Logo

Vergnügungen im Garten des Pinsels

Ident. Nr.: Jap 792

ObjID: obj:1142824

Details (Expert)

Beteiligte
Kano Tan'yū 狩野探幽 (1602 - 1674),
Maler*in
Datierung
Edo (Tokugawa)-Zeit
Kanbun-Ära
1661–1673
Weitere Titel
Sammlungstitel: Vergnügungen im Garten des Pinsels
Shukuzu gajô: hitsuen itsuyû
Geografische Bezüge
Japan,
Land
Abmessungen
Außenmaß: 58,6 x 39,6 cm

Objektbeschreibung

Das in kostbarem Einband gefasste Faltalbum enthält 56 Miniaturkopien (jap. shukuzu) von Bildern alter Meister. Etwa die Hälfte der Skizzen kann dem bedeutenden Maler Kano Tan’yū (1602–1674) zugeschrieben werden. Die übrigen stammen wohl von Malern in seinem Umkreis. Sie zeigen unter anderem Miniaturskizzen von Drachen und Tigern, Figuren der chinesischen Mythologie sowie Blumen und Vögel nach chinesischen und japanischen Malern des 14. bis 16. Jahrhunderts.
Neben den kopierten Bildern tradieren die einzelnen Blätter weitere wichtige Angaben wie das Datum der Skizze, sowie den Namen, die gesellschaftliche Position und den Wohnort des Besitzers des Originals. Ferner sind stets das Bildformat, Material und Technik, der Erhaltungszustand, sowie Tan’yūs Meinung zu Datierung und Herkunftsland der Vorlage vermerkt. Grundlage für Tan’yūs Bewertung bei Begutachtungen waren stets die penibel dokumentierte Signatur, Siegel, Aufschriften und (sofern vorhanden) Gutachten anderer Maler.
Der Brauch, Miniaturkopien von Bildern und Skulpturen herzustellen, blickt in Japan auf eine lange Tradition zurück. Vor allem im esoterischen Buddhismus wurden seit dem 9. Jahrhundert Skizzensammlungen von Skulpturen und Bildern angelegt, die als Referenz und Vorlagen dienten.
Im Falle Tan’yūs war die Kopiertätigkeit eng mit seiner Funktion und dem besonderen Status als wichtigster Maler und Vorsteher einer großen Werkstatt im Dienst der Militärherrscher (Shogune) aus dem Hause Tokugawa verbunden, die diese Position zwischen 1603 und 1868 innehatten. Tan‘yūs Position verschaffte ihm nicht nur Zugang zu bedeutenden Kunstsammlungen, sein Status beförderte auch die Nachfrage nach seinen Diensten als Gutachter. Zahlreiche Werke gingen so durch seine Hände und wurden als Miniaturkopien festgehalten. Diese Kopien wurden wohl erst zu einem späteren Zeitpunkt in Gruppen aufgeteilt und in Alben oder Handrollen montiert. Andere Beispiele finden sich unter anderem in der Sammlung des Nationalmuseums in Kyoto. Im Falle des vorliegenden Albums wurden die Skizzen thematisch und nicht chronologisch geordnet. Sie dienten Tan’yū als Nachschlagewerk und Quelle für die Erweiterung seines eigenen Stil- und Motivrepertoires, Vergleichsmaterial bei Begutachtungen sowie als didaktisches Mittel bei der Ausbildung von Schülern und Gehilfen.
Der Informationsreichtum macht das vorliegende Kompendium zu einer herausragenden Quelle für die Stil- und Sozialgeschichte der ostasiatischen Malerei in Japan bis zum 17. Jahrhundert. Die Systematik mit der das Material zusammengestellt wurde, nimmt darüber hinaus sogar die vergleichende kunsthistorische Praxis späterer Jahrhunderte vorweg.

