Logo

Schreibkasten (suzuribako)

Ident. Nr.: 1810

ObjID: obj:975314

Geschenk Gustav Jacoby

Details (expert)

Date(s)
Edo (Tokugawa)-Zeit
17./18. Jahrhundert
Geographical references
Herstellungsort: Japan
Dimensions
Objektmaß: 4,7 x 23,3 x 24,1 cm

Object Description

Der annähernd quadratische Schreibkasten mit leicht gerundeten Ecken und einem flachen Überfall-Deckel weist mit seiner traditionsgebundenen Form auf Vorbilder des 15. und 16. Jahrhunderts hin. Im Kasten sind rechts und links je ein schmales Fach zur Aufnahme von Pinseln und Papiermesser, die das zentrale Einsatzbrett mit der Ablage für den Reibstein (suzuri) und der darüber befindlichen Öffnung für den Wassertropfer (mizuire) flankieren. Das originale Zubehör ist nicht erhalten geblieben. Die gesamte Oberfläche des schwarzlackierten Schreibkastens ist mit feinen Goldpartikeln bestreut (nashiji). Die Ränder der beiden Kastenteile und der Innenausstattung wurden mit Zinn eingefasst. Der in Gold und Silber ausgeführte Streulack-Dekor ist in unterschiedlichen Reliefstärken (hira- und takamakie) ausgeführt. Auf der Oberseite des Deckels sind drei Kraniche an einem schilfbewachsenen, felsigen Flussufer zu erkennen, denen sich ein vierter herabfliegender Kranich zugesellt. Tautropfen aus Silber und ein in die Bildmitte hineinragendes Wolkenband vermitteln eine morgendliche Stimmung. Die vier Kraniche, in der ostasiatischen Kunst ein Symbol für Langlebigkeit, sind in verschiedenen Posen dargestellt. Um die plastische Wirkung der in takamakie reliefierten Tierkörper hervorzuheben, sind haarfeine Gravierungen (harigaki) in die exakten Zeichnungen des Gefieders eingeritzt und erhöhen den realistischen Effekt. Die szenische Darstellung der Oberseite des Deckels wird umrahmt von einem durchlaufenden Band mit stilisierten Rankenmotiven (karakusa) in Goldlackmalerei. Die Innenseite des Deckels zeigt einen Schrein mit Torbogen (torii) in einer einsamen Flusslandschaft. Am Ufer ist ein Boot zwischen dichtem Schilf zu erkennen. Eine vom Wind zerzauste Kiefer auf einem Felsen und hochaufragende Berge im Hintergrund sind in bewölktes Mondlicht getaucht. Diese Landschaftsdarstellung, die bereits in der Muromachi-zeitlichen Tuschemalerei beliebt war, setzt sich auf den Einlagen des Kastenkörpers fort. Eine vom Mond beleuchtete Berg- oder Flusslandschaft gibt meistens eine bestimmte, aus den klassichen Gedichtsammlungen bekannte Gegend wieder. Bei dem vorliegenden Dekor könnte es sich um die Darstellung des berühmten Sumiyoshi-Themas handeln, das seine ikonographische Ausformulierung in der Muromachi-Zeit erhalten hat. In dem Gedicht von Minamoto Yorimasa (1105-1180) heisst es: "Zwischen den Kiefern des Sumi-Flusses hindurchblickend, sehe ich den Mond über den Inselbergen von Awaji sinken". Die stilistische Ausführung der Rankenmotive sowie das verhältnismäßig grobe Goldpulver des nashiji-Grundes deuten auf eine Entstehung in der ersten Hälfte der Edo-Zeit hin.

Last updated: 30.07.2026

Contact

Institution:

