Tarquinius und Lucretia
Ident. Nr.: 5032
ObjID: obj:1125250
Kontakt
Einrichtung:
Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
E-Mail:
sbm@smb.spk-berlin.deDetails (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- letztes Viertel 17. Jahrhundert
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- Bronze
- Abmessungen
- Höhe x Breite x Tiefe: 40 x 30,5 x 23,5 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/1125250
Objektbeschreibung
Die Gruppe zeigt den Augenblick, in dem Sextus Tarquinius die römische Adlige Lucretia mit dem Dolch bedroht und vergewaltigt. Nach Livius gab Lucretia dem Zwang erst nach, als Tarquinius drohte, sie zu töten und ihren Leichnam neben den eines Sklaven zu legen, um sie des Ehebruchs zu bezichtigen. Anschließend berichtete sie ihrem Vater und ihrem Ehemann von der Tat und nahm sich das Leben. Der dadurch ausgelöste Aufstand führte der Überlieferung zufolge zur Vertreibung der Tarquinier und zur Gründung der römischen Republik.
Tarquinius drängt Lucretia mit dem Knie nieder, während sie den Oberkörper von ihm fortdreht und sich gegen seinen Zugriff stemmt. Die eng verschränkten Figuren bilden eine spiralförmig bewegte, von mehreren Seiten zu betrachtende Gruppe. Darin steht die Komposition in der Tradition Giambolognas, dessen Werkstatt Pietro Tacca seit 1592 angehörte und die er nach dem Tod des Meisters als großherzoglicher Hofbildhauer weiterführte. Die virtuose Verbindung zweier Körper macht die Bronze zu einem eindrucksvollen Beispiel florentinischer Kleinplastik, zugleich aber auch zu einem problematischen Bild: Ein Sexualverbrechen wird in ein kostbares, für die intime Betrachtung bestimmtes Sammlungsobjekt verwandelt.
Das Modell wird heute meist Pietro Tacca zugeschrieben, ist jedoch nicht dokumentarisch gesichert. Die erhaltenen Güsse entstanden offenbar über einen längeren Zeitraum in seinem Werkstattumfeld. Ein Exemplar trägt die Initialen des Bronzegießers Damiano Capelli, der Modelle der Tacca-Werkstatt noch im späteren 17. Jahrhundert vervielfältigte. Vom kleineren, auch durch die Berliner Bronze vertretenen Typus sind gegenwärtig fünf Fassungen bekannt. Davon zu unterscheiden ist eine größere, verwandte Kompositionsgruppe, die auf ein Modell Hubert Gerhards zurückgeführt wird.
(Alexander Röstel, August 2026)
Letzte Aktualisierung: 04.08.2026
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Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
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sbm@smb.spk-berlin.de