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Mondspiel

Ident. Nr.: NG 11/64

ObjID: obj:1005864

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Paul Klee (1879 - 1940),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1923
Provenienz
Kauf (?): William R. Valentiner (1880-1958),
spätestens 1928 (1924?) bis 06.09.1958
Paul Drey Gallery, New York,
1964
Abmessungen
Blattmaß: 50,8 x 39,4 cm
Erwerbung
bis 1958 im Besitz von William R. Valentiner (Raleigh/North Carolina); 1964 für die Nationalgalerie in West-Berlin erworben von der Paul Drey Gallery, New York; 1986 überwiesen an das Kupferstichkabinett

Objektbeschreibung

Über eine abstrakte Komposition nach unten hin breiter werdender aquarellierter Streifen in braun-gelben und grünen Tönen ist eine figurative Ölfarbezeichnung gelegt. Die Ölfarbezeichnung war ein besonderes, von Klee 1919 entwickeltes Pausverfahren, mit dessen Hilfe er Zeichnungen auf einen behandelten Untergrund übertrug. Dafür präparierte er Papiere oder Gewebe mit schwarzer Ölfarbe, die er in noch feuchtem Zustand auf das Blatt auflegte und von der Rückseite durchzeichnete, so daß sich ein besonderer Charakter der Linie ergab. Die erhabene und ausquellende Struktur der gezeichneten Linie und die sich mehr zufällig durch leichten Druck abzeichnenden Papier- oder Gewebestrukturen geben den Zeichnungen einen eigenartigen, an die späteren Frottagen von Max Ernst erinnernden Reiz.
Der technische Entstehungsprozeß mit seinen Unwägbarkeiten entspricht dem Thema >Mondspiel<. Die städtische Szene wird von dem großen Gestirn beherrscht, das seine Strahlkraft aus dem Universum empfängt und in dessen Unendlichkeit abgibt. Die Berührung mit anthropomorphen Gebilden ist ganz offensichtlich folgenreich. Die Strahlkraft des Mondes wirft den Somnambulen aus dem Gleichgewicht und führt ihn gleichzeitig in die Phantasiewelt eines ungewöhnlichen Daseins. Die Darstellung des von der Konstellation des Mondes abhängigen Nachtwandlers und der instabilen Position des Seiltänzers, die in Klees Zeichnung ineinanderfallen, sind in der Moderne gebräuchliche Metaphern der menschlichen Existenz. Klee bezieht sich aber auch bewußt auf die Romantik und deren Polaritätsdenken, im >Mondspiel< auf den Dualismus zwischen Himmel und Erde. Die kindhafte humorige Sicht auf die Figuren und Gegenstände bewegt sich in der Tradition der >romantischen lronie<.

Text: Eugen Blume in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 470 f., Kat. VIII.37 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 13.05.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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