Logo

1. Links oben: Flüchtige Skizze eines knienden Mannes, von vorne gesehen. Darunter stehender nackter Mann mit ausgebreiteten Armen in starker Untersicht (in kleinerem Maßstab). 2. Sitzende junge Frau (Heilige?), der Kopf im verlorenen profil. Durch Schraffierung modelliert. 3. rechts oben: Eine nackte Jünglingsgestalt in der Hüfte abgebogen ( studie zu einem hl. Sebastian ?), eine laufende Figur in kleinerem Maßstab, ganz flüchtig angedeutet, daneben, und sie teilweise überdeckend, eine sitzende, über dieser ein schreitender Knabe von hinten gesehen. Scheinbar eine verkleinerte Wiederholung des folgenden. 4. Großer Rückenakt eines jungen Mannes in schreitender Bewegung. 5. Studien zu einem hl. Stephanus. Die ganze Gestaltrechts unten, daneben rechts nochmals in kleinerem Maßstab, weniger vorgebeugt. Links der Kopf allein in stärkerer Untersicht, darüber nochmals der Kopf mit dem gebeugten Nacken. Ganz im Profil. 6. am unteren Rande: Links das Motiv von 1. wiederholt mit Variationen der ausgebreiteten Arme, rechts ein bärtiger Kopf. 7. Am rechten Rand: Ein Putto schreitend, in der rechten Hand einen Geldbeutel tragend, darunter Stück eines sitzenden männlichen Aktes mit herabhängendem rechten Bein und erhobenem Arm

Ident. Nr.: KdZ 4636

ObjID: obj:1049786

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Adam Elsheimer (1578-1610),
Zeichner*in
Unbekannt,
Papierherstellung
Systematik/Art
Material / Technik
Feder in Braun
Abmessungen
Höhe x Breite: 26,5 x 19,1 cm

Objektbeschreibung

Elsheimer gehört zu den bedeutendsten Malern des Frühbarock. Dennoch wirft sein zeichnerisches OEuvre bis heute große Probleme auf. Bereits zweimal wurden umfangreiche Gruppen daraus gelöst und als Arbeiten von Nachahmern erkannt. Auch das hier gezeigte sogenannte »Große Studienblatt« ist in keiner der zunächst verwirrend vielen Einzelskizzen sicher mit Gemälden des Wahlrömers zu verbinden, ebensowenig wie die drei anderen Zeichnungen in Berlin und Amsterdam, mit denen es eng zusammengehört. Allein die tastende Weise, in der verschiedene Figuren mehrfach wiederholt und überzeichnet werden, verbunden mit dem z.T. erstaunlich sicheren Wurf einzelner Konturlinien und ganzer Figuren, schließlich die starke emotionale Ausstrahlung fast jeder der Skizzen sind den gefeierten Gemälden Elsheimers nah verwandt. Abgesehen von dem Fragment einer möglicherweise antiken Inschrift gehören einige der neunzehn verschiedenen Skizzen offenbar zusammen. Am deutlichsten wird dies bei der Wiederholung der Gewandfigur rechts unten, zu der offenbar auch die beiden Kopfstudien und wohl auch die aus Dürers Proportionsbuch abgezeichnete Konstruktion eines frontal geneigten Gesichts aus einem Profilkopf gehört, mit dem ungelenk festgehaltenen Ergebnis links am Rand. Die genannten Studien nutzen freigebliebene Partien des Blattes. Zuvor waren die verschiedenen Aktstudien rechts oben und der große Rückenakt links, den der Putto in der rechten oberen Ecke auf eigenartige Weise wiederholt, um eine wohl zuerst gezeichnete, sitzende weibliche Gewandfigur herum festgehalten worden, sowie ein in starker Untersicht gegebener stehender Akt links oben und am unteren Rand. Die starken Federstriche über der letzten Figur meinen offenbar ein Gewand. In gleicher Heftigkeit ist das Gewand der zentralen Sitzenden korrigiert worden, während die Wiederholung der eingangs genannten Figur ähnlich zunächst als Akt angegeben wurde. Übrigens ist die erste, größere Version dieser Studie ganz deutlich durchgestrichen worden, wie auch der liegende Akt am Rand daneben - die einzige Studie, für die das Blatt um neunzig Grad gedreht wurde. Inhaltlich fixiert scheinen von allen Skizzen nur Oberkörper und Kopf eines Posaunenengels in der Mitte des Blattes und der Knabe am rechten Rand zu sein, der mit geflügelter Linker und vom Gewicht herabgezogener Rechter das gleiche Emblem der Armut aus Alciat verkörpert, das Elsheimer bereits in seinem frühen Albumblatt in Braunschweig verwendete, hier nun in ironischer Brechung, da es offenbar ein Geldsack ist, der den geflügelten Knaben herabzieht.

Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 141f., Kat. III.71 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 09.10.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Zertretene. Arme Familie (Linke Szene der urspr. dreiteiligen Komposition, 2. Zustand)

Zertretene. Arme Familie (Linke Szene der urspr. dreiteiligen Komposition, 2. Zustand)

Fragment einer großformatigen, triptychonartigen Radierplatte aus dem Jahre 1900, von der sich die Künstlerin nachträglich distanzierte und die von ihr deshalb auseinandergeschnitten wurde. Nur der linke Teil mit der realistischen Arbeiterfamilie hatte vor ihren eigenen Augen auch noch in späteren Jahren Bestand, während sie die Hauptdarstellung in der Mitte und die rechte Randszene aufgrund ihrer symbolischen Überfrachtung als "fatal" verwarf. Die unzerschnittene Platte variiert das Themades nicht in den Zyklus aufgenommenen Schlußblattes zu "Ein Weberaufstand":"Aus vielen Wunden blutest du, oh Volk" [#vgl. Ident. Nrn. 658-1912, AM 383-1971]. Während sich der Mittelteil auf beiden Radierungen gleicht, wurden die Seitenfiguren im späteren Werk durch zwei Szenen ersetzt. An Hand der Themen Selbstmord und Prostitution schildern sie die ausweglose Situation des Proletariats. Für die vermutlich durch Arbeitslosigkeit ins Elend gestürzte Familie links bietet sich als Ausweg nur der Strick. Das Triptychon sollte ursprünglich den Titel "Das Leben" tragen und wohl so etwas wie eine allegorische Gesamtschau auf die Lebensbedingungen des Proletariates geben. Der Druck gehört zu den wenigen von [Otto] Felsing gedruckten Exemplaren, die den Ausgaben des Verlags E. A. Seemann, Leipzig, vorausgingen.(Text: Sigrid Achenbach, Käthe Kollwitz (1867-1945). Zeichnungen und seltene Druckgraphik im Berliner Kupferstichkabinett, Ausst.-Kat. Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1995, S. 76, Kat.-Nr. 80)2025 digitalisiert aus Mitteln des Förderprogramms zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin.

Rhenen von Westen

Rhenen von Westen

Jacob van Ruisdael gilt als der bedeutendste niederländische Landschaftsmaler, eine Gattung, die in kunsttheoretischen Schriften keinen hohen Rang einnahm.Nur eine weitere Ansicht Rhenens durch van Ruisdael ist erhalten (St. Petersburg); sie zeigt die Stadt aus entgegengesetzter Richtung. Beide müssen auf der Reise nach Bentheim entstanden sein, die der Künstler 1650/1653 unternahm. Das beliebte Motiv des Turmes der Cunera-Kirche als mächtigem, die Landschaft beherrschenden Kennzeichen, wird durch van Ruisdael auf die Spitze getrieben, indem er einen Blickwinkel wählt, der den Baublock der Kirche selbst hinter dem Turm verschwinden läßt, während von dem benachbarten großen Palast, den Friedrich V. von der Pfalz, der sogenannte Winterkönig, sich hier im Exil von Bartholomeus van Bässen hatte bauen lassen, nur die Dächer zu sehen sind. So kann der Kirchturm, in dessen Schatten sich der ganze Ort zu ducken scheint, bei van Ruisdael zum Angelpunkt einer asymmetrischen, aber wohlbalancierten Komposition werden. Dynamik entsteht durch die von links vorn nach rechts hinten schwingende Linie von Weg und Ufer, während die mit großer Leichtigkeit auf das Blatt gesetzten Wolken ein raffiniertes Gegengewicht zu dem aus der Mitte gerückten Turm bilden. (Um so schmerzlicher stört die übergroße Besitzermarke des Zaren.)Typisch für van Ruisdael ist die spürbare Distanziertheit vom Gegenstand, z.B. das Fehlen menschlicher Figuren, die der Darstellung einen Ernst, ja eine Strenge verleiht, die bei anderen holländischen Landschaftern selten zu finden sind.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 222, Kat. IV.75 (mit weiterer Literatur)