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Barbara Dürer, geb. Holper

Ident. Nr.: KdZ 22

ObjID: obj:1048008

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Albrecht Dürer (1471 - 1528),
Zeichner*in
Unbekannt,
Papierherstellung
Datierung
Herstellung: 1514
Weitere Titel
Sammlungstitel: Barbara Dürer, geb. Holper
Dürers Mutter
Die Mutter des Künstlers
Provenienz
Willibald Imhoff (1519-1580),
406687
Antoine-François Andréossy (1761-1828),
158439
Ambroise Firmin-Didot (1790-1876),
1864–1877
Material / Technik
Kohle auf Papier
Abmessungen
Blattmaß: 42,2 x 30,6 cm
Erwerbung
1877 Ankauf von G.H. Gutekunst, Stuttgart, aus der Sammlung von Ambroise Firmin-Didot

Objektbeschreibung

Dürer zeichnete dieses Porträt als Trost- und Gedenkblatt zwei Monate vor dem bereits absehbaren Tod seiner ausgezehrten Mutter.
Barbara Dürer lebte nach Albrechts eigenem Bericht im ›Gedenkbuch‹ bereits seit 1504 im Haushalt ihres Sohnes. Nach längerer, fortschreitender Krankheit war sie in der Folge einer ersten schweren Gesundheitskrise im Jahr 1513 weitgehend bettlägerig bzw. an ihr Zimmer gebunden. Sie starb am 16. Mai 1514.
Barbara Dürer wird sehr nah anvisiert und in ganz leichter Aufsicht gezeigt. Hieraus resultiert, dass einige Gesichtspartien besonders hervortreten, etwa ihre in dünne, pergamentene Falten gelegte Stirn, die zart angedeuteten Schläfenadern, die alterslange Nase und die sichtbare Höhlung des linken Auges sowie das scharf geschnittene Jochbein. Vor allem gilt das jedoch für die Hals- und Schlüsselbeinpartie, die durch das über Barbara Dürers linke Schulter zurückgeschlagene Kopftuch demonstrativ freigelegt wurde. Die Kopfneigung bewirkt, dass der Betrachter mit dem leicht aufwärts blickenden linken Auge der Mutter auf einer Höhe bleibt und trotzdem nicht fixiert wird. Das in abweichendem Winkel nach außen gedrehte rechte Auge schaut hingegen deutlich nach oben. Dieser merkwürdige Augenstand bzw. der divergierende Blick der Dargestellten ist recht unterschiedlich gedeutet worden.
Ebenso präzise wie das Gesicht beobachtet ist die ausgemergelte Hals- und Brustregion, in der Sehnen und Knochen und hier vor allem die Schlüsselbeinbögen nachdrücklich markiert werden. Deutlich flüchtiger hingegen erfasst Dürer die Kleidung seiner Mutter. Barbara Dürer trägt ein dünnes Hemd, das über dem Bauch etwas aufspringt, oder aber einen kurzen sog. Goller über einem Hemd, darüber einen am Saum leicht plissierten Umhang. Möglicherweise bezeichnet das leicht gebogene Schraffenband entlang der Saumkante über ihrer rechten Brust einen Pelzbesatz, der das Kleidungsstück als wärmenden Umhang oder Mantel erkennen ließe. Dies würde zum Krankenstand der Dame ebenso passen wie zum Datum der Porträtaufnahme, dem gerade erst beginnenden Frühjahr des Jahres 1514.
Lässt sich die Kleidung zur Mitte hin noch weitgehend in den stofflichen Qualitäten erfassen, so nehmen die Detail- und die anatomische Korrektheit außerhalb des Beobachtungszentrums zu den Blatträndern hin nochmals deutlich ab. Die Lage beider Schultern ist nicht eindeutig festgelegt. Die eilig-dynamische Nachlässigkeit in den Randbezirken unterstreicht den Eindruck der konzentrierten Fokussierung auf das Antlitz, den Hals und die Brustregion, also die Büste der Mutter. Der hier deutlich werdende Verismus brachte Dürers Zeichnung stets Attribute ein wie »erschütternd realistisch« und dem Sohn das Attest »rücksichtsloser Wahrheitsliebe«. In der neutralen, aber von Sympathie getragenen Berichterstattung ohne jeglichen negativen Unterton steht die Bildniszeichnung jedenfalls in deutlichem Kontrast zu einer Vielzahl zeitgenössischer Darstellungen alter Frauen.

Text: Michael Roth in: Dürers Mutter. Schönheit, Alter und Tod im Bild der Renaissance. Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin 5.5.-16.7.2006, Berlin 2006, S. 24, Kat. 1 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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