Logo

Ident. Nr.: IV Ca 48634

ObjID: obj:110256

Details (Expert)

Beteiligte
Walter Lehmann (16.9.1878 - 2.7.1939),
Sammler*in
Datierung
Policromo Medio (800 - 1300)
Geografische Bezüge
Material / Technik
Ton
Abmessungen
Objektmaß: 22,6 x 20,8 x 22 cm
Mündung: 9,9 cm
Wandstärke: 0,7 cm

Objektbeschreibung

Ovaloider, halsloser Krug. Das Objekt hat drei hohle, konische Beine, die eine schmale Öffnung und Rasselkugeln besitzen. Die Keramik ist beidseitig geglättet, geschlämmt und grundiert. Ihre Außenseite wurde polychrom bemalt und leicht poliert. Grundierung und Bemalung sind stark erodiert. Am Gefäßrand befinden sich mehrere kleine Bruchstellen.

Die Keramik besitzt eine weiß-gelbliche Grundfarbe, die an der Außenseite des Objekts rot, orange und schwarz-braun bemalt wurde. Unterhalb des Randes befinden sich zwei hochständige, umlaufende Friese, die aus ineinander verzahnten Stufenelementen bestehen. Der Körper wird durch mehrere schlangenähnliche Gestalten verziert, die sich in ihren gefiederten Schwanz zu beißen scheinen. Sie haben zwei lang ausgestreckte Beine, an denen drei Zehen ansetzen. Das rote Wesen reißt seinen Rachen weit auf und streckt seine lange Zunge heraus. Die Motivbehandlung erinnert an den Mixteca-Puebla Stil der zentralmexikanischen Ikonographie. Lothrop (1926) interpretiert die Darstellung als plumed serpent, type A. Die Ansätze der Gefäßbeine werden durch zwei umlaufende, rote Bänder markiert. Auf der Innenseite der Keramik sind unregelmäßige Spuren einer weiß-gelblichen Grundierung sichtbar. Das Objekt gehört nach Bransford (1881) zur Sta. Helena ware. Lothrop (1926) diskutiert dieselbe Gruppe unter seiner Nicoya polychrome ware. Lehmann (1913) ordnet die Verzierung dem Nicarao-Stil zu.

Kulturelle Bedeutung: überregionale Handelsware. Die Objekte der Gruppe Papagayo Policromo stehen in der Region Gran-Nicoya am Anfang der polychromen Bemalung auf weiß-gelblicher Grundierung. Die Tradition dauerte bis ins Policromo Tardío (1350-1520d.C.) an. Ihre Verzierungen zeigen einen starken mesoamerikanischen Einfluß (vergleiche Codex Borgia 1992: 46; Codex Zouche-Nuttall 1992: 31). Er manifestiert sich unter anderem in der Verdrängung von Echsen- und Fledermausthemen durch Raubkatzen- und Schlangendarstellungen. Die Variante ist sowohl aus Bestattungen als auch aus Siedlungskontexten bekannt. Sie wurde vor allem in Guanacaste dokumentiert und tritt seit der zweiten Hälfte des Policromo Medio (1350-800d.C.) auf. Zur symbolischen Bedeutung siehe auch: Seler 1907: 15 f.; Taube 1994: 77-86.
(Künne 2004)

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ethnologisches Museum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

樹皮衣

樹皮衣

Attush-Gewänder werden aus Bastfasern, den so genannten Ohyo, hergestellt, die von der Ulme stammen, und sind eine der charakteristischsten Textilvarianten der Ainu. Der Stoff wurde hergestellt, indem die innere Rinde lebender Bäume vor dem Frühjahrswachstum geerntet, eingeweicht und dann die Fasern in Fäden gespalten und von Hand zu einem dichten, warmen, gelb-braunen Stoff verwoben wurden.Nachdem der Stoff gewebt und zu einem Kleidungsstück vernäht worden war, wurde es mit Stickereien und Applikationen aus Baumwollstoff und Garn verziert. Die Verzierungen waren ein wesentliches Merkmal der Ainu-Kleidung und ein visueller Ausdruck ihrer religiösen Überzeugungen.Einfache attush-Gewänder wurden für den täglichen Gebrauch hergestellt, aber aufwändigere Gewänder wie dieses Beispiel waren für zeremonielle Zwecke bestimmt. Sie wurden selten getragen und waren sehr wertvoll.Dieses Attush Gewand ist vermutlich aus Nesselfasern angefertigt. Es ist mit Applikationen in hell- und dunkelblauem Baumwollstoff und linearen Stickereien aus gefärbtem Nesselgarn versehen, sowie mit weißem, braunem, rotem, violettem und dunkelblauem Baumwollgarn bestickt. Die Stickereien reichen über die Applikationen bis auf dasGrundgewebe hinaus. Das, ist für die Gewänder der Ainu auf Sachalin eher ungewöhnlich. Für ein Frauengewand ist es ungewöhnlich prächtig, i.d.R. sind die Männergewänder die prächtigeren Stücke Publ.in: アイヌの工芸 Ainu no kôgei, Ausstellungskatalog, Tokyo National Museum, 1993, S. 109, Abb. 195.