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Museum für Asiatische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Kaiserlicher Thronsitz

Kaiserlicher Thronsitz

Der Thronsitz und der zugehörige dreiteilige Paravent stellen unter den erhaltenen Arbeiten mit Perlmuttereinlagen aus den kaiserlichen Werkstätten das Hauptwerk der beginnenden Ära Kangxi (1662–1722) dar. Die reichen szenischen Darstellungen auf den goldgrundigen Bildfeldern der Schauseiten gelangen durch die virtuose Anwendung von zahllosen rosa, violett und grün changierenden Perlmutterteilchen (frz. laque burgautée) zu einem Farbspiel von grandioser Wirkung. Sie wird gesteigert durch die in großer Mannigfaltigkeit gestalteten Bordüren des Rahmenwerkes, die eine staunenswerte technische Meisterschaft und Größe des künstlerischen Entwurfs offenbaren. Die verschwenderische Fülle des Dekors dieses Ensembles bringt Wünsche für langes Leben und Glück verheißende Botschaften aller Art zum Ausdruck Das Hauptthema der Bildfelder auf den Innenseiten von Arm- und Rückenlehnen des Thronsitzes sowie der drei großen Bildfelder der Schauseite des Paravents ist das daoistische »Westliche Paradies«, das von Xiwangmu, der Königinmutter des Westens, beherrscht wird. Ausschnitthaft geben die Darstellungen auf dem Thronsitz die Gebirgs- und Seenlandschaft mit Terrassen, Pavillons und Palästen wieder, die auf dem Paravent in voller majestätischer Große erscheint. Gezeigt wird die Ankunft der Königinmutter des Westens, Xiwangmu, die auf einem Phönix reitend in die Paradieslandschaft herabkommt, wo die Unsterblichen ihrer harren. In den Darstellungen auf dem Thronsitz und dem Paravent erwarten sie die »Acht daoistischen Unsterblichen« an prominenter Stelle. Auf der Mitteltafel des Paravents sind sie auf der großen zentralen Terrasse vereint, zahlreiche weitere Unsterbliche beleben zu Wasser und zu Lande die paradiesische Landschaft. Auf den beiden Innenseiten der Thron-Armlehnen schreiten jeweils vier der »Acht daoistischen Unsterblichen« auf die zentrale Terrasse zu, wo die Göttin erwartet wird. Thronsitz und Paravent wurden 1924 durch einen französischen Kaufmann von chinesischen Vorbesitzern in Tianjin, Provinz Shandong, erworben. Wie aus einem damals beigegebenen chinesischen Dokument hervorgeht, stammt das Ensemble aus dem kaiserlichen Reisepalast von Panshan im Bezirk Jizhou, Provinz Zhili (heutige Provinz Hebei), den die Mandschu-Kaiser auf ihren Reisen in ihre Sommerfrische in Chengde, etwa 250 Kilometer nordöstlich von Beijing, benutzten. Unter den Kaisern Kangxi (reg. 1662–1722), Yongzheng (reg. 1723–1735) und Qianlong (reg. 1736–1795) erlebte China eine mehr als hundertjährige Blütezeit und erreichte die größte territoriale Ausdehnung in seiner Geschichte. Die Einzigartigkeit und Erhabenheit der Kaiser fand auch in der Bildkunst ihren Niederschlag. In vielfältigen Rollen kaiserlicher Repräsentation begegnen uns auf zahlreichen Bildern die Kaiser thronend in prächtiger Staatsrobe, bei kaiserlichem Zeremoniell, als Literaten und Connaisseure, als Jäger und auch als religiöse Heilsgestalt. Das Thema auf dem Thronsitz und Paravent lässt die herrscherliche Autorität der sich auf das Mandat des Himmels gründenden Regierung des Kaisers in besonderem Lichte erscheinen und unterlegt den Wunsch, dass sie ewig währen möge. Nahm der Kaiser auf dem Thronsitz Platz, saß er im Zentrum des Paradieses der Unsterblichen und wurde sozusagen ein Teil desselben. [SM8HF]