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Die Bilder des Todes: Der Bauer

Ident. Nr.: 134-3

ObjID: obj:1048786

Details (Expert)

Beteiligte
Hans Holbein (der Jüngere) (1497/98 - 1543),
Inventor*in
Datierung
Herstellung: 1526
Material / Technik
Holzschnitt
Abmessungen
Höhe x Breite: 6,6 x 4,9 cm

Objektbeschreibung

Neben Dürers Schnittfolgen zählt Holbeins Totentanz zu den berühmtesten Holzschnittwerken überhaupt. Der zweite geniale Künstler der deutschen Renaissance greift darin ein spätmittelalterliches Thema auf, von dessen vielen monumentalen Ausführungen als Wandgemälde er ein wichtiges Beispiel in seiner Heimatstadt Basel vor Augen hatte. Holbein wählt dagegen das denkbar kleinste Format und vermeidet die jenen Zyklen eigene monotone Reihung tanzender Paare jeweils eines Toten mit einem Vertreter jeden Standes, so daß der geläufige Titel Totentanz den Inhalt seiner Bilder nicht mehr ganz trifft. In anderen Schnitten der Folge wie dem Arzt oder dem Pfarrer wird nicht einmal der Tod des Betreffenden selbst, sondern der des Patienten und des Gemeindemitglieds angesprochen. Beim Bauern und bei der Nonne ist jedenfalls nicht die Todesstunde gemeint, und die Darstellungen gewinnen gerade im Fallenlassen der anekdotischen Schilderung ihre große Wirksamkeit. Holbein gibt erstaunlich vielfältige Blicke meist in den Alltag des jeweiligen Standes, dessen wirklichkeitsnahe Schilderung z.B. im Bild der Nonne mit ihrem musizierenden Verführer die Genremalerei des folgenden Jahrhunderts vorwegnähme, träte nicht in diese stille Szene der Tod als eine beiläufige Nebenfigur, die aber der ganzen Darstellung eine hier ironische, in anderen Schnitten auch tragische Note gibt und sie ins Allgemeine hebt. Das Gegenbild des Todes läßt im intimen Beisammensein der reizenden jungen Nonne mit dem hübschen Lautenspieler jäh die Zerrissenheit und Flüchtigkeit des menschlichen Daseins aufscheinen, während die großartige Komposition des müde aber hartnäckig pflügenden Bauern durch das Auftreten des Todes, der ihn als Pferdetreiber unterstützt, zum Sinnbild des arbeitenden Lebens wird.
Abzüge mit deutschen typographischen Titeln, von denen Berlin einige besitzt, müssen vor 1526 entstanden sein. In diesem Jahr starb der Formschneider Hans Lützelburger, dessen Monogramm auf dem Schnitt der Herzogin zu finden ist, und die Auftraggeber, Melchior und Gaspar Trechsel in Lyon, klagten erfolgreich auf Herausgabe der Holzstöcke. Die ganze Folge erschien bei ihnen erst 1538 unter dem Titel »Les simulacres et historiees faces de la mort«.

Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 134, Kat. III.61 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 03.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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