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Komposition (Blatt 5 der Kestnermappe)

Ident. Nr.: 65-1962,5

ObjID: obj:1027238

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: László Moholy-Nagy (1895 - 1946),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1923
Material / Technik
Lithographie
Abmessungen
Blattmaß: 60,0 x 44,0 cm

Objektbeschreibung

Moholy-Nagy, der 1920 nach Berlin, dem damaligen Zentrum für die internationale Avantgarde kam, war beeindruckt von den russischen Abstrakten, besonders von Malewitsch, Lissitzky, Rodtschenko, Tatlin, Kandinsky, Gabo u.a., die schon früh in der Sturm-Galerie von Herwarth Waiden in Berlin gezeigt wurden. Unter ihrem Einfluß wandelt er sich zum vielseitigen Konstruktivisten. Er experimentiert mit neuen, durch moderne Technologien gewonnene Materialien, beispielsweise transparenten und leicht formbaren Kunststoffen, die sein Interesse für lichtkinetische Konstruktionen wecken und ihn zur funktionalistischen Ausweitung der Kunst im Sinne eines modernen Industrie-Design führen. Besonders durch seinen 1923 erfolgten Eintritt in das von Walter Gropius geführte Staatliche Bauhaus in Weimar kann er seinen an den Forderungen einer modernen Industriegegellschaft ausgerichteten Gestaltungsbegriff adäquat umsetzen. 1923 wird Moholy-Nagy gebeten, die 6. Graphik-Mappe der Kestner-Gesellschaft in Hannover zu gestalten. Deren Leiter, Paul Erich Küppers und vor allem Alexander Dorner, Direktor des Provinzialmuseums, erheben in den zwanziger Jahren Hannover zu einem Zentrum der konstruktivistischen Kunst. Dorner verwirklicht mit dem von Lissitzky entworfenen »Abstrakten Kabinett« den ersten Museumsraum für ungegenständliche Kunst, dem 1930 der von Moholy-Nagy geplante »Raum der Gegenwart« folgen sollte. In den Lithographien der Kestner-Mappe, die überwiegend in Schwarz und Weiß mit entsprechenden Grautönen gedruckt sind, greift Moholy-Nagy die in seinen Gemälden begonnene Auseinandersetzung mit Überlagerungen konstruktiver Elemente im Raum auf. Sie untersuchen die Lichtwirkung transparenter Materialien und die Entstehung neuer Strukturen durch Überschneidungen von Teilsegmenten. Dabei geht es Moholy-Nagy nicht um die Illusion eines in sich geschlossenen zweidimensionalen Raumgebildes, sondern um die Erforschung freischwebender, »centrifugaler Konstruktionen.« »In die Kunst umgesetzt bedeutet sie (die vitale Konstruktivität E. B.) heute die Aktivmachung des Raumes mittels dynamisch-konstruktiver Kraftsysteme, d.h. die Ineinander-Konstruierung der in dem physischen Räume sich real gegeneinander spannenden Kräfte und ihre Hineinkonstruierung in den gleichfalls als Kraft (Spannung) wirkenden Raum.« (Moholy-Nagy 1922, in: Passuth 1986, S. 306).
Das fünfte Blatt der Kestner-Mappe zeigt eine aus vier einander überlagernden Formen gebildete »excentrische« Raumfigur auf schwarzem Grund, die sich mit dem von Moholy-Nagy vorgeschlagenen »dynamisch-konstruktiven Kraftsystem« Raum und Körper bildnerisch auseinandersetzt. Wesentliches Moment ist dabei die Übertragung der in der Malerei begonnenen Untersuchungen der Lichtstrukturen auf das multiplikative Medium der Druckgraphik.

Text: Eugen Blume in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 469, Kat. VIII.35 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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