Logo

Aktfigur mit Glas und Schlange

Ident. Nr.: KdZ 5017

ObjID: obj:1052082

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Albrecht Dürer (1471 - 1528),
Zeichner*in
Unbekannt,
Papierherstellung
Datierung
Herstellung: um 1500
Weitere Titel
Sammlungstitel: Aktfigur mit Glas und Schlange
Äskulap, Proportionsstudie
Nackter Mann mit Glas und Schlange
Provenienz
Jean-François Gigoux (1806-1894),
158440
Adolf von Beckerath (1834-1915),
bis 1902
Abmessungen
Blattmaß: 32,5 x 20,8 cm

Objektbeschreibung

Dürers Interesse am Akt war neu für den Norden. Eigene Beobachtungen und italienische Kupferstiche waren Quelle und Ansporn seiner Kenntnis. Erstaunlich ist, daß er sich nicht mit umfassenden Modellstudien begnügte, sondern als forschender Geist sogleich weiter fragte nach dem Gesetz, das jedem Körper eingeboren ist. Auch dieser Gedanke war schon der Antike geläufig; Vitruv forderte z.B., bei einem vollkommen schönen männlichen Körper müßte der Kopf 1/8 der Gesamtlänge haben, das Gesicht 1/10. Auch Dürer ging es zunächst nur um die Verhältnisse eines Idealtyps. Wie die Alten die größte Schönheit in ihrem Gott Apollo gesehen hätten, so sollten wir sie in Christus suchen; oder die Schönheit von Venus sei auf die Jungfrau Maria zu übertragen. Die Stelle des antiken Herkules könne der biblische Samson einnehmen.
Die vorliegende Zeichnung gehört zu den unendlich gewissenhaften Konstruktionsversuchen der frühen Zeit um 1500. Im Gegenlicht sind viele Zirkeleinstiche sichtbar, an Gesicht, Brust und Knien konstruierte Hilfslinien. Die Beigaben Schlange und Glas sind zufällig, sie sind als Attribute nicht ernst zu nehmen, sie sollen das Trockene derartiger nur errechneter Figuren etwas mildern. Auch der grünblau getuschte Grund, den Dürer oft bei männlichen Proportionsfiguren verwendete, will nichts als die Figuren besser hervortreten lassen, das nüchterne Blatt ansehnlicher machen.

Text: Hans Mielke in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 113f., Kat. III. 33 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 13.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Christus in der Vorhölle

Christus in der Vorhölle

Der Abstieg zur Hölle, wo Christus nach dem Kreuzestod und vor der Auferstehung die Gerechten - angefangen von Adam und Eva bis hin zu Johannes dem Täufer - aus der Gewalt Satans befreite, wird im apokryphen Nikodemus-Evangelium erwähnt. Das Thema war im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Mantegna könnte Anregungen von einem kleinen Bild seines Schwiegervaters Jacopo Bellini (Padua, Museo Civico) und von einem Bronzerelief Donatellos erhalten haben (Florenz, San Lorenzo). Unter den Zeichnungen des Kabinetts befindet sich noch eine exakte Wiederholung der Christusfigur, die auf einer um 1490/92 entstanden Gemäldeversion Mantegnas erscheint (KdZ 622; Kat. [Andrea Mantegna, London / New York 1992], Nr. 71, Farbabb.).Die Auseinandersetzung mit der Mantegna-Graphik ist von ständig wechselnden Zu- und Abschreibungen geprägt und in vielen Punkten noch klärungsbedürftig. Erst kürzlich wurden aus Anlaß der Londoner Ausstellung wieder zwei völlig divergierende Meinungen vertreten. Während Suzanne Boorsch vermutet, das gesamte Œuvre sei nur unter der Aufsicht des Meisters entstanden (ebd., S. 56ff.), verzeichnet der von David Landau erstellte Katalog sieben eigenhändige Werke und vier Attributionen. Unter den letzten wird auch der »Abstieg in die Hölle« aufgeführt. Die Argumente für eine Zuschreibung des Stichs an Mantegna überwiegen. So weicht die Komposition nur in wenigen, aber doch wichtigen Details von der Vorzeichnung in der École des Beaux-Arts zu Paris ab, einem unbestrittenen Autograph (ebd., Nr. 66, Farbabb.). Veränderungen und Zusätze wären einem rein reproduzierenden Graveur nicht erlaubt gewesen. Gewichtiger als dies ist aber der unvollendete Zustand der Platte, die nur in den zentralen Partien und auch hier ohne feine Tonnuancen durchgearbeitet ist, welche ein Stecher zum Schluß hinzufügen würde. Ein solches Nonfinito war wohl kaum für den Markt gedacht. Es ist Resultat des künstlerischen Experiments. Dieser Neugier mag ebenfalls verdankt werden, daß das Berliner Blatt in brauner Farbe abgezogen ist, welche die koloristischen Effekte der Federzeichnung imitiert (ein gleichartiger Abzug in London; Hind [Catalogue of Early Italian Engraving, London] 1910,S. 347, Nr. 5a).Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 252-253, Kat. V.10 (mit weiterer Literatur)