Logo

Kreuzigung Christi

Ident. Nr.: 86-10

ObjID: obj:1036567

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Lucas Cranach (der Ältere) (1472-1553),
Inventor*in
Datierung
Herstellung: 1502
Weitere Titel
Sammlungstitel: Kreuzigung Christi
Kalvarienberg
Abmessungen
Blattmaß: 39,9 x 28,6 cm
Bildmaß: 39,9 x 28,6 cm
Andere: Kettlinienintervalle: [.]-34-33-34-33-34-34-33-33-35-33-[.] mm
Andere: Rippliniendichte: 11/10 mm
Wasserzeichenmaß: 88 x 35 mm

Objektbeschreibung

Lucas Cranach, seit 1505 Hofmaler der Kurfürsten von Sachsen, ist allgemein bekannt als Schöpfer feingliedriger Frauenakte, die sich in ihrer manirierten Grazie ähneln wie die Mitglieder einer Familie. Diese Möglichkeit leichten Erkennens verursachte mehr Popularität als Wertschätzung. Dennoch waren Cranachs früheste Werke (datiert seit 1502) von einer Selbständigkeit und Kraft, die zeigen, daß er als Meister höchster Begabung begann. Der ausgestellte Holzschnitt, von dem nur dieses Exemplar bekannt ist, ist eine seiner frühesten Arbeiten, entstanden kurz vor einem ähnlichen Kreuzigungsblatt, das 1502 datiert ist und von dem immerhin 2 Abzüge erhalten sind (Berlin und New York).
Erschreckend brutal die Anheftung des linken »bösen« Schachers: Füße genagelt, der gebrochene Körper mit einem Strick um den Hals an den Stamm gebunden. Der rechte, »gute«, von massiger Körperlichkeit. Schwer zu entwirren die Gruppe unter den Kreuzen: links vorn die klagen den Frauen mit Johannes, rechts zwei Hauptleute zu Pferd, zu ihren Füßen Leichen als Zeichen für Richtstätte. In der zweiten Reihe ganz rechts ein Ungar, zentral ein sich umarmendes Paar von hinten, links ein Mann mit Federhut und, grob, der Träger des Essigschwammes – schon völlig Cranachsche Typen. Zu äußerst rechts ein Baumstumpf mit kahlen Ästen und wenig Blattwerk.

Text: Hans Mielke in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 124, Kat. III.47 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 01.04.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Der Sommer: Flusslandschaft mit Badenden

Der Sommer: Flusslandschaft mit Badenden

Während die Gemälde Avercamps, die deutlich in der um 1600 neu auflebenden Nachfolge Pieter Bruegels stehen, stets Winterlandschaften zeigen, in denen sich eine große Menge von Figuren auf dem Eis der zugefrorenen Kanäle erfreut, sind unter seinen Zeichnungen auch Kompositionen, die das Leben anderer Jahreszeiten spiegeln. Mit Wasserfarben bildmäßig durchgeführte Zeichnungen kann man sich als einen erschwinglichen Ersatz für die kostspieligeren Ölgemälde denken. Unser Blatt ist ein besonders großes und schönes Exemplar dieser Gattung. Trotz der gleichen Höhe und fast derselben Breite sowie dem komplementären Thema, kann keineswegs als gesichert angesehen werden, daß es sich bei der Zeichnung des Winters (KdZ 2230) um ein Pendant zu diesem Blatt handelt, zumal jene aus anderer Provenienz, nämlich der 1874 erworbenen Sammlung Suermondt stammt, dieses dagegen erst später erworben wurde.Das Wappen Amsterdams am Wirtshaus rechts legt die Uferszenerie in die Nähe der großen Stadt. Dort mischt sich das Landleben, wie es der Heuwagen, der Bauer mit dem Kalb und die Frau mit den Melkeimern repräsentieren, mit bürgerlich gekleideten Spaziergängern in steifem Hut, Halskrause und weiten Röcken; junge Leute haben sich ihrer Kleider entledigt um zu schwimmen; auf dem Wasser eine Bootspartie. Ungewöhnlich für Avercamp ist die vergleichsweise geringe Anzahl von Figuren. Diese Konzentration sowie der relativ niedrige Horizont sprechen für eine eher späte Datierung in die zwanziger Jahre. Mittel- und Hintergrund, die rechts durch die Uferstraße, links durch den Wasserlauf erschlossen werden, sind in erster Linie durch die Segel einer unwahrscheinlichen Anzahl von Schiffen bevölkert. Kirchtürme, Windmühlen und ein Galgen verleihen noch dem Horizont eine von menschlicher Präsenz belebte Atmosphäre. Die von Leben erfüllten Darstellungen sind geeignet, die in Quellen mehrfach belegte Behinderung Avercamps vergessen zu machen, der als Stummer menschlich relativ isoliert gewesen sein muß.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 206f., Kat. IV.53 (mit weiterer Literatur)