Logo

Der Reisejäger

Ident. Nr.: KdZ 8422

ObjID: obj:1036624

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Johann Elias Ridinger (1698 - 1767),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: um 1760
Abmessungen
Blattmaß: 35,7 x 30,8 cm
Bildmaß: 30,8 x 26,5 cm

Objektbeschreibung

„Das waren noch gute Zeiten, als der Jäger, wie hier mit einer ganzen Meute, in der Fremde herumziehen und sich etwas erjagen konnte. Unser Raubjäger ist eben bemüht, die Hunde von dem erlegten Hasen und Federwildpret abzuwehren.“ Wehmütigen Blicks auf ein vermeintlich liberales Jagdrecht früherer Jahre beschreibt Georg August Wilhelm Thienemann 1856 (S. 36, Kat. 125) im Werkverzeichnis des höchst einflussreichen Tier- und Jagddarstellers Johann Elias Ridinger eine nach dessen Zeichnung gefertigte Radierung. Ridingers Sohn Moritz Elias hatte sie im Todesjahr des Vaters unter dem Titel „Reisejäger“ in seine Stichfolge „Jaeger und Falkoniers mit ihren Verrichtungen“ aufgenommen (Kat. 66). Nun scheint sich die Szene keineswegs in (rechts-)freier Wildbahn abzuspielen, wie die Schilderung suggeriert. Vielmehr handelt es sich um eine Anhöhe in einem hochkultivierten Rokoko- Garten mit einem hohen Vasenpostament über weiter Landschaft. Hier ruht sich der Reise- oder vielleicht doch besser Raubjäger mit seiner dienstfertigen Hundemeute nach erfolgreichem Streifzug aus und zähmt den letzten noch seinem natürlichen Beutetrieb folgenden Jagdhund, derweil die anderen bereits vollständig domestiziert sind.

Text: Michael Roth in: Wir kommen auf den Hund. Werke aus fünf Jahrhunderten von Dürer bis Dieter Roth. Eine Sommerausstellung im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Lydia Rosía Dorn, Berlin/Petersberg 2015, S. 80.

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Der Sommer: Flusslandschaft mit Badenden

Der Sommer: Flusslandschaft mit Badenden

Während die Gemälde Avercamps, die deutlich in der um 1600 neu auflebenden Nachfolge Pieter Bruegels stehen, stets Winterlandschaften zeigen, in denen sich eine große Menge von Figuren auf dem Eis der zugefrorenen Kanäle erfreut, sind unter seinen Zeichnungen auch Kompositionen, die das Leben anderer Jahreszeiten spiegeln. Mit Wasserfarben bildmäßig durchgeführte Zeichnungen kann man sich als einen erschwinglichen Ersatz für die kostspieligeren Ölgemälde denken. Unser Blatt ist ein besonders großes und schönes Exemplar dieser Gattung. Trotz der gleichen Höhe und fast derselben Breite sowie dem komplementären Thema, kann keineswegs als gesichert angesehen werden, daß es sich bei der Zeichnung des Winters (KdZ 2230) um ein Pendant zu diesem Blatt handelt, zumal jene aus anderer Provenienz, nämlich der 1874 erworbenen Sammlung Suermondt stammt, dieses dagegen erst später erworben wurde.Das Wappen Amsterdams am Wirtshaus rechts legt die Uferszenerie in die Nähe der großen Stadt. Dort mischt sich das Landleben, wie es der Heuwagen, der Bauer mit dem Kalb und die Frau mit den Melkeimern repräsentieren, mit bürgerlich gekleideten Spaziergängern in steifem Hut, Halskrause und weiten Röcken; junge Leute haben sich ihrer Kleider entledigt um zu schwimmen; auf dem Wasser eine Bootspartie. Ungewöhnlich für Avercamp ist die vergleichsweise geringe Anzahl von Figuren. Diese Konzentration sowie der relativ niedrige Horizont sprechen für eine eher späte Datierung in die zwanziger Jahre. Mittel- und Hintergrund, die rechts durch die Uferstraße, links durch den Wasserlauf erschlossen werden, sind in erster Linie durch die Segel einer unwahrscheinlichen Anzahl von Schiffen bevölkert. Kirchtürme, Windmühlen und ein Galgen verleihen noch dem Horizont eine von menschlicher Präsenz belebte Atmosphäre. Die von Leben erfüllten Darstellungen sind geeignet, die in Quellen mehrfach belegte Behinderung Avercamps vergessen zu machen, der als Stummer menschlich relativ isoliert gewesen sein muß.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 206f., Kat. IV.53 (mit weiterer Literatur)