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Ohne Titel (Mt. Lake Series I)

Ident. Nr.: KdZ 27358

ObjID: obj:1072990

Details (Expert)

Beteiligte
John Cage (1912 - 1992),
Maler*in
Datierung
Herstellung: 1988
Material / Technik
Aquarell
Abmessungen
Blattmaß: 47,0 x 91,5 cm (gerahmt)

Objektbeschreibung

Im April 1988 zeichnete Cage nach einem besonderen Verfahren 52 Aquarelle in vier Zyklen (Serie I–IV) im Miles C. Norton, Sr., Research Center, Montain Lake/Virginia. Er umkreiste mit der Feder oder dem Pinsel eine bestimmte Gruppe von auf dem Papier ausgelegten Steinen, die aus dem »New River« im Ripplemaed-Gebiet im Südwesten Virginias stammten. Cage wählte die genaue Position der Steine auf dem Papier, Farben, verschiedene Vogelfedern, Pinsel und die Papiersorte nach dem Zufallsprinzip mittels ›l Ging‹, dem chinesischen Buch der Wandlungen. In der Entstehungszeit der Aquarelle benutzte Cage bereits ein Computerprogramm, das nach dem Prinzip des ›l Ging‹ arbeitete. »Die zentrale Zahl des ›l Ging‹ ist die 64. Ich habe herausgefunden, wie man es auf größere oder kleinere Zahlen als 64 anwenden kann, so daß jede Frage, die sich auf eine Vielzahl von Möglichkeiten bezieht, mit dem ›l Ging‹ beantwortet werden kann. Ich habe das ›l Ging‹ jetzt computerisiert und kann so schnell eine Entscheidung treffen, indem ich es wie einen Computer benutze« (Kostelanetz 1989, S. 26). Cage wollte so weit als möglich die subjektive Entscheidung des Künstlers aufheben, zugunsten eines Zufallsprinzips, das für ihn der Wirklichkeit näher kam als jede Konstruktion. Lediglich das Umkreisen der Steine mit dem Pinsel oder der Feder wurde mit der Hand ausgeführt. Die Stärke der Pinselzüge unterlag nicht dem Zufall, sondern der Intuition. Die Anzahl der Steine, insgesamt waren es 15, entsprach der Zahl der Steine im Garten des Zen-buddhistischen Klosters Ryoan-ji in Kyoto, Japan, das Cage besucht hatte. Das Umkreisen von Steinen entspricht dem kreisförmigen Harken des feinen Sandes oder weißen Kieses im japanischen Steingarten, der die Bewegung des Wassers simuliert. Der Garten ist eine abstrakte Darstellung der Natur. Das Format der Aquarelle bezieht sich auf seine rechteckige Grundform. Cage hat sich in seinen Zeichnungen »Where R = Ryoanji«, von denen das Kupferstichkabinett vier besitzt (Ergebnisse des ersten Workshops 1983), und in seinen 1990 in einem weiteren Mountain Lake Workshop entstandenen Aquarellen wiederholt auf diesen Zen-buddhistischen Garten bezogen.

Text: Eugen Blume in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 488, Kat. VIII.54 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 20.05.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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