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Agnes Dürer in niederländischer Tracht

Ident. Nr.: KdZ 36

ObjID: obj:1036970

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Albrecht Dürer (1471 - 1528),
Zeichner*in
Unbekannt,
Papierherstellung
Datierung
Herstellung: 1521
Weitere Titel
Sammlungstitel: Agnes Dürer in niederländischer Tracht
Agnes, die Gattin des Künstlers
Provenienz
Willibald Imhoff (1519-1580),
406687
Thomas Lawrence (1769-1830),
157384
Samuel Woodburn (1783-1853),
157383
Alexander Emil Posonyi (1838-1899),
1867
Kauf: Anatole Auguste Hulot (1811-1891),
1867–1877
Abmessungen
Blattmaß: 40,8 x 27,2 cm

Objektbeschreibung

Mit freundlich-wachem Blick und ernstem, aber keineswegs missmutigem Mund schaut die in niederländischer Tracht gewandete Agnes Dürer konzentriert nach links am Betrachter vorbei. Dürer zeichnete das Bildnis seiner Frau am Ende seiner von 1520 bis 1521 dauernden Reise in die Niederlande, auf der ihn Agnes und die Magd Susanna begleiteten. In der eigenhändigen, mit der Feder aufgetragenen Beschriftung über dem Bildnis erwähnt er nicht allein den Entstehungsort. Er bemerkt sogar ausdrücklich, dass seine Frau nicht ihre angestammte Nürnberger Tracht, sondern die ortsübliche niederländische trägt. Durch einen Eintrag in sein Rechnungs- bzw. Tagebuch der niederländischen Reise wissen wir, dass Albrecht Dürer seiner Frau von einer allein angetretenen Exkursion nach Seeland Anfang Dezember 1520 aus Bergen ein Kopftuch mitgebracht hatte:
»Jtem hab zu Pergn meinem weib gekaufft ein niederländisch dün duch auff den kopff, kost 1 gulden 7 stüber«. Dieses Mitbringsel trägt die 45-jährige Gattin hier mit offenbar zwischenzeitlich hinzugekommenen Teilen als nun komplettes Ensemble der noblen, pelzverbrämten Antwerpener Frauentracht der frühen 1520er Jahre.
Welchem Zweck folgt die Zeichnung? Handelt es sich um eine Trachtenstudie, ein folkloristisches Andenken an ein gemeinsames Reiseabenteuer oder um eine Jubiläumszeichnung im Gedenken an den gerade am 7. Juli 1521 begangenen 27. Hochzeitstag, auf den auch die Beschriftung anzuspielen scheint? Damit wäre das Blatt wie einige andere Bildniszeichnungen Dürers, zu denen auch das Bildnis seiner Mutter gehört, Teil einer privaten Bilderchronik zum Andenken an geliebte Personen und gemeinsame Erlebnisse. Solche Blätter verblieben im Besitz Dürers. Und so sind dieses Reiseporträt der Agnes Dürer und seine Beschriftung durch ihren Gatten Albrecht auch ein wichtiges Zeugnis einer nach vielen Jahren durchaus noch von ehelicher Zuneigung geprägten Beziehung. Willibald Pirckheimer begründete hingegen nach Dürers Tod durch seine
Einschätzung, die Ehe des Künstlers sei nicht glücklich und Agnes letztendlich sogar für seinen frühen Tod verantwortlich gewesen, die Legende von Agnes Dürer als »bösem Weib« (Corine Schleif: »Das Pos Weyb« Agnes Frey Dürer: Geschichte einer Verleumdung und Versuche der Ehrenrettung. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 86, 1999, S. 54–56).

Text: Michael Roth in: Dürers Mutter. Schönheit, Alter und Tod im Bild der Renaissance. Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin 5.5.-16.7.2006, Berlin 2006, S. 148-150, Kat. 93 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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Eine der schönsten Darstellungen aus der Frühzeit des Kupferstiches bewahrt als Unikum das Berliner Kabinett auf – den sogenannten großen Liebesgarten. Das Thema basiert auf dem französischen »Rosenroman« aus dem 13. Jahrhundert, der außerordentlich weit verbreitet war und auch im 15. Jahrhundert noch gelesen wurde. Eine höfische Gesellschaft hat sich in Sichtweise ihrer Feudalburgen im Freien versammelt, um zu speisen und anderen Vergnügungen nachzugehen. Im Bachlauf werden Weinflaschen gekühlt, und verschiedene Tiere, darunter das mythische Einhorn, bevölkern Wald und Wiese. Alles strahlt einen idyllischen Frieden aus, satirische Anspielungen wie bei dem Liebesgartenstich des Meisters E. S. scheinen hier zu fehlen (vgl. Inv. Nr. 136-1897). Aber Affe und Bär im Vordergrund, im Spiel neckisch vereint, könnten auf das menschliche Liebeswerben und seine negativen Folgen verweisen, galt doch der Affe traditionell als ein sündiges Tier. Vorbild für den Stecher könnte ein Minne-Teppich gewesen sein, denn der motivische Reichtum und die schichtweise Übereinanderstellung von Figuren und Gegenständen erinnern auffallend an den Bildaufbau zeitgenössischer Tapisserien.Es wurde auch vermutet, daß ein Wandgemälde Jan van Eycks in der Burg der Grafen von Holland zu Den Haag (1422–24) als bildliche Quelle gedient habe.Nach dem Berliner Stich und einem anderen Blatt mit ähnlicher Thematik erhielt der unbekannte Meister seinen Namen. Er dürfte um 1435–45 in den Niederlandentätig gewesen sein, vielleicht im Umkreis des Haager Hofes. Seine wenigen Arbeiten sind mit kräftigen Umrißlinien und Kreuzschraffuren gestochen.Text: Holm Bevers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 169f., Kat. IV.1 (mit weiterer Literatur)

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