Logo

Inspiration (Verworfene erste Fassung zu Blatt 3 aus "Bauernkrieg", 5. Zustand)

Ident. Nr.: 198-1911

ObjID: obj:1020738

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Käthe Kollwitz (1867 - 1945),
Radierer*in
Datierung
Herstellung: 1904/1905
Geografische Bezüge
Berlin,
Stadt
Provenienz
Kommission (?): Kunstsalon Emil Richter,
bis 6.7.1911
Abmessungen
Plattenrand: 56,4 x 29,7 cm
Blattmaß: 56,3 x 29,8 cm
Bedruckte Bildfläche: 55,3 x 28,5 cm

Objektbeschreibung

"Inspiration" steht der Radierung "Beim Dengeln" [...] sowie der verworfenen Variante "Frau mit Sense" [...] nahe, ohne dem Zyklus ["Bauernkrieg"] im engeren Sinne anzugehören. In symbolischer Form zeigt das Blatt, wie der Wille zum
tätigen Widerstand gegen die Unterdrückung in einer alten Bäuerin heranreift. Da er die schwerwiegende Entscheidung und Bereitschaft zu töten einschließt, ist ihr Zögern verständlich. Eine der Alten im Nacken sitzende und sie bedrängende symbolische Gestalt mit geballter Faust führt ihre Hand beim Ergreifen der Sense. [...] [Das] traditionell mit den Evangelisten, Dichtern und Künstlern verbundene Motiv der Eingebung [wird hier] ins Proletariat überführt. [...] Ebenso rar wie der vorliegende Zustandsdruck, der an Armen, Händen und Beinen Korrekturen aufweist, ist der im Kabinett außerdem vorhandene Abzug des vierten Zustands. [#vgl. Ident.-Nr. Inv. 227-1912] 

(Text: Sigrid Achenbach, Käthe Kollwitz (1867-1945). Zeichnungen und seltene Druckgraphik im Berliner Kupferstichkabinett, Ausst.-Kat. Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1995, S. 73, Kat.-Nr. 75)
 

Letzte Aktualisierung: 17.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Der große Liebesgarten

Der große Liebesgarten

Eine der schönsten Darstellungen aus der Frühzeit des Kupferstiches bewahrt als Unikum das Berliner Kabinett auf – den sogenannten großen Liebesgarten. Das Thema basiert auf dem französischen »Rosenroman« aus dem 13. Jahrhundert, der außerordentlich weit verbreitet war und auch im 15. Jahrhundert noch gelesen wurde. Eine höfische Gesellschaft hat sich in Sichtweise ihrer Feudalburgen im Freien versammelt, um zu speisen und anderen Vergnügungen nachzugehen. Im Bachlauf werden Weinflaschen gekühlt, und verschiedene Tiere, darunter das mythische Einhorn, bevölkern Wald und Wiese. Alles strahlt einen idyllischen Frieden aus, satirische Anspielungen wie bei dem Liebesgartenstich des Meisters E. S. scheinen hier zu fehlen (vgl. Inv. Nr. 136-1897). Aber Affe und Bär im Vordergrund, im Spiel neckisch vereint, könnten auf das menschliche Liebeswerben und seine negativen Folgen verweisen, galt doch der Affe traditionell als ein sündiges Tier. Vorbild für den Stecher könnte ein Minne-Teppich gewesen sein, denn der motivische Reichtum und die schichtweise Übereinanderstellung von Figuren und Gegenständen erinnern auffallend an den Bildaufbau zeitgenössischer Tapisserien.Es wurde auch vermutet, daß ein Wandgemälde Jan van Eycks in der Burg der Grafen von Holland zu Den Haag (1422–24) als bildliche Quelle gedient habe.Nach dem Berliner Stich und einem anderen Blatt mit ähnlicher Thematik erhielt der unbekannte Meister seinen Namen. Er dürfte um 1435–45 in den Niederlandentätig gewesen sein, vielleicht im Umkreis des Haager Hofes. Seine wenigen Arbeiten sind mit kräftigen Umrißlinien und Kreuzschraffuren gestochen.Text: Holm Bevers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 169f., Kat. IV.1 (mit weiterer Literatur)