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Initiale zu einem lateinischen Majuskel-Alphabet (sog. "Todesalphabet"): F

Ident. Nr.: 171-3

ObjID: obj:1052161

Details (Expert)

Beteiligte
Hans Holbein (der Jüngere) (1497/98 - 1543),
Inventor*in
Ausführung: Hans Lützelburger (vor 1514),
Stecher*in
Datierung
Herstellung: um 1523 - 1524
Systematik/Art
Material / Technik
Holzschnitt
Abmessungen
Höhe x Breite: ca. 2,4 x 2,4 cm

Objektbeschreibung

Hans Holbein d. J. arbeitete in seinen Basler Jahren zwischen 1515 und 1532 mehrfach als Entwerfer für Holzschneider und Drucker. Wohl auf Initiative und im Auftrag seines Freundes und Formschneiders Hans Lützelburger, der 1522 nach Basel zog, entwarf er die Vorlagen zu diesem Figurenalphabet, das in der Basler Totentanztradition verwurzelt ist.
In strengen Quadratrahmen von geringer Größe sind fast formatfüllende Antiquabuchstaben mit deutlichem Fassettenquerschnitt vor einen dicht
gefüllten und dramatisch bebilderten Fond gestellt.
Ungeachtet des kleinen Formats der Felder, Buchstaben und Szenen, trennen sich die Bildbestandteile in klarer Schichtentrennung voneinander
und erzeugen so eine geradezu monumentale Bildwirkung beklemmenden Inhalts.
Angeführt von einem Zug musizierender Knochenmänner im Beinhaus (›A‹), holt der Sensenmann zunächst den Papst im Buchstaben ›B‹ und rafft in den folgenden Lettern Mitglieder aller geistlichen und weltlichen Stände dahin: den Kaiser (›C‹), einen König (›D‹) und Kardinal (›E‹) ebenso wie Bürger, einen Arzt (›M‹), Landsknechte (›P‹), Narren (›R‹), Junge (›S‹) und Alte (›W‹) und schließlich auch ein Kind aus der Wiege (›Y‹). Alle erstehen am Ende aller Tage zum Jüngsten Gericht im Buchstaben ›Z‹ wieder auf.
Das Alphabet wurde vielfach verwendet. Neben Sammel-Probebögen aller Druckstöcke ohne Text sind Zusammenstellungen der Lettern mit reformatorischen Bibelzitaten in Latein oder Deutsch auf großen Bögen erhalten. In Text und Bild wird auf diesen Bögen die Ewigkeit der Worte Gottes der Vergänglichkeit des menschlichen Seins gegenübergestellt.
Neben diesen Sammelbögen wurden einzelne Buchstaben seit 1524 von verschiedenen Basler Druckern als Schmuckinitialen verwendet, denen Lützelburger die Druckstöcke für ihre Publikationen zur Verfügung stellte, mutmaßlich gegen Honorar.

Text: Michael Roth, in: Schrift als Bild, hg. von Michael Roth, Petersberg, 2010, S. 87, Kat. 64 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 09.10.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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Vorzeichnung im Gegensinn für einen Kupferstich, den der Verleger Hieronymus Cock in Antwerpen herausgab. - In einer liederlichen Alchimistenküche sitzt links an einem Pult ein Mann in Gelehrtentracht, die auch zu Bruegels Zeit schon um ca. 100 Jahre veraltet war. Mit der rechten Hand zeigt er in sein aufgeschlagenes Buch, wo die Worte ALGHE MIST (alles Mist) zu lesen sind. Daß sich dies negative Urteil auf das Treiben vor ihm bezieht, beweist seine weisende linke Hand. Neben dem Pult ein bösartiger Narr, der mit dem Blasebalg mehrere leere Schmelztiegel umstößt. Neben ihm die Hausmutter, deren Beutel leer ist. Das letzte Goldstück wirft soeben ihr Mann in den Schmelztiegel - aber wir wissen: es ist alles umsonst. Der Goldmacher scheitert, die Kinder hungern und suchen vergeblich etwas Eßbares im Schrank. Im Fensterausschnitt sehen wir die Eltern mit allen drei Kindern (jede Person ist deutlich wiederzuerkennen) auf eine alte Frau zueilen, die sie als Vertreterin des christlichen Armenhauses barmherzig aufnimmt; das Haus ist mit Kreuzen versehen, im Stich wurde »l'ospital« daran geschrieben.In dieser sehr realen Szene nimmt sich der altertümliche Gelehrte fremd aus. Er wird am ehesten verständlich bei Kenntnis der Bildtradition: in dem beliebten Blockbuch des 15. Jahrhunderts vom »Antichrist« fehlt nie die Szene: der Antichrist lehrt Gold machen. Die Einflüsterungen des Bösen verführen die schwachen, goldgierigen Menschen. Sie fallen in Armut, und ihr Sturz wäre rettungslos, finge nicht die christliche Nächstenliebe sie auf.Text: Hans Mielke in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 182f., Kat. IV.21 (mit weiterer Literatur)

Zertretene. Arme Familie (Linke Szene der urspr. dreiteiligen Komposition, 2. Zustand)

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