Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1924
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: ModemadonnaÜbersetzung: Fashionable MadonnaOriginaltitel: Madone de la mode
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- Collage aus Papier und Malerei auf leichtem Karton und Passepartout
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 12 x 8,4 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/1065859
Objektbeschreibung
Abgegriffen und zerknittert, erscheint die „Mode-Madonna“ auf den ersten Blick wie ein oft betrachtetes und berührtes Ikonenbildchen. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sie sich jedoch als eine der „Merz“zeichnungen Kurt Schwitters. Eine schwarz-weiße gedruckte Mariendarstellung hat der Künstler auf ein farbiges Etikett geklebt. Nachträglich hinzufügte Rillen bilden – einem Heiligenschein gleich – einen Halbkreis um den Kopf der Muttergottes. Unter ihr lassen sich die Worte „Manoli“ und „Diva“ entziffern, die sich unten im Rahmen wiederholen. Kurt Schwitters war selbst in der Werbung tätig und schätzte die wechselseitige Einflussnahme von Kunst und Reklame. Daher verwendete er kaum zufällig ein Zigarettenetikett der Marke „Diva“ der Berliner Firma Manoli, welche in ihrer Reklame das Bild der mondänen Frau prägte. Schwitters spielt hier auf das Rollenverständnis der Frau der 1920er Jahre zwischen Modernität und Mütterlichkeit an. Die Frauen konnten nun der Passivität entfliehen, seit 1919 durften sie wählen und sich an der Universität habilitieren. Erstmals rauchten Frauen. Besonders in Berlin zeigte sich die neue Freiheit auch in der Mode: Bubikopf, Hosen und vor allem die Zigarettenspitze waren Kennzeichen der weiblichen Emanzipation, die gerade erst begonnen hatte. Die Geburtenrate hingegen war stark rückläufig, daher wählte Schwitters für seine Ikone eine Maria ohne Jesuskind. Das Blatt stammt aus dem Besitz von Hannah Höch, der einzigen Frau unter den Berliner Dadaisten, mit der Kurt Schwitters eng befreundet war und deren poetisch-skurrile Collagen seiner eigenen Arbeit sehr nahestehen. | Silke Krohn
Letzte Aktualisierung: 19.12.2025
Kontakt
Einrichtung:
Sammlung Scharf-Gerstenberg
E-Mail:
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