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Der Sieg Josuas gegen die Amoriter

Ident. Nr.: KdZ 20887

ObjID: obj:1007411

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Nicolas Poussin (1594 - 1665),
Zeichner*in
Josua,
Erwähnte/Dargestellte Person
Datierung
Herstellung: um 1633 - 1634
Abmessungen
Blattmaß: 24,6 x 41,0 cm
Erwerbung
Alter Bestand

Objektbeschreibung

Die Darstellung der Schlacht mit zwei kämpfenden Reitern im Zentrum ist über das gesamte Blatt geführt. Am Horizont ist eine Bergkette sichtbar, links unten ist ein Flußgott dargestellt. Über einer Vorzeichnung mit Rötel sind die Konturen der Figuren, Pferde und der Bergkette mit Feder in brauner Tinte in ungleichmäßigen, aber ruhig geschwungenen Linien gezeichnet. Danach wurden Lavierungen in hellbrauner Tinte großflächig aufgetragen. Sie fügen sich zu neuen Figurationen in der Fläche und kommen über den Konturenzeichnungen zu eigener Bewegung. Dunkelbraune Tinte hebt den linken Reiter der Mittelgruppe, den am Boden liegenden Krieger und den Flußgott hervor. Diese dunklen Farbakzente vertiefen den Bildraum. Erst zuletzt hat Poussin mit dunklerem Rötel den Kämpfenden blutende Wundmale hinzugefügt.
Der Zweck dieser Kompositionsstudie und damit auch das Thema ist bisher nicht eindeutig geklärt. Das Blatt weist einige stilistische Gemeinsamkeiten mit fünf Blättern aus der Metamorphosen-Serie Poussins in Windsor Castle auf (1622/23, s. Friedländer/Blunt, The Drawings of Nicolas Poussin, catalogue raisonné, Leiden 1974, II, Nr. 110-113, 147), ist jedoch kraftvoller und freier als diese und daher wohl später entstanden. Sutherland Harris [A New Drawing by Nicolas Poussin in Berlin, in: Burlington Magazine,CX, 1968, S. 89] und Brigstocke [A Loan Exhibition of Drawings by Nicolas Poussin From British Collections, Oxford 1990/91] sehen die Zeichnung in einem Zusammenhang mit den Schlachtenbildern »Der Sieg Josuas über die Amalekiten«, St. Petersburg, und »Der Kampf Josuas gegen die Amoriter«, Moskau, beide 1625/26. Beide Kompositionen weichen erheblich von unserem Blatt ab, jedoch spricht für ein alttestamentliches Thema auch bei unserer Zeichnung jene Figur mit den ausgestreckten Armen am rechten Bildrand, in der man den Moses in Raffaels Loggien-Fresko »Sieg über die Amoriten« erkennt. Mit dem Schauplatz, den Hauptfiguren und der »Mosesfigur« sieht Sutherland Harris die wesentlichen Elemente der Geschichte von Josuas Kampf gegen die Amalekiter wiedergegeben; sie hält das Blatt deshalb für eine andere Version des Petersburger Bildes, das möglicherweise auch später als dieses entstanden ist, anders als Brigstocke, der es für eine frühe Studie für das gleiche Bild hält. Der Flußgott allerdings weist auf einen anderen Schauplatz als auf den der kargen Ebene, von der die Josua-Episode erzählt. Friedländer und Blunt bringen das Blatt eher in Verbindung mit jener Zeichnung, die im Inventarband der Werke Poussins im Besitz von Claudine Bouzonnet Stella als »Une bataille de Josue qui arrette le soleil« verzeichnet ist. Aus stilistischen Gründen halten sie eine Entstehungszeit erst um 1630 für wahrscheinlich.
Poussin, der bedeutendste französische Maler des 17. Jahrhunderts, hat in seinem umfangreichen zeichnerischen Œuvre neben Landschaften hauptsächlich Gesamtentwürfe zu den mythologischen und biblischen Szenen seiner Bilder hinterlassen. Hier arbeitete er, oftmals in Paraphrasen, mittels unterschiedlicher Beleuchtungen und variierter Bewegungsabläufe seine Bildkompositionen. In solchen Zusammenhängen, als Kompositionsstudie, möglicherweise zu eben jener Josua-Episode, ist wohl auch das Berliner Blatt zu verstehen.

Text: Margret Kampmeyer-Käding in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 312-313, Kat. VI.9 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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