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Abtei im Eichwald

Ident. Nr.: NG 8/85

ObjID: obj:968249

Details (expert)

Creator/Entity
Caspar David Friedrich (1774 - 1840),
Maler*in
Date(s)
1809/1810
Systematics/Type
Provenance
Kauf: Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen,
1810
Besitz der Krone,
377724
Staatliche Schlösser und Gärten, Berlin (Rechtsnachfolge),
1928–1957
Material / Technique
Öl auf Leinwand
Dimensions
Höhe x Breite: 110,4 x 171 cm
Acquisition
Aus dem zerstörten Berliner Stadtschloß. Seit 1957 Eigentum der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz

Object Description

»Jezt arbeite ich an einem grossen Bilde«, berichtete Caspar David Friedrich, »worin ich das Geheimnis des Grabes, und der Zukunft darzustellen gedenke. [...] Unter; mit Schnee bedekten Grabmälern, und Grabhügeln, stehen die Überreste, einer gothischen Kirche, umgeben von uralten Eichen. Die Sonne ist untergegangen, und in der Dämmerung leuchtet über den Trümmern stehent, der Abendstern und des Mondes erstes Viertel. Diker Nebel dekt die Erde, und wärent man den obern Theil des Gemäuers noch deutlich sieht, werden nach unten, immer ungewisser; und unbestimmter die Formen, bis endlich sich alles, je näher der Erde, im Nebel Verliehrt. Die Eichen streken nach oben die Arme aus dem Nebel, wärent sie unten schon ganz verschwunden« (zit. nach: H. Zschoche, Caspar David Friedrich. Die Briefe, Hamburg 2005, S. 64).
     Das Gemälde »Abtei im Eichwald« schuf Friedrich als Pendant zu »Mönch am Meer« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. NG 9/85), beide Gemälde zeigte er 1810 auf der Berliner Akademieausstellung. Dort wurden auf Wunsch des 15-jährigen Kronprinzen die Pendants vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. erworben. Die rätselhafte Entrücktheit und formale Radikalität der Bilder ließ sie zu Schlüsselwerken der Romantik werden. Im »Mönch am Meer« steht der Mensch, verloren in apokalyptischer Einsamkeit, der Unendlichkeit der Natur, des Kosmos gegenüber. Er meditiert über das Leben und dessen Grenze. Im Gegenstück schreiten Mönche durch ein Gräberfeld. Sie tragen einen Sarg in eine verlassene gotische Ruine, um dort die Totenmesse zu halten. Der Friedhof mit seinen schiefen eingesunkenen Grabsteinen liegt verlassen, kahle Eichbäume greifen wie mit klagender Gebärde in den Himmel. Sie umrahmen die Reste eines hohen Mauerstücks mit einem gotischen Spitzbogenfenster. Abendliches Dämmerlicht erscheint als ockrig-gelber Farbschleier über dem Horizont und überstahlt die zarte Sichel des Neumondes. Die visionär leuchtende Himmelszone schwebt über dem im Dunkeln liegenden irdischen Bereich. Dort geben die beiden einzigen Lichter auf dem Altar hinter dem Kruzifix ein Zeichen der Hoffnung. Für Carl Gustav Carus, den Malerfreund Friedrichs, war dieses Bild »vielleicht das tiefsinnigste poetische Kunstwerk aller neuern Landschaftsmalerei« (C. G. Carus, Lebenserinnerungen und Denkwürdigkeiten, Leipzig 1865/66, Bd. 2, S. 230).
     Friedrich wählte als Vorbild für das Motiv des Kirchenfensters die Ruine Eldena bei Greifswald. Er hatte Eldena für sich zu einer Zeit entdeckt, als die Romantiker die Gotik als eine Errungenschaft der Deutschen ansahen und zum Idealbild ihrer Epoche erhoben. Sie betrachteten die Gotik als Naturstil und Ausdruck eines nach Freiheit strebenden Wachstums. In seinem Gemälde verlieh Friedrich der Eldenaer Ruine eine ideale Form, um Durchsichtigkeit und Grazie zu erreichen. Er legte das zu seiner Zeit mit einer Mauer verschlossene Fenster wieder frei und setzte vor die westliche Kirchenwand ein Portal, das so nicht existiert hat. 
     Zwanzig Jahre nach der Entstehung dieses Gemäldes wurde die Ruine Eldena denkmalpflegerisch umgestaltet, wohl auch unter Einflußnahme des preußischen Kronprinzen, der Friedrichs Gemälde seit zwei Jahrzehnten besaß: Um 1830 glich die Ruine Eldena in wesentlichen Zügen dem Phantasiebild Friedrichs. | Birgit Verwiebe

