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Sitzende junge Frau mit erhobenem Arm, Figurenstudie zum Liebesgarten (Prado, Madrid)

Ident. Nr.: KdZ 4003

ObjID: obj:1007047

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Peter Paul Rubens (1577 - 1640),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1631-1632
Abweichende Datierung: 1632/34
Weitere Titel
Sammlungstitel: Sitzende junge Frau mit erhobenem Arm, Figurenstudie zum Liebesgarten (Prado, Madrid)
Am Boden sitzende Dame mit hochgezogenen Oberarmen
Provenienz
Jonathan Richardson d. J. (1694-1771),
172519
Auktion Langford (Jonathan Richardson jr.),
5.–12.2.1772
Heneage Finch, 5th Earl of Aylesford (1786-1859),
306761
Auktion Christie's (Heneage Finch, 5th Earl of Aylesford),
18.7.1893
Amsler & Ruthardt,
bis 1893
Abmessungen
Blattmaß: 42,3 x 50,0 cm
Wasserzeichenmaß: 40 x 55 mm
Erwerbung
1893 auf der Auktion Christie's (Heneage Finch, 5th Earl of Aylesford), London, angekauft (Los 271)

Objektbeschreibung

Das große Studienblatt, wohl die schönste Rubenszeichnung in Berlin, bereitet eine Figur des sogenannten Liebesgartens in Madrid vor. Charakteristisch für die Arbeitsweise des Meisters ist, daß er trotz so ausführlicher Vorbereitung nicht darauf verzichtet, in der Ausführung wiederum Veränderungen anzubringen, wie er auch für die Zeichnungen, die er zum Zweck der graphischen Reproduktion des fertigen Gemäldes herstellte, leichte Variationen vornahm.
Wie das Gemälde, dessen Thema noch heute nicht erschöpfend gedeutet ist, zu Rubens' glücklichsten Schöpfungen gehört, kann auch die Zeichnung unmittelbar als Kunstwerk genossen werden. Im Gegensatz zu vielen seiner immer als Instrument des Malers dienenden Blätter haftet der Kreidestudie nicht die geringste Sprödigkeit an. Noch der instrumentelle Charakter trägt zur Lebendigkeit bei. Alles ist mit Bravour und genialer Selbstsicherheit auf das große Papier gesetzt. Gleichzeitig verhindern die offene, unfertige Form – beispielsweise die Hand einer zweiten Figur –, die Korrekturen in den Konturlinien und auch der raffinierte Einsatz der beiden Kreidesorten, der Farbigkeit nur suggeriert, jeden Hauch von Strenge. So lebendig wie das Gesicht, das demjenigen von Rubens' junger Frau Helene Fourment nachgebildet wurde, ist jeder Strich der Kreide.

Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 200f., Kat. IV.44 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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Der Abstieg zur Hölle, wo Christus nach dem Kreuzestod und vor der Auferstehung die Gerechten - angefangen von Adam und Eva bis hin zu Johannes dem Täufer - aus der Gewalt Satans befreite, wird im apokryphen Nikodemus-Evangelium erwähnt. Das Thema war im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Mantegna könnte Anregungen von einem kleinen Bild seines Schwiegervaters Jacopo Bellini (Padua, Museo Civico) und von einem Bronzerelief Donatellos erhalten haben (Florenz, San Lorenzo). Unter den Zeichnungen des Kabinetts befindet sich noch eine exakte Wiederholung der Christusfigur, die auf einer um 1490/92 entstanden Gemäldeversion Mantegnas erscheint (KdZ 622; Kat. [Andrea Mantegna, London / New York 1992], Nr. 71, Farbabb.).Die Auseinandersetzung mit der Mantegna-Graphik ist von ständig wechselnden Zu- und Abschreibungen geprägt und in vielen Punkten noch klärungsbedürftig. Erst kürzlich wurden aus Anlaß der Londoner Ausstellung wieder zwei völlig divergierende Meinungen vertreten. Während Suzanne Boorsch vermutet, das gesamte Œuvre sei nur unter der Aufsicht des Meisters entstanden (ebd., S. 56ff.), verzeichnet der von David Landau erstellte Katalog sieben eigenhändige Werke und vier Attributionen. Unter den letzten wird auch der »Abstieg in die Hölle« aufgeführt. Die Argumente für eine Zuschreibung des Stichs an Mantegna überwiegen. So weicht die Komposition nur in wenigen, aber doch wichtigen Details von der Vorzeichnung in der École des Beaux-Arts zu Paris ab, einem unbestrittenen Autograph (ebd., Nr. 66, Farbabb.). Veränderungen und Zusätze wären einem rein reproduzierenden Graveur nicht erlaubt gewesen. Gewichtiger als dies ist aber der unvollendete Zustand der Platte, die nur in den zentralen Partien und auch hier ohne feine Tonnuancen durchgearbeitet ist, welche ein Stecher zum Schluß hinzufügen würde. Ein solches Nonfinito war wohl kaum für den Markt gedacht. Es ist Resultat des künstlerischen Experiments. Dieser Neugier mag ebenfalls verdankt werden, daß das Berliner Blatt in brauner Farbe abgezogen ist, welche die koloristischen Effekte der Federzeichnung imitiert (ein gleichartiger Abzug in London; Hind [Catalogue of Early Italian Engraving, London] 1910,S. 347, Nr. 5a).Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 252-253, Kat. V.10 (mit weiterer Literatur)