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Madonna in der Strahlenglorie

Ident. Nr.: 140-1

ObjID: obj:1013689

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Unbekannt,
Holzschneider*in
Datierung
Herstellung: um 1460
Material / Technik
Einblattholzschnitt, koloriert
Abmessungen
Blattmaß: 34,5 x 25,0 cm
Erwerbung
Alter Bestand, erworben vor 1877

Objektbeschreibung

Wahrhaft majestätisch, als Königin des Himmels, erscheint die Muttergottes auf einem der prächtigsten Einblattholzschnitte des 15. Jahrhunderts, der nur in diesem Exemplar überliefert ist. Die Mondsichel zu ihren Füßen, die mit Sternen verzierte Krone auf dem Haupt und die sie umgebende Strahlenglorie, die von Engeln getragen wird, setzen sie mit der in der Offenbarung des Johannes beschriebenen Apokalyptischen Frau gleich, die nach der Geburt ihres Sohnes vom Drachen verfolgt und vom Erzengel Michael gerettet wird. Der Apfel in ihrer Linken weist symbolhaft auf Maria als neue Eva, die Überwinderin der Erbsünde. Die Blume in der Hand des Jesuskindes, vielleicht eine Rose, spielt auf seine minnende Seele an. Auf vier Spruchbändern mit geschnittenem Letterndruck wird Maria verherrlicht: »Wer ist diese Königin, die hier steht? Sie ist es, die Zuversicht der ganzen Welt; Wie nennt man ihren Namen? Maria, würdevolle Mutter und Jungfrau; Wie ist sie zu diesem Stand gelangt? Durch Liebe, Demut und Barmherzigkeit; Wer wird mit ihr erhoben? Derjenige, der ihr in seinem Leben wahrhaft dient«.
Niederländische Holzschnitte der Frühzeit sind seltener als im deutschen Sprachraum entstandene. Für die flämische Herkunft des Blattes spricht der Dialekt der
Beischriften. Durch die bräunliche Druckfarbe und die eckigen, in rechtwinkligen Häkchen endenden Faltenbildungen steht es zudem in enger Beziehung zu niederländischen Blockbuchausgaben von ca. 1460. Ungewöhnlich für frühe Holzschnitte ist die stoffliche Wiedergabe des pelzverbrämten Mantels, den der Knabe trägt. So dürfte der großartigen Komposition ein Tafelbild, möglicherweise aus dem Umkreis des großen flämischen Malers Robert Campin (Meister von Flémalle,
ca. 1375-1444), als Vorbild gedient haben.

Text: Holm Bevers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 170, Kat. IV.2 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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