Last updated: 28.08.2026

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Institution:

Alte Nationalgalerie

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Deutschordensritter als Krankenpfleger in Jerusalem

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Die in Westpreußen gelegene mittelalterliche Marienburg wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts zum nationalen Monument erklärt. Seit 1309 war die Burg Hauptsitz des 1190 gegründeten Deutschen Ritterordens gewesen. Im 15. Jahrhundert, mit der Schlacht bei Tannenberg, begann der Niedergang des Ordens, und die Burg verfiel. Ihre Restaurierung wurde ab 1815 durch Kronprinz Friedrich Wilhelm (IV.) nachdrücklich betrieben, Karl Friedrich Schinkel betreute von Berlin aus die Arbeiten. 1818 entstand der Plan zu farbigen Glasfenstern im Sommerremter, einem quadratischen Refektorium mit Mittelsäule im Hochmeisterpalast. Carl Wilhelm Kolbe und Karl Wilhelm Wach wurden mit Entwürfen betraut. Die Glasfenster mit Szenen aus der Geschichte des Deutschen Ordens sollten dessen historische Bedeutung für die Entwicklung Preußens veranschaulichen. Der Kronprinz übernahm die Finanzierung, ausgeführt wurden die Glasbilder von 1821 bis 1827 in Berlin von Heinrich Müller. Seit 1828 waren sie eine Zierde der Marienburg, 1944 fielen sie dem Krieg zum Opfer. Kolbe schuf für den Kronprinzen nach seinen Fenster-Entwürfen mehrere Ölgemälde (Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Potsdam). Der Begründer der Nationalgalerie Joachim Heinrich Wilhelm Wagener erwarb ebenfalls zwei Ölfassungen: »Einzug des Hochmeisters Siegfried von Feuchtwangen mit seinen Rittern in die Marienburg« (Inv.-Nr. W.S. 117) und »Deutschordensritter als Krankenpfleger in Jerusalem«. Die letztgenannte Darstellung thematisiert die Gründungszeit des Ritterordens, der Ende des 12. Jahrhunderts aus einem Feldhospital vor der belagerten Hafenstadt Akkon hervorging. Kolbes Bild zeigt den Hochmeister Otto von Karpin, der, eine Fackel haltend, einen Verwundeten empfängt. Weitere Verletzte werden die Treppe hinauf ins Spital gebracht. Im Hintergrund orientalische, vom Mond beschienene Architektur. | Birgit Verwiebe

