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Walchenseelandschaft

Ident. Nr.: SZ Corinth 27

ObjID: obj:1025667

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Lovis Corinth (1858 - 1925),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1925
Provenienz
Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung,
bis 1925
Nationalgalerie, Sammlung der Zeichnungen,
bis 1992
Material / Technik
Aquarell
Abmessungen
Blattmaß: 50,4 x 67,7 cm
Erwerbung
1925 Ankauf auf der Frühjahrsausstellung der Berliner Secession und Überweisung durch das Ministerium für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung an die Nationalgalerie (Sammlung der Zeichnungen), seit 1992 im Kupferstichkabinett

Objektbeschreibung

Lovis Corinth hatte 1918 die Landschaft um den Walchensee für sich künstlerisch entdeckt und 1919 sein eigenes Haus in Urfeld bezogen. Er hielt sich bis kurz vor seinem Tode insgesamt 16 mal, meist wochenlang und zu allen Jahreszeiten, vorwiegend im Sommer, hier auf. So konnte diese elementare, urtümliche Landschaft zum großen Erlebnis seiner letzten Schaffensphase werden. Immer wieder und in sich stets neu entzündender Schaffenslust entstanden während aller wechselnden Naturstimmungen zahlreiche Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen.
Unser Blatt ragt unter den Aquarellen, im Januar 1925 während des letzten Aufenthaltes am Walchensee entstanden, in besonderer Weise heraus. In fließender, verwischender Technik, nur scheinbar unvollendet, aus einer Summe des Sehens resultierend und doch spontan hingeworfen, erhält die Landschaft etwas nahezu amorph Aufgelöstes. Vom erhöhten Standort aus erhebt sich der Betrachter mit dem Künstler hinauf, und der winterliche See mit dem Wettersteinpanorama breitet sich in suggestiver Übersteigerung gleichsam aus der Vogelschau unter ihm aus. Paul Fechter sagt 1926 dazu: »Der Bau dieser Bilder wiederstrebt der gewohnten Analyse; die farbige Ordnung vom Bild aus, von seiner Gesetzmäßigkeit ist nur mühsam festzustellen und zu umschreiben. In dem Moment aber, in dem man das Bild sieht, erlebt man ihn ohne weiteres und zwar als etwas lebendig Gebliebenes. Es ist, als ob diese Landschaften keine feste Struktur haben wie die früheren, sondern eine innere Bewegtheit, als ob Corinth nicht, wie es der Impressionismus versuchte, die Bewegung, sondern die große innere, geheimnisvolle Bewegtheit der ganzen Natur gemalt hat.« (Kat. Walchensee 1986).

(Text: Gottfried Riemann: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 427 f., Kat. VII.79)

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Das einzige Landschaftsaquarell Corinths im Bestand des Kupferstichkabinetts bildet diese winterliche Ansicht des Walchensees, dem kommerziell ab den 1920-er Jahren besonders erfolgreichen Sujet des Künstlers. Mit seinen vielen Blautönen weist das malerische Werk trotz gleißend-heller Sonne am Himmel einen nächtlichen Charakter auf. Es entstand im Januar 1925 im Haus der „Corinther“ in Urfeld. Als das Werk im September 1925 in die Nationalgalerie gelangte, war der Künstler erst wenige Wochen tot. Das Ministerium erwarb das Blatt auf der Frühjahrsausstellung
der Berliner Secession. 1924 hatte es bereits das Corinth-Gemälde "Kind im
Bett" gekauft.

(Text: Andreas Schalhorn, 2025)

Letzte Aktualisierung: 05.05.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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