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Madonna (Liebende Frau)

Ident. Nr.: 66-1929

ObjID: obj:1038404

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Edvard Munch (1863 - 1944),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1895/1902
Geografische Bezüge
Abmessungen
Plattenrand: 60,5 x 44,2 cm
Blattmaß: 60,5 x 50,1 cm

Objektbeschreibung

Die Darstellung zeigt den Moment der Empfängnis in einer Mischung von sinnlicher Lust und Todesahnung. Im symbolischen, ikonenhaften Bild der »Madonna« nehmen bestimmte Vorstellungen über das Mysterium des Lebens und des Todes konkrete Form an: Vorstellungen, die sich aus dem Symbolismus ableiten, Munch tief bewegten und durch dessen kompliziertes Verhältnis zum anderen Geschlecht noch verstärkt wurden. Eine der Lieblingsideen der Zeit sah die Liebe in enger Verbindung zum Tode. Bei den späteren Auflagedrucken (hierzu gehört unser Exemplar) wird die Symbolik der Graphik durch einen Randstreifen mit stilisierten Spermien und einem zusammengekauerten Fötus hervorgehoben. Der lithographischen Fassung gehen mehrere Gemälde von 1893/94 sowie eine Radierung von 1895 voraus, die dasselbe Motiv in identischer oder abgewandelter Form mit und ohne Rahmen darstellen. Munch entwickelte es für den Gemäldezyklus des »Lebensfrieses«. Die von Schiefler nur unvollkommen beschriebene, in mehreren Zuständen und dazu in einer Vielzahl unterschiedlicher Druckversionen bekannte Graphik hat eine komplizierte, bis heute nicht eindeutig geklärte Entstehungsgeschichte. Ebenso verwirrend wie die Abfolge der Drucke ist die Frage nach Art und Handhabung der beim späteren Farbdruck verwendeten Techniken. 1895, als der Stein gezeichnet wurde, war »Madonna« noch eine reine Schwarz-Weiß-Lithographie. Vielleicht, weil ihm schon relativ früh eine farbige Überarbeitung der Steinzeichnung vorschwebte, hat Munch später einige seiner damaligen Abzüge handkoloriert. Erst im Jahre 1902 wurde hieraus ein subtiler Mehrfarbendruck, der aus dem kalkulierten Zusammenwirken verschiedener lithographischer Steine und einer (blau eingefärbten) Holzplatte hervorging. Das anhand unseres Beispiels nur schwer nachvollziehbare Kombinationsverfahren von Lithographie und Holzschnitt wurde von Munch nur selten und nach verschiedenen Methoden
angewandt. Neben dem vorliegenden Druck besitzt das Kabinett einen Abzug von der halbierten Platte (Schiefler 33 B). Beide Exemplare sind in vier Farben gedruckt und unterscheiden sich geringfügig im roten Farbton. »Madonna« gehört zu den interessantesten und sicher schönsten Farbdrucken Munchs.

Text: Sigrid Achenbach, in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 416 f., Nr. VII.67 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 17.03.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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