Museum für Asiatische Kunst

Additional items from the collections

Die Großen Sutren der Vollkommenen Weisheit

Die Großen Sutren der Vollkommenen Weisheit

Zu den heiligsten und wichtigsten Texten des Mahâyâna-Buddhismus gehören die insgesamt 600 Kapitel umfassenden "Großen Sutren der Vollkommenen Weisheit" (sanksr. Mahâ-prajnâpâramitâ-sûtra, jap. Dai-hannyaharamitta-kyô), welche der berühmte chinesische Pilgermönch Xuanzang (596-664) aus Indien mitgebracht und zwischen 659 und 663 ins Chinesische übersetzt hatte. Dieser buddhistische Lehrtext enthält Predigten, die Buddha in 16 Zusammenkünften auf dem Geierkopfberg in Magadha und an drei anderen Orten vor seinen Schülern und Laienanhängern gehalten haben soll. Seit dem achten Jahrhundert war es unter der Aristokratie und dem Klerus Japans ein beliebter Brauch, Sutrentexte auf kostbar verziertem Papier abzuschreiben. Die Vervielfältigung der heiligen Schrift wurde einerseits als religiöse Übung erachtet, andererseits erhoffte man damit auch heilbringende Wirkungen. Für die Sutrenabschriften wurde meist Papier verwendet, das mit Indigo dunkelblau gefärbt wurde. Für die Schrift und die begleitenden Illustrationen benutzte man Gold und Silber. Der Berliner Satz soll ursprünglich 60 Miniaturrollen umfasst haben. 10 Rollen wurden jedoch bereits im Jahre 1784 wegen Insektenfraß entfernt. Die übrig gebliebenen 50 Rollen enthalten je 10 Kapitel, wobei das äußere Deckblatt, hyôshi, mit prächtigen, stilisierten Blütenranken, hosoge, verziert ist. Auf dem Deckblatt ist auch eine Kartusche vorgesehen, in der die Nummerierung der jeweiligen Rolle sowie der Titel geschrieben ist. Auf der Innenseite fangen alle Rollen mit einer szenischen Darstellung von Buddhas Predigt vor seinen Schülern und Laienanhängern an. Eingebettet wird diese Szene in eine stilisierte, nicht näher identifizierbare Landschaft. Danach folgen die einzelnen Kapitel, die jeweils mit einem Titel voneinander getrennt sind. Mehrere Rollen sind jeweils in einem Schwarzlackkästchen untergebracht, das auf der Innenseite auf Rotlackgrund mystische Bannsilben im sogenannten Siddham-Alphabet trägt. Sechs solcher Kästchen, von Brokathüllen umgeben, füllen den großen, in der Negoro-Technik lackierten Aufbewahrungskasten. Der Kastendeckel ist mit einer chinesischen Gedichtaufschrift versehen. In einer illustrierten Chronik der Provinz Settsu aus dem Jahre 1797 wurde der Berliner Satz, der sich damals im Besitz des Jingu-Tempels in Sumiyoshi, Ôsaka, befand, erwähnt. Gemäß Akisato Ritô, dem Verfasser der Chronik, stammen Schrift und Bild von der Hand der Kaiserin Kômyô (701-760). Die technische Ausführung der Malerei deutet jedoch auf eine Arbeit des 12. Jahrhunderts hin.

Schwertstichblatt (Tsuba) in Malvenblütenform

Schwertstichblatt (Tsuba) in Malvenblütenform

Das Schwertstichblatt oder auch "tsuba" ist eine häufig durchbrochen gearbeitete Scheibe aus Eisen oder Bronze. Es schützte die Hand gegen den Hieb des Gegners und hielt zugleich das Schwert in Balance. Im Laufe der Tokugawa-Zeit jedoch, als tatsächliche Kampfhandlungen mit dem Schwert selten wurden, wurden tsuba und die weiteren Schwertschmuck-Bestandteile dekorativer und verloren teilweise sogar ihre schlichte Funktionalität. Das vorliegende Schwertstichblatt ist aus Eisen in Malvenblütenform (aoi-kata) geschmiedet. Die Front- und Rückseite werden jeweils von eingelegten Ranken aus Messing, Kupfer und Silber in einem reliefierten kleineren Blütenumriß geschmückt. In der Randzone wechseln sich Ranken und Paulownia-Blütendolden (kiri) ab, die ebenfalls in Messing, Kupfer und Silber eingelegt sind (hirazôgan-Technik). Die eingezogenen Ecken münden in herzförmigen Durchbrechungen. Rechts und links der zentralen Öffnung für die Schwertklinge befinden sich zwei weitere Öffnungen (hitsu), die die Schwertnadel (kogai) und den "kleinen Griff" (kozuka) umschlossen und fest an den Schwertkörper preßten. Das kogai ähnelt einem Papiermesser. Seine ursprüngliche Funktion ist heute nicht mehr bekannt. Möglicherweise war es Bestandteil eines Eßbestecks. Das kozuka ist der Griff zu einem etwa 12 cm langen Beimesser des Schwerts. Charakteristisch für yoshirô-tsuba sind flache, teilweise auch erheben gearbeitete Einlagen aus Metall. Der Name "Yoshirô" findet sich häufig in den Bezeichnungen auf den Stichblättern dieser Schule und nimmt ebenso wie die Signatur vom "Naomasa der 5. Generation" (godaime Naomasa) Bezug auf den Begründer der Schule.

