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Das Meerwunder

Ident. Nr.: 4541-1877

ObjID: obj:1050773

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Albrecht Dürer (1471 - 1528),
Stecher*in
Datierung
Herstellung: um 1497
Herstellung: um 1498
Material / Technik
Kupferstich
Abmessungen
Blattmaß: 27,1 x 20,6 cm
Plattenrand: 25,1 x 19 cm

Objektbeschreibung

Von Dürer im Tagebuch der Niederländischen Reise Meerwunder genannt, d.h. nach dem damaligen Sprachgebrauch Meerungeheuer. Die Stimmung des Blattes in Landschaft, Himmel und Frauenraub auf dem dunklen Wasser von hinreißender Schönheit. Links des Burgberges oben am Blattrand ein winziger Landschaftsausschnitt mit eigenem, vom übrigen abweichenden Sehwinkel und viel zu hohem Horizont. Das Geschehen wurde vielfältig gedeutet, z.B. als Entführung der Amymone oder Verwandlung der Parimela in eine Insel, wie es Ovid (Met. Vlll, 580-610) erzählt. Panofsky zitiert Poggio Bracciolini, der die antike Geschichte eines Tritons auf das 15. Jahrhundert überträgt und an die Küste von Dalmatien verlegt: ein Seewesen, halb Mensch, halb Fisch, mit kleinen Hörnern und wehendem Bart pflegte Kinder und junge Mädchen zu entführen, die am Ufer spielten, bis er eines Tages von fünf entschlossenen Waschfrauen getötet wurde. Eindeutig ist jedenfalls das Motiv der Entführung und die Klage der Zurückgebliebenen am Ufer. Neuerdings unterstützt Anzelewsky den um 1900 geäußerten Hinweis auf die Welt der deutschen Sagen und Märchen. Der fränkische Edelmann Kaspar von der Rhön hatte 1472 in Nürnberg eine Reihe deutscher Sagen nachgedichtet, unter denen eine, 31 Strophen enthaltend, unter dem Titel "Das Meerwunder" die Geschichte vom Raub der Langobardenkönigin Theudelinde durch ein Meerwesen beschreibt. Noch Hans Sachs verwendete den gleichen Stoff 1552 in einer Prosaerzählung und einem Meisterlied.

Text: Hans Mielke in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 110f., Kat. III.30 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 06.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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Zwei mehrwöchige Salzburger Aufenthalte wurden für Ferdinand Olivier in den Jahren 1815 und 1817 zum künstlerischen Schlüsselerlebnis. Wie auch die anderen deutschen Maler seines Wiener Umkreises, die in diesen Jahren die Landschaft des Salzkammergutes entdeckten, fand er hier zu seiner gültigen Landschaftsauffassung. In zahlreichen, zum Teil erst nach seiner Rückkehr in Wien ausgeführten Blättern verbindet er die Motive der Stadt und der Bergwelt zu kunstvollen Kompositionen, Höhepunkte seiner Zeichenkunst.Schon beim ersten Aufenthalt faszinierte ihn der Petersfriedhof, häufiges Motiv bei der romantischen Entdeckung Salzburgs. Er stellte ihn mehrfach in ganz verschiedenen Jahr 1816 datiert eine Bleistiftzeichnung von seiner Hand (Kupferstichkabinett, Dresden; Ludwig Grote: Die Brüder Olivier und die deutsche Romantik, Berlin 1938, Abb. 136), die er mit geringen Unterschieden zweimal wiederholt: durch eine Bleistift- und Rötelzeichnung (Staatliche Galerie, Dessau) und die vorliegende Federzeichnung. Sie wird als unmittelbare Vorarbeit für die Lithographie des Sonnabend-Blattes der Folge »Sieben Gegenden aus Salzburg und Berchtesgaden, geordnet nach sieben Tagen der Woche« gedient haben (vgl. Grote 1938, Abb. 137). Die Resonanz, die seine Zeichnungen von Salzburg und Folge von Lithographien in Wien auszuführen. Sie erschien 1823. Die Ansicht zeigt den Petersfriedhof mit dem Blick auf die frühbarocke Arkaden-Reihe und die sich darüber erhebende Nagelfluh-Wand zwischen Mönchsberg und Festungsberg mit der Maximin- und Gertrauden-Kapelle sowie den frühchristlichen Katakomben. Rechts erhebt sich die spätgotische Margarethen-Kapelle. Der Friedhof mit seinen Gräbern und Kreuzen, die Kapellen, schließlich der Begräbniszug im Hintergrund entlang der Arkaden: das alles sind neben der Freude am Motiv auch Aufforderungen des romantischen Künstlers, der Vergänglichkeit des Menschen stets gegenwärtig zu sein.Text: Gottfried Riemann, in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 369, Nr. VII.15 (mit weiterer Literatur)