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Fahnen

Ident. Nr.: NG 27/64-105

ObjID: obj:974547

Schenkung Dr. Hans Kollwitz, Berlin

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Käthe Kollwitz (1867 - 1945),
Zeichner*in
Date(s)
Herstellung: 1925
Geographical references
Berlin,
Stadt
Provenance
Käthe Kollwitz (1867-1945),
bis 1945
Nachlass/Vermächtnis: Hans Kollwitz (1892-1971),
1945-1964
Schenkung: Nationalgalerie Berlin (West),
1964-1986
Dimensions
Blattmaß: 45,9 x 59,2 cm

Object Description

"Fahnen" gehört zu einer Entwurfsserie aus fünf (soweit bekannt) sehr großen Blättern [...], die 1925 im Zusammenhang mit einer Publikation des Deutschen Arbeitersängerbundes entstanden. Zwei davon [#vgl. auch Ident. Nr. NG 27/64-50] besitzt das Kupferstichkabinett. Die am weitesten durchgeführte Komposition [...] wurde 1926 unter dem Titel "Revolutionsgesang" im Liederbuch "Gemischte Chöre. Alt. Gesammelt von A. Guttmann, Verlag d. Deutschen Arbeitersängerbundes,
Berlin 1926", reproduziert. Man nimmt an, daß eine literarisch überlieferte Formulierung Maxim Gorkis Kollwitz zu ihrer Bildidee anregte. Der von ihr hoch
geschätzte russische Schriftsteller soll nach ihren Worten in einem Aufsatz aus der ersten Zeit der Sowjet-Republik von dem Fliegen 'Sohlen nach
oben' gesprochen haben. Hierauf Bezug nehmend, schreibt sie im Zusammenhang mit ihrer Rußlandreise 1927 in der AIZ [Arbeiter-Illustrierte-Zeitschrift]: »Dieses Fliegen im Sturmwind glaube ich in Rußland zu spüren. Um dieses Fliegen, um die Glut ihres Glaubens habe ich die Kommunisten oft beneidet« (zit. nach Kat. [Käthe Kollwitz, Frankfurter Kunstverein u. a. ] Frankfurt 1973, [o. S.] Nr. 157). Diesem nachgespürtem Grundgefühl des durch die Idee einer neuen Weltordnung  Emporgerissen- und Beflügeltwerdens gab sie in dem Bild der über wehenden Fahnen  hinwegfliegenden nackten männlichen Gestalt symbolisch Ausdruck. Käthe Kollwitz war mit dem Herausgeber des Liederbuches, dem Arzt und Musikliebhaber Alfred Guttmann, befreundet. Dieser organisierte den von Dr. Ernst Zander geleiteten
sozialdemokratischen "Großen Berliner Arbeiterchor [Volks-Chor]", ein ambitioniertes Unternehmen im Rahmen der Arbeiterkulturbewegung, das mit Laiensängern Chorwerke der Klassik, aber auch bedeutender zeitgenössischer Komponisten
aufführte und an dem die Künstlerin in den späteren zwanziger Jahren großes Interesse zeigte. So schuf sie für die Im November 1929 vom Berliner Arbeiterchor veranstaltete, In der Neuen Welt, Hasenheide, stattfindende Uraufführung von Arthur Wolffs "proletarischem Oratorium" "Kreuzzug der Maschine" die Bühnenbilder. [...]

(Text: Sigrid Achenbach, Käthe Kollwitz (1867-1945). Zeichnungen und seltene Druckgraphik im Berliner Kupferstichkabinett, Ausst.-Kat. Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1995, S. 144-145, Kat.-Nr. 176)

2025 digitalisiert aus Mitteln des Förderprogramms zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin.

Last updated: 04.08.2026

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Institution:

Kupferstichkabinett

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Das Kolosseum in Rom, von der Seite des Palatin gesehen

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Jan Gossaert, seinerzeit berühmt und hoch geschätzt, war bei verschiedenen Fürsten als Hofmaler tätig und gilt als der Begründer des neuen romanistischen Stils in den Niederlanden. 1508-09 reiste er in Begleitung Philipps von Burgund, eines humanistisch gelehrten Fürsten, nach Rom, wo er im Auftrag seines Mäzens nach antiken Monumenten zeichnete. Zu einem nicht erhaltenen römischen Skizzenbuch dürfte die Berliner Ansicht des Kolosseums gehört haben. Das sogenannte Kolosseum, ein um 80 n. Chr. errichtetes Amphitheater – bis zum heutigen Tag ein Wahrzeichen Roms −, ist von Westen her gesehen. Der Zeichner stand dicht am Bauwerk, sodass er nur wenige Achsen wiedergab. Der Baubefund, wie er sich in jenen Jahren darstellte, ist mit der feinen, spitzen Feder minuziös erfasst: die einzelnen Mauerringe und ihre Abbrüche, die Säulenordnungen und die aus dem Mauerwerk hervorwachsenden Bäume. Gossaert war wie alle nordischen Künstler vor und nach ihm von dem ruinösen Zustand des antiken Monumentes, das die Zeit überdauert hatte, fasziniert. Doch er sah das Bauwerk mit den am spätgotischen Stil geschulten Augen des Nordländers: Es gelang ihm nicht so recht, seine wahre Monumentalität zu erfassen. Text: Holm Bevers, in: Wir suchen das Weite. Reisebilder von Albrecht Dürer bis Olafur Eliasson im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Ina Dinter, Berlin 2016, S. 72Jan Gossaert, famous and highly valued already during his lifetime, worked as a court painter for several princes and was considered the founder of the new Roman-influenced style of painting in the Netherlands. In 1508 and 1509, he traveled to Rome in the entourage with the humanistically trained Philip of Burgundy to Rome. There he was commissioned by his patron to draw the ancient monuments. The Berlin view of the Colloseum is most likely from this no longer extant Roman sketchbook. The so-called Colosseum, an amphitheater built in 80 AD that remains a trademark of the city today, is depicted from the West. The draftsman is close to the structure, so that he only presents a few of the axes. The state of the structure in the years of its depiction is captured with the fine, sharp pen meticulously: the individual rings of the wall and the ruined arches, the lines of columns and the trees emerging from the brickwork. Gossaert, like all Northern artists, was interested especially in the ruinous state of the Ancient objects that had lasted through the ages. But he also saw the structure with the eyes of a northerner, schooled in the late Gothic style. He was not quite able to do justice to its true monumentality. Text: Holm Bevers, in: We’re off then. Travel Pictures from Albrecht Dürer to Olafur Eliasson in the Kupferstichkabinett, published by Hein-Th. Schulze Altcappenberg and Ina Dinter, Berlin 2016, p. 72