Klangplatte (kei)

Klangplatte (kei)

Die Klangplatte gehört mit zu den speziellen Kultgeräten, die in rituellen Handlungen des esoterischen Buddhismus ihre Verwendung finden. Während der rituellen Zeremonien sitzt der Priester in der Tempelhalle vor einem niedrigen Tisch, auf dem neben Wasser- und Weihrauchgefäßen verschiedene Kultgeräte nach einem bestimmten Schema, das ein Mandala symbolisiert, angeordnet sind. Dabei befindet sich die Klangplatte, welche an einem hölzernen Rahmengestell aufgehängt ist, auf der rechten Seite des Priesters. Sie wird mit einem Holzhämmerchen zum Klingen gebracht. Anfänglich aus China importiert, entwickelten japanische Handwerker während der Heian-Zeit die ersten japanischen Klangplatten. Die frühesten, in Japan hergestellten Klangplatten sind von einfacher geometrischer Form mit einem erhöhten zentralen Teil, der als Resonanzfläche dient. Während der späten Heian- und der frühen Kamakura-Zeit wurden vermehrt Sorgfalt und Fantasie für die äußere Form sowie für die aufwändige Behandlung des Oberflächendekors aufgebracht. Die klassische Form zeigt die Silhouette eines Berges, in dessen Mitte sich meist eine reliefierte, in Aufsicht gezeigte Lotosblüte oder zwei gegenständig angeordnete Pfauen befanden. Das vorliegende Exemplar gehört zu einer äußerst seltenen Gruppe von Klangplatten, die in der Form einer Lotosblüte gegossen wurden. Die Resonanzfläche ist als achtfach gelappte Samenkapsel geformt, wobei die Samen jeweils durch kreisrunde Gravierungen angedeutet sind. Jedes Blütenblatt ist definiert durch zwei parallel verlaufende Umrißlinien, die den Eindruck von plastischer Form erzeugen. Als eine der symbolträchtigsten Pflanzenarten im Buddhismus dient die Lotosblüte als Metapher für die erlangte Erleuchtung sowie als Symbol der Reinheit. Die Samenkapsel hat zudem eine glücksbringende Bedeutung. SM8HF

Kasuga Schrein-Mandala

Kasuga Schrein-Mandala

Am Fuße der Mikasa- und Kasuga-Berge in Nara befindet sich die Anlage des Kasuga-Schreines, der zu den sieben ranghöchsten Shintō-Heiligtümern Japans zählt. Der in der vertikalen Bildachse angelegte Pilgerweg verbindet den weitläufigen Schreinbezirk im oberen Bilddrittel mit dem dazugehörigen buddhistischen Tempel Kōfuku im Vordergrund. In den zu beiden Seiten liegenden Wäldern tummeln sich zahlreiche Hirsche, Wildschweine und Affen. Blaue und grüne Pigmente, die für den einheimischen Malstil, yamato-e, charakteristisch sind, dominieren die Farbgebung. Der dekorative Effekt des Bildes wird durch die reiche Anwendung von Goldfarbe, die vor allem die sakrale Bedeutung der heiligen Bezirke sowie des Pilgerweges unterstreichen, zusätzlich erhöht. Entsprechend der synkretistischen Glaubensvorstellung, wonach jede Gottheit eine früher dagewesene Manifestation oder eine niedergelassene Spur einer erst später nach Japan gekommenen buddhistischen Gottheit, suijaku, darstellt beziehungsweise jede buddhistische Gottheit die ursprüngliche Erscheinungsform der ihr zugeordneten shintoistischen Gottheit, honji butsu, ist, wurden seit dem 12. Jahrhundert verschiedene Typen von Kultbildern eingeführt, die die harmonische Koexistenz dieser beiden religiösen Richtungen veranschaulichen. In Riten zur Verehrung der Kasuga-Gottheiten, die ursprünglich als Schutzpatrone des mächtigen Fujiwara-Clans verehrt wurden, kommen hauptsächlich zwei Bildgattungen vor: das Hirsch-Mandala, "Kasuga shikamandara" und das Schrein-Mandala, "Kasuga miyamandara", Üblicherweise befinden sich bei Darstellungen des zweiten Typus die buddhistischen Erscheinungsformen der vier Kasuga-Gottheiten in der obersten Bildzone.