Logo

Pflüger mit stehender Frau im Vordergrund (Verworfene 3. Fassung zu Blatt 1 aus "Bauernkrieg", 6. Zustand)

Ident. Nr.: 194-1911

ObjID: obj:1020736

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Käthe Kollwitz (1867 - 1945),
Radierer*in
Datierung
Herstellung: 1906 (?)
Geografische Bezüge
Berlin,
Stadt
Provenienz
Kommission (?): Kunstsalon Emil Richter,
bis 6.7.1911
Abmessungen
Plattenrand: 46,2 x 59,6 cm
Blattmaß: 54,6 x 70,5 cm

Objektbeschreibung

Auch diese Fassung, die in mehreren Zeichnungen [...] und sechs verschiedenen
Arbeitsgängen entwickelt wurde, hat die Künstlerin aufgegeben. Von allen Versuchen stellt sie die dramatischste Lösung dar. Das wiederum seitenverkehrt aufgegriffene Motiv der Pflügenden erscheint jetzt mahnmalartig am Horizont unter einem weiten,
wolkenverhangenen Himmel. Neben den Geschundenen steigt unheilvoll ein Krähenschwarm auf. Am rechten Bildrand steht vorne eine alte Frau, die mit verdüsterter Miene die Menschenschinderei im Hintergrund verfolgt. Bei diesem Exemplar sind
Gesicht und Schulterpartie der Frau sowie der Kopf des einen Pflugziehers korrigiert. Die Überzeichnung des Frauenprofiles in Tusche und Deckweiß verdeutlicht die Blickrichtung der Alten und gibt ihren Gesichtszügen eine größere Regelmäßigkeit als auf den unkorrigierten Drucken. 
Von der vorliegenden Fassung besitzt das Kupferstichkabinett noch zwei weitere Zustandsdrucke, einer davon [#vgl. Ident. Nr. 192-1911] ist ebenfalls überzeichnet.
Die Platte wurde nur in vereinzelten Abzügen bekannt.

(Text: Sigrid Achenbach, Käthe Kollwitz (1867-1945). Zeichnungen und seltene Druckgraphik im Berliner Kupferstichkabinett, Ausst.-Kat. Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1995, S. 55-56, Kat.-Nr. 49)

Letzte Aktualisierung: 17.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Der Teufel sät Unkraut (Matt. XIII, 25)

Der Teufel sät Unkraut (Matt. XIII, 25)

Nach dem Verlorenen Sohn ist der Teufel, der, während die Landarbeiter schlafen, Unkraut zwischen den Weizen sät, wohl das um 1600 am häufigsten dargestellte Gleichnis Jesu. De Gheyn zeigt sich in der Weise, wie die ganze Landschaft von einer Spannung ergriffen wird, die in der Hauptfigur kulminiert, als einer der führenden Manieristen. Obwohl Studienzeichnungen erhalten sind, in denen das Modell dem links am Baum Schlafenden ähnelt, wird jede Naturwahrheit zugunsten des Ausdrucks zurückgestellt. Von dem in Bewegungsrichtung des feindlichen Sämannes abschüssigen Feld über die bizarren Kopfweiden bis zu den Pilzen, die vorn ganz unwahrscheinlich auf dem frisch gepflügten Acker sprießen, kündigt sich Unheil an, das nicht nur durch den Teufel versinnbildlicht wird, sondern auch in den Hexenreitern am brodelnden Himmel, mit denen der Zeichner weit über den Bibeltext hinausgreift. Im scharfen Gegensatz dazu stehen rechts die idyllisch schlafende Gruppe und links die ruhigen Tiere, die schweren Säcke mit dem Saatgut und der nach dem reichlichen Mittagsmahl ruhende Arbeiter. In diesen Themen ist de Gheyn auf der Höhe der Zeit; auch andere Künstler wie vor allem A. Bloemaert zeichnen in diesen Jahren das bäuerliche Leben, wobei der Ton immer auf Muße und Verfall liegt. Die biblische Geschichte gibt de Gheyn die Möglichkeit, dies mit Zügen seiner Hexensabbat-Darstellungen zu verbinden, mit denen er Salvator Rosa vorangeht.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 190, Kat. IV.31 (mit weiterer Literatur)