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Der Baum mit den Ziegen

Ident. Nr.: 168-1879

ObjID: obj:1082152

Details (Expert)

Beteiligte
Umkreis: Tizian (1488/90 - 1576),
Holzschneider*in
Tizian (1488/90 - 1576),
Inventor*in
frühere Zuschreibung: Domenico Campagnola (1500 - 1564),
Inventor*in
Datierung
Herstellung: um 1530
Geografische Bezüge
Abmessungen
Plattenrand: 49,5 x 21,7 cm

Objektbeschreibung

Aus steinigem Grund reckt sich, geschraubt und knorrig, ein alter Baum, der das angeschnittene, hochrechteckige Bildfeld füllt. Nur belebt von zwei knabbernden Ziegen am Fuß und einem Vogelpaar im Geäst, definiert seine Torsion wie eine Skulptur den Raum. Zur Geltung kommt diese volumenbildende Kraft jedoch erst durch den Chiaroscuro-Effekt, der dadurch entsteht, daß über den Abdruck einer graphisch strukturierenden Strichplatte eine Tonplatte gelegt wird. Deren Aussparungen lassen, wie eine Negativform, das Weiß des Papiers als helle Reflexlichter auf dunklerem, farbigem Grund erscheinen. Dieses Umkehrverfahren ähnelt dem Weißschnitt, bei dem nicht die Stege drucken, sondern die Fläche. Es erfordert, wenn die Vorlage nicht schon entsprechend angelegt wurde (etwa als Grisaille), vom Formschneider ein hohes Abstraktionsvermögen und vom Drucker handwerkliche Präzision.
Qualität und Ausdruckskraft des »Baumes mit den Ziegen« setzen die Zusammenarbeit eines hervorragenden Zeichners mit einem ebenso guten Formschneider und Drucker voraus. Obwohl schon Passavant Tizian als Entwerfer des Blattes aufführte (Passavant 1860-64, Bd. VI, S. 222, Nr. 20), wurde es – angelehnt an Bartsch – 1879 als Domenico Campagnola erworben. Die Zuweisung an einen der beiden Künstler schwankt wie die Datierung des Clairobscurs bis in die jüngere Zeit. Hauptargument für die Urheberschaft Tizians aber bleibt die originelle Erfindung, die Einspannung eines Einzelmotivs in knappe Grenzen, wobei die offene, energisch bewegte Zeichnung für eine Entstehung weit nach 1520 spricht. Als Formschneider sind Domenicho dalle Greche (Mauroner), Ugo da Carpi (Dreyer) und Niccolò Boldrini vorgeschlagen worden (Muraro/Rosand).

Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 265f., Kat. V.26 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 07.04.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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