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Patroklus-Schrein (Sammel-DS im Zustand vor 1945)

Ident. Nr.: 778

ObjID: obj:1064111

Details (Expert)

Beteiligte
Meister Sigefridus (1226–1250)
Datierung
Datierung: um 1313
Systematik/Art
Material / Technik
Vergoldetes Silber
Abmessungen
Höhe x Breite: 77,4 x 39,5 cm (Schrein)
Länge: 1,76 cm (laut Inventarbuch)

Objektbeschreibung

Die Gebeine des hl. Patroklus, eines Märtyrers aus römischem Patriziergeschlecht, wurden 960 vom Kölner Erzbischof Bruno aus Troyes in der östlichen Champagne erworben und später dem von ihm in Soest gegründeten St. Patrokli-Stift geschenkt. 1311 entschlossen sich Stiftsdekan und Kapitel, die Reliquien des Heiligen in einen neuen Schrein umzubetten, und beauftragten 1313 den Goldschmied Sigefridus mit dessen Ausführung. Es entstand ein hausförmiges Schreingehäuse in der Tradition rheinisch-maasländischer Beispiele des 12. und 13. Jahrhunderts, allerdings in gotischen Architekturformen gestaltet und darin französischen Werken wie dem Schrein des heiligen Taurinus in Evreux vergleichbar. An den Schmal- und Längsseiten fanden sich die Silberstatuetten von Christus, der Muttergottes, des heiligen Patroklus, des ebenfalls heiliggesprochenen Erzbischofs Bruno und der Apostel aufgestellt. Im Jahr 1841 durch König Friedrich Wilhelm IV. durch Ankauf vor dem Einschmelzen gerettet, ging der Schrein beim Brand im Bunker Friedrichshain 1945 offenbar zugrunde. Wenige Figuren konnten geborgen werden, andere wurden durch Diebstahl entwendet und mußten zurückerworben werden. Eine 2003 zurückgekaufte Apostelstatuette von besonderer Qualität zeichnet sich durch eine lebendig gestaltetes Gesicht und fein ausgearbeitete quirlige Locken aus. Dieses ›Meisterstück‹ der Goldschmiedekunst dürfte um 1340 dem von Sigefridus geschaffenen Bestand hinzugefügt worden sein.

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Reliefplatte mit dem Heiligen Symeon

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Das Relief ist aus Basalt, einem sehr harten vulkanischen Gestein. Weil es so schwer zu bearbeiten ist, ist das Relief nur ganz flach ausgeführt.Die Darstellung ist in einem modern anmutenden, fast Comic-artigen Stil gehalten. Rechts steht eine Säule auf einem Stufensockel. Auf der Säule erscheint ein bärtiger Mann, von dem nur der Oberkörper sichtbar ist. Der Unterkörper wird von einer Brüstung verdeckt, deren Oberkante durch eine dünne Linie angedeutet wird. Ein fliegender Vogel hält einen kleinen Kranz über ihn. An die Säule ist eine Leiter gelehnt, die ein zweiter Mann hinaufgestiegen ist. In seiner rechten Hand hält er ein Weihrauchgefäß. Es hat die Form eines Kelches und ist an einer Kette aufgehängt. Beide Männer tragen jeweils ein typisches Mönchsgewand. Es hat die Form eines langen, gegürteten Hemdes. Über den Kopf ist eine Kapuze gelegt, die mit einem Kreuz geschmückt ist.Der Mann auf der Säule stellt einen christlichen Heiligen, den syrischen Asketen Symeon d. Ä. (um 390-459) dar. Die historisch bezeugte Gestalt lebte zuerst als Mönch in einem Kloster im nordsyrischen Kalksteinmassiv nordöstlich von Aleppo. Als junger Mann zog sich Symeon auf einen Felsen zurück und widmete sich der Verehrung Gottes. Später wurde dort eine Säule errichtet, auf der er lebte, die Säule wurde mehrmals erhöht. Zuletzt war sie 17 bis 20 Meter hoch. 42 Jahre soll Symeon ununterbrochen auf dieser Säule zugebracht haben. Weil Symeon als heilig und weise galt, kamen bald große Mengen von Pilgern herbei, zu denen Symeon mehrmals täglich predigte und ihnen Ratschläge gab. Auch nach seinem Tod reisten zahlreiche Pilger zu der Säule, um dort zu dem Heiligen zu beten. Sie nahmen von dem Pilgerort Andenken mit, an deren heilkräftige Wirkung sie glaubten. Um den Standort der Säule herum wurde das große Pilgerheiligtum Qal’at Sim’an mit einer christlichen Kirche, einem Baptisterium und Pilgerwohnungen errichtet, um den Pilgern Platz und einen Raum für Gottesdienste zu bieten. Weihrauch wurde bei christlichen Gottesdiensten verwendet. Der Mönch auf der Leiter mit dem Weihrauchgefäß könnte auf Gottesdienste im Symeons-Heiligtum hinweisen.Symeon war nicht der einzige christliche Mönch, der ein Leben auf einer Säule führte, aber einer der frühesten und der berühmteste. Diese Mönche werden Säulensteher oder Styliten genannt, nach dem griechischen Wort „stylos“ für Säule. Sie stellten sich auf Säulen, um sich von dem als sündig angesehenen Alltagsleben zu entfernen und sich ganz Gott zu widmen.Das Relief war möglicherweise an der Fassade einer frühchristlichen Kirche im syrischen Kalksteingebiet eingelassen. Solche Reliefs sind von anderen Kirchen in dieser Gegend bekannt. Zeitlich und stilistisch vergleichbare Darstellungen befinden sich im Museum von Damaskus und im Louvre zu Paris.GM