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Kaum dreißigjährig sollte Friedrich Meier im Juni 1815 als Offizier der Lützower Jäger in der Schlacht bei Ligny ums Leben kommen. Eine unruhige Laufbahn hatte ihn aus Rathenow über Berlin, Halle und Dresden – wo er mit Kleist, Varnhagen von Ense und anderen Modernen umging – nach Wien geführt. Neben einem lebhaften Interesse an geistigen Begegnungen, das ihn wohl auch zum Porträtmalen führte, ist die Freundschaft mit den Malerbrüdern Friedrich, Ferdinand und Heinrich Olivier und zu den gleichfalls von romantischen Ideen erfaßten Brüdern Leopold und Wilhelm von Gerlach ein Leitmotiv seines kurzen Lebens.Romantischer Freundschaftskult liegt auch der Entstehung des Jean-Paul-Porträts zugrunde. 1809 begingen Meier und der entfernt studierende Wilhelm von Gerlach den Geburtstag Jean Pauls (1763–1825), des damals berühmtesten und meistgelesenen Schriftstellers Deutschlands. Sie lasen das 38. Kapitel aus dem »Hesperus« und schrieben einander abends darüber. Meier berichtete dies dem Dichter und bat zugleich um Porträterlaubnis. »Ich wurde nie getroffen«, heißt es in der skeptischen Antwort (J. Paul, Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe, Abt. 3, Briefe, Bd. 6, Berlin 1952, S. 21). Doch im folgenden Frühjahr unternahm Meier mit den Brüdern von Gerlach und dem Dichter Karl Thorbecke die ersehnte ›Wallfahrt‹ nach Bayreuth und malte das Porträt, von dem alsbald mehrere Wiederholungen bestellt wurden. Der Dichter war auch menschlich tief beeindruckt: »Seit langem wurd’ ich im Spätjahr des Lebens […] nicht so schnell und anhaltend für zwei Menschen erwärmt als für Sie und Ihren Freund«, schrieb er dem Künstler (ebd., S. 270) und nannte Meiers Porträt »das einzig treffende« (ebd., Bd. 7, S. 114 f.). Mit einer an altdeutsche Bildnisse erinnernden hingebungsvollen Geradheit überliefert der ›Seelen- und Körpermaler‹ den Charakterkopf, nicht ohne die emotionalen und geistigen Spannungen deutlich zu machen. Die glasigen Augen des Trinkers mit jenem unsteten, rollenden Blick, den Zeitgenossen bemerkten, das wirre Haar, die nachlässige Kleidung werden nicht ignoriert, sie untermauern jedoch den Ausdruck zurückgehaltener Leidenschaft und visionären Ernstes. | Claude Keisch

Berliner Zimmer

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Das fein und liebevoll gemalte bürgerliche Interieur war vor allem während der Zeit des Biedermeier sehr verbreitet, der Hochachtung vor einem häuslich-genügsamen, das Familiäre betonenden Leben entsprechend. Vater und Sohn Graeb trugen das Biedermeierliche in der Architekturmalerei wie in der Interieurmalerei noch mehrere Jahrzehnte weiter. Das Fenster, als ein Hauptelement des Raumes, ist Mittelpunkt der meisten Interieurdarstellungen, in der Romantik meist nahsichtig gegeben, das Innen und das Außen sinnig verbindend, oder auch, wie hier, am Ende der Raumflucht, den Blick auf Möblierung und Bildschmuck der beiden Längswände freigebend. Paul Graeb wählte sich als Vorlage für seine beiden Bilder typische, spätbiedermeierliche Interieurs: Die kleinere der beiden Wohnstuben wird durch schwere Möbel in Mahagoni – Glasschrank, Schreibschrank, Kommode, Sofa, runder Tisch mit Mittelkonsole – vor gelbgemusterter Tapete bestimmt. Sofabezug, Tischdecke und Vorhang nehmen den roten Ton der Möbel auf. Im zweiten, schräg gegebenen Zimmer dominieren blaulilafarbene Töne, es wirkt heller und geräumiger. Zwischen den Fenstern steht eine Pfeilerkommode mit großem Spiegel, an der rechten Wand ein großes Rollbureau. Die Ausstattung mit Kunst ist bescheiden, die Räume wirken eher solide als repräsentativ.Beide Innenraumansichten zeigen nach einem Vermerk im Inventar (sicher als Mitteilung des Verkäufers) Wohnräume über der »Roten Apotheke« in Berlin. Doch lassen die Größe der Zimmer und der Fensterausblick vermuten, daß es sich nicht um die Rothe-Apotheke, Rosenthalerstr. 47, sondern wohl eher um die Rothe-Adler-Apotheke, Unter den Linden 53, gehandelt haben wird. Das Haus wie auch das gegenüberliegende sind kriegszerstört. – Über der Rothen-Adler-Apotheke wohnten nach dem Wohnungsanzeiger von 1881 der Apotheker und Mineralwasserfabrikant A. Lucae, der Apotheker Mentzel und der Arzt La Pierre, gutbürgerliche Mieter also. | Angelika Wesenberg