälen, muss ihn fasziniert haben. Im Januar 1838 bezog Nerly eine Wohnung im Palazzo Pisani am Campo San Stefano, wo er über vierzig Jahre wohnen, arbeiten und Gäste empfangen sollte. Er spezialisierte sich erfolgreich auf venezianische Stadtansichten. Die Ansicht der „Piazzetta in Venedig bei Mondschein“ wurde sein berühmtestes und am meisten nachgefragtes Werk. Nerly porträtierte nicht nur bekannte Gebäude und Plätze, als einer der ersten malte er die Lagune, den noch unerschlossenen Lido und viele unscheinbare Winkel Venedigs. Er wurde der prominenteste in Venedig ansässige ausländische Maler. In den Reisehandbüchern wurde Nerlys Atelierwohnung als Anlaufstelle für Kunstinteressierte empfohlen. Nerly erfand nicht nur ein neues Bild der Lagunenstadt, sondern begründete auch die venezianische Freilichtmalerei. In dem großformatigen, repräsentativen Gemälde hat der Maler eine Ansicht der Kirche SS. Giovanni e Paolo ins Zentrum gerückt (auch San Zanipolo genannt). Der knapp 100 Meter lange Bau zählt zu den größten und bedeutendsten Gebäuden der Venezianischen Gotik. Er wurde die Grablege der Dogen. Links neben der Kirche ist die prächtige Fassade der um 1500 errichteten Scuola di San Marco dargestellt. Rechts auf dem Platz vor den Gebäuden steht auf einem hohen vom Sonnenlicht beschienenen Sockel das bronzene Reiterdenkmal des Condottiere Bartolomeo Colleoni von Andrea del Verrocchio. Nerly hat die Ansicht vom Wasser aus aufgenommen. Auf dem Kanal sind Händler mit Schiffen und Booten unterwegs, an der Ufermauer liegen Gondeln. Auf dem Platz herrscht geschäftiges Treiben, mehrere Besucher strömen zum Eingang der Kirche. Nerly hat die reich verzierten Fassaden der historischen Bauten im Wechsel von Licht und Schatten subtil erfasst. Unter einem fast wolkenlosen blauen Himmel entfalten sich Pracht und Würde der geschichtsträchtigen Gebäude Venedigs.1850 war das Gemälde auf der Berliner Akademieausstellung zu sehen, mit dem Hinweis im Katalog: „Im Besitz Sr. Maj. des Königs“ (Kat. 1249). Ein Jahr zuvor, im Jahr der Vollendung 1849, hatte Friedrich Wilhelm IV. das Werk erworben. Wohl in Erinnerung an seine Venedigaufenthalte war von ihm das Bild beim Maler bestellt worden. 1876 wurde das Gemälde anlässlich der Eröffnung der Nationalgalerie auf der Museumsinsel aus der kaiserlich-königlichen Sammlung an das Museum überwiesen (Vgl. NG-Kat. 1876, S. 148).Eine Vorzeichnung befindet sich im Metropolitan Museum New York (SS. Giovanni e Paolo in Venedig mit dem Reiterstandbild des Bartolommeo Colleoni von Verrocchio, Bleistift, 37,7 x 46,3 cm, Inv.-Nr. 2008.198, Metropolitan Museum New York). Eine Teilansicht in Aquarell wird im Angermuseum Erfurt bewahrt (1849, Aquarell, 74,7 x 55,1, cm, Angermuseum Erfurt, Inv.-Nr. 3028).| Birgit Verwiebe