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Kopf eines Geistlichen (Fragment)

Ident. Nr.: Id 1199

ObjID: obj:1019523

Details (Expert)

Datierung
um 1500
Material / Technik
Glas farblos; Schwarzlot, Silbergelb
Abmessungen
Höhe x Breite: 22,5 x 19 cm

Objektbeschreibung

Dargestellt ist das Antlitz eines hohen Geistlichen, vermutlich eines Bischofs, wie man aus der kostbaren, mit Perlen bestickten goldenen Borte seiner Kasel oder seines Pluviales schließen möchte. In den zügig und routiniert angelegten Binnenformen des Gesichts sind schattige Partien, Lichter und Höhen weich aus dem rötlichen Halbton modelliert und nur gelegentlich durch einzelne Parallelschraffen oder Radierstriche stärker betont. Bezeichnend ist die ausdrucksvolle Miene mit großen eindringlich blickenden Augen, kräftiger Nase und vollen Lippen. Mit der auf Ausdrucksstärke zielenden und Portraitähnlichkeit suggerierenden Charakterisierung entspricht der Kopf einem „Trend“ der Zeit um 1500, wie ihn exemplarisch etwa die Bischöfe der Friedberger Liebfrauenkirche verkörpern.
Dem Fragment stilistisch nahe stehende Beispiele finden sich eher am Mittelrhein, vor allem in der kölnischen Tafel- und Glasmalerei. Zu nennen wären insbesondere zwei Kopffragmente im Kölner Museum Schnütgen mit ähnlichen physiognomischen Merkmalen, ebenso großen Augen und ausgeprägten Falten an Stirn, Nasenwurzel und Wangen. Ausgeführt sind sie allerdings in einer überwiegend graphische Mittel einsetzenden Technik, die sich mit ihren starken Hell-Dunkel-Kontrasten deutlich von der malerischen Wirkung des Berliner Kopfes unterscheidet.
CVMA 98743

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal mit Genien und Schraubfuß

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR