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Bildnis Dr. med. J. N. Lieberkühn

Ident. Nr.: KdZ 4599

ObjID: obj:1057550

Details (Expert)

Beteiligte
Georg Friedrich Schmidt (1712 - 1775),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 1745
Material / Technik
Pastell
Abmessungen
Höhe x Breite: 37,3 x 29,9 cm

Objektbeschreibung

Im Jahre 1743 wurde Schmidt, der seit 1736 zur Weiterbildung in Paris weilte und gerade in die Academie Royal aufgenommen worden war, von Friedrich II. als Hofkupferstecher nach Berlin zurückgerufen. Er brachte außer einer soliden Stecherausbildung bei N. Larmessin Kenntnisse in der Pastelltechnik mit, die er bei Quentin de Latour erworben hatte.
Bald nach seiner Rückkehr malte er in dieser, damals in Berlin kaum gepflegten Technik das Bildnis des bekannten Arztes, der fast gleichaltrig mit Schmidt ist. Selbstbewußt dreht der nach links gewen dete Mann im blauen Justeaucorps seinen Kopf und schaut den Betrachter aus hellen Augen ruhig an. Die Falten um seinen Mund verleihen dem Gesicht einen leicht skeptischen Ausdruck. Die feinnervige Hand, die den unter den Arm geklemmten Dreispitz berührt, ergänzt das Persönlichkeitsbild, das der Künstler so lebendig einzufangen wußte und auf dem er darum auch extra vermerkte, daß er es nach dem Leben schuf und nicht nach fremder Vorlage.

Text: Renate Kroll in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 149f., Kat. III.83 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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Der Abstieg zur Hölle, wo Christus nach dem Kreuzestod und vor der Auferstehung die Gerechten - angefangen von Adam und Eva bis hin zu Johannes dem Täufer - aus der Gewalt Satans befreite, wird im apokryphen Nikodemus-Evangelium erwähnt. Das Thema war im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Mantegna könnte Anregungen von einem kleinen Bild seines Schwiegervaters Jacopo Bellini (Padua, Museo Civico) und von einem Bronzerelief Donatellos erhalten haben (Florenz, San Lorenzo). Unter den Zeichnungen des Kabinetts befindet sich noch eine exakte Wiederholung der Christusfigur, die auf einer um 1490/92 entstanden Gemäldeversion Mantegnas erscheint (KdZ 622; Kat. [Andrea Mantegna, London / New York 1992], Nr. 71, Farbabb.).Die Auseinandersetzung mit der Mantegna-Graphik ist von ständig wechselnden Zu- und Abschreibungen geprägt und in vielen Punkten noch klärungsbedürftig. Erst kürzlich wurden aus Anlaß der Londoner Ausstellung wieder zwei völlig divergierende Meinungen vertreten. Während Suzanne Boorsch vermutet, das gesamte Œuvre sei nur unter der Aufsicht des Meisters entstanden (ebd., S. 56ff.), verzeichnet der von David Landau erstellte Katalog sieben eigenhändige Werke und vier Attributionen. Unter den letzten wird auch der »Abstieg in die Hölle« aufgeführt. Die Argumente für eine Zuschreibung des Stichs an Mantegna überwiegen. So weicht die Komposition nur in wenigen, aber doch wichtigen Details von der Vorzeichnung in der École des Beaux-Arts zu Paris ab, einem unbestrittenen Autograph (ebd., Nr. 66, Farbabb.). Veränderungen und Zusätze wären einem rein reproduzierenden Graveur nicht erlaubt gewesen. Gewichtiger als dies ist aber der unvollendete Zustand der Platte, die nur in den zentralen Partien und auch hier ohne feine Tonnuancen durchgearbeitet ist, welche ein Stecher zum Schluß hinzufügen würde. Ein solches Nonfinito war wohl kaum für den Markt gedacht. Es ist Resultat des künstlerischen Experiments. Dieser Neugier mag ebenfalls verdankt werden, daß das Berliner Blatt in brauner Farbe abgezogen ist, welche die koloristischen Effekte der Federzeichnung imitiert (ein gleichartiger Abzug in London; Hind [Catalogue of Early Italian Engraving, London] 1910,S. 347, Nr. 5a).Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 252-253, Kat. V.10 (mit weiterer Literatur)