Logo

Der Herbst - Der Abend - Die Reife (aus dem Jahreszeiten-, Tageszeiten- und Lebensalterzyklus von 1803)

Ident. Nr.: FV 79

ObjID: obj:997693

Details (expert)

Involved
Ausführung: Caspar David Friedrich (1774 - 1840),
Zeichner*in
Dating
Herstellung: 1803
Provenance
Erwerbungsart ungeklärt: Heinrich W. Campe,
ca. 1837–1863
Nachlass/Vermächtnis: Sophie Hasse, geb. Campe und Karl Ewald Hasse,
1863–1902
Nachlass/Vermächtnis: Ernst Ehlers, Göttingen,
1902–1925
Nachlass/Vermächtnis: Heinrich Ehlers, Göttingen,
1925–27.11.1935
Kommission: C. G. Boerner,
27.11.1935
Auktion: Reichskammer der Bildenden Künste,
27. November 1935 bis 1937
Kommission: C. G. Boerner, Düsseldorf,
2006
Ernst von Siemens Kunststiftung,
2006
Dimensions
Blattmaß: 19,1 x 27,5 cm

Object Description

Jahreszeiten, Tageszeiten, Lebensalter – das sind universale Themen der Kunst- und Kulturgeschichte Europas. Ging es in den Zeiten vor 1800 aber, sei es in hymnischer Freude oder mahnender Sorge, um die Einbindung des Menschen in den ewigen Kreislauf der Natur und den Willen ihres Schöpfers, so verkehrte sich mit dem Aufbruch in die Moderne die Perspektive: Die Zyklen der Natur wurden zum Spiegel, zum Abbild von Geist und Gemüt des Subjekts. Literatur, Philosophie und Ästhetik der Zeit legen davon reiches Zeugnis ab. In der bildenden Kunst ist es der erste Jahreszeitenzyklus von Caspar David Friedrich (1774-1840), der diese Wende von einem großen Stoff der Tradition zu einem Konzept der Moderne markiert. Dazu gehören neben dem „Herbst“ auch die beiden anderen vom Zyklus erhaltenen und im Online-Katalog zu findenden Bilder „Frühling“ und „Winter“. Die Darstellung des „Sommers“ wird bis heute vermisst. Ausführliche Erläuterungen finden Sie unter dem "Frühling".

Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg, August 2011, aus: Hein-Th. Schulze Altcappenberg: An der Wiege der Romantik. Caspar David Friedrichs Jahreszeiten von 1803, hg. von der Kulturstiftung der Länder in Verbindung mit den Staatlichen Museen zu Berlin Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin 2006 (mit weiterer Literatur).

Last updated: 15.12.2025

Contact

Institution:

Kupferstichkabinett

Additional items from the collections

Christus in der Vorhölle

Christus in der Vorhölle

Der Abstieg zur Hölle, wo Christus nach dem Kreuzestod und vor der Auferstehung die Gerechten - angefangen von Adam und Eva bis hin zu Johannes dem Täufer - aus der Gewalt Satans befreite, wird im apokryphen Nikodemus-Evangelium erwähnt. Das Thema war im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Mantegna könnte Anregungen von einem kleinen Bild seines Schwiegervaters Jacopo Bellini (Padua, Museo Civico) und von einem Bronzerelief Donatellos erhalten haben (Florenz, San Lorenzo). Unter den Zeichnungen des Kabinetts befindet sich noch eine exakte Wiederholung der Christusfigur, die auf einer um 1490/92 entstanden Gemäldeversion Mantegnas erscheint (KdZ 622; Kat. [Andrea Mantegna, London / New York 1992], Nr. 71, Farbabb.).Die Auseinandersetzung mit der Mantegna-Graphik ist von ständig wechselnden Zu- und Abschreibungen geprägt und in vielen Punkten noch klärungsbedürftig. Erst kürzlich wurden aus Anlaß der Londoner Ausstellung wieder zwei völlig divergierende Meinungen vertreten. Während Suzanne Boorsch vermutet, das gesamte Œuvre sei nur unter der Aufsicht des Meisters entstanden (ebd., S. 56ff.), verzeichnet der von David Landau erstellte Katalog sieben eigenhändige Werke und vier Attributionen. Unter den letzten wird auch der »Abstieg in die Hölle« aufgeführt. Die Argumente für eine Zuschreibung des Stichs an Mantegna überwiegen. So weicht die Komposition nur in wenigen, aber doch wichtigen Details von der Vorzeichnung in der École des Beaux-Arts zu Paris ab, einem unbestrittenen Autograph (ebd., Nr. 66, Farbabb.). Veränderungen und Zusätze wären einem rein reproduzierenden Graveur nicht erlaubt gewesen. Gewichtiger als dies ist aber der unvollendete Zustand der Platte, die nur in den zentralen Partien und auch hier ohne feine Tonnuancen durchgearbeitet ist, welche ein Stecher zum Schluß hinzufügen würde. Ein solches Nonfinito war wohl kaum für den Markt gedacht. Es ist Resultat des künstlerischen Experiments. Dieser Neugier mag ebenfalls verdankt werden, daß das Berliner Blatt in brauner Farbe abgezogen ist, welche die koloristischen Effekte der Federzeichnung imitiert (ein gleichartiger Abzug in London; Hind [Catalogue of Early Italian Engraving, London] 1910,S. 347, Nr. 5a).Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 252-253, Kat. V.10 (mit weiterer Literatur)