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Blumenwagen

Ident. Nr.: 2006-58 b

ObjID: obj:1252056

Details (Expert)

Beteiligte
Kanō-Schule,
Werkstatt
Datierung
Edo (Tokugawa)-Zeit
2. Hälfte 17. Jh.
Geografische Bezüge
Japan,
Land
Abmessungen
Höhe x Breite: 168,5 x 504 cm
Erwerbung
Kauf am 13.11.2005

Objektbeschreibung

Dieses überaus prachtvolle achtteilige Stellschirmpaar gehört zu einer in der japanischen Kunstgeschichte als „Stellschirme mit Blumenwagen“ bekannten Bildgruppe, die sich seit dem 17. Jahrhundert entwickelt hat. Üppige Blumenarrangements in Bambuskörben, die auf offenen Wagen arrangiert sind, bilden das Hauptmotiv solcher Schirme. Zuweilen werden mehrere Blumenwagen auf einem Schirm dargestellt, meist ist jedoch nur ein Wagen je Schirm zu sehen. Bei den Pflanzen handelt sich um die häufig abgebildeten Blumen der vier Jahreszeiten: Pflaumenblüte, Kirschblüte, Kamelie, Päonie, Chrysantheme, Buschklee, Glyzinie sowie rote Ahornblätter und Kiefernzweige, um nur die wichtigsten zu nennen. Die Blüten sind allesamt in detaillierter, dekorativer Manier unter Verwendung kostbarer Farbpigmente gemalt. Die offenen zweirädrigen Wagen beeindrucken durch die sorgfältige Schilderung des prächtigen Lackdekors und der kunstvoll gearbeiteten Metallbeschläge.
Dramatisch hebt sich die Farbenpracht der Blüten und Gefährte von dem mit Blattgold belegten Hintergrund ab.
Begleitet werden die Blumenwagen hier von Hofadeligen, die in kleineren Gruppen plaudern oder dösend rasten. Diese Kombination von Blumenwagen und begleitenden Figuren sowie Tieren ist eher ungewöhnlich.

Über die Herkunft des Blumenwagenmotivs gibt es verschiedene Theorien. Entweder ist eine Anspielung auf eine Erzählung über die jährlichen Riten am Hof des Kaisers Xuanzong (685–761) der Tang-Dynastie intendiert, wo jeweils im Frühling außergewöhnliche Blumenarten gesammelt und auf Holzkarren arrangiert zur Schau gestellt wurden, oder es handelt sich um eine japanische Variation des beliebten chinesischen Bildsujets prachtvoller Blumenkörbe, das in der Song- und Yuan-Dynastie (960–1368) populär war. Mit der Einbeziehung landschaftlicher Elemente und kommunizierender Figuren, wie auf diesem Stellschirmpaar, gewinnt das Bildthema hier jedoch eine neue inhaltliche Dimension. Es ist aber noch nicht schlüssig geklärt, ob diese Darstellung auf einem literarischen Stoff basiert oder gar politisch motiviert ist und eine Aussage zur Stellung der Hofaristokratie artikuliert.
Die Stellschirme sind nicht signiert, die Pinselsprache weist aber insbesondere bei den Baumdarstellungen starke Ähnlichkeiten mit bekannten Werken des Kano Eino (1631–1697) auf, so dass angenommen werden kann, dass sie im näheren Umfeld der in Kyoto ansässigen Kano-Schule des 17. Jahrhunderts entstanden sind. Die Mitglieder dieses Ateliers der weit verzweigten Kano-Sippe waren sowohl für die Militäraristokratie wie auch für das Kaiserhaus und den in Kyoto ansässigen Hofadel tätig.
SM8HF

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Museum für Asiatische Kunst

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Das rechte Bein untergeschlagen und das linke locker auf einen Lotossockel stützend, sitzt der in jugendlicher Mönchsgestalt auftretende Jizō Bosatsu in lässiger Halblotossitzhaltung und erhabener Frontalansicht auf einem Lotosthron mit doppelt gestuftem Sockel. Die Attribute, das Mönchsgewand, das wunschgewährende Juwel und der für Wandermönche typische Rasselstab, weisen auf die jüngere Ikonographie des Jizō Bosatsu hin, die seit Beginn der Kamakura-Zeit (1185–1333) in Japan beliebt war. Mit dem Aufkommen des Buddhismus des Reinen Landes in Japan im 12. Jahrhundert stieg auch die Popularität des Jizō Bosatsu als eine der wichtigsten buddhistischen Gottheiten. Er galt als der einzige Bosatsu, der nach dem Eingang des historischen Shaka Butsu ins Nirvana und bis zur Erscheinung des zukünftigen Miroku Butsu in der physischen Welt geblieben ist, um den Seelen bei ihrem Durchgang der sechs Existenebenen als Helfer beizustehen. Besonders im japanischen Volksglauben genießt Jizō Bosatsu bis heute große Beliebtheit als Schutzgottheit der KInder, der Schwachen und Hilflosen sowie der Reisenden. Der Blütendekor des doppelgestuften Sockels sowie die Behandlung der Gewandmuster mit feiner Goldmalerei auf grünem und rotem Pigmentgrund haben ihre Vorbilder in der chinesischen Song-zeitlichen buddhistischen Malerei. Der subtile Gesichtsausdruck und die delikate Malerei mit Goldfabe sind charakteristisch für die sakrale Bildkunst der späten Kamakura-Zeit. [SM8HF]

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Kaiserlicher Thronsitz

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Der Thronsitz und der zugehörige dreiteilige Paravent stellen unter den erhaltenen Arbeiten mit Perlmuttereinlagen aus den kaiserlichen Werkstätten das Hauptwerk der beginnenden Ära Kangxi (1662–1722) dar. Die reichen szenischen Darstellungen auf den goldgrundigen Bildfeldern der Schauseiten gelangen durch die virtuose Anwendung von zahllosen rosa, violett und grün changierenden Perlmutterteilchen (frz. laque burgautée) zu einem Farbspiel von grandioser Wirkung. Sie wird gesteigert durch die in großer Mannigfaltigkeit gestalteten Bordüren des Rahmenwerkes, die eine staunenswerte technische Meisterschaft und Größe des künstlerischen Entwurfs offenbaren. Die verschwenderische Fülle des Dekors dieses Ensembles bringt Wünsche für langes Leben und Glück verheißende Botschaften aller Art zum Ausdruck Das Hauptthema der Bildfelder auf den Innenseiten von Arm- und Rückenlehnen des Thronsitzes sowie der drei großen Bildfelder der Schauseite des Paravents ist das daoistische »Westliche Paradies«, das von Xiwangmu, der Königinmutter des Westens, beherrscht wird. Ausschnitthaft geben die Darstellungen auf dem Thronsitz die Gebirgs- und Seenlandschaft mit Terrassen, Pavillons und Palästen wieder, die auf dem Paravent in voller majestätischer Große erscheint. Gezeigt wird die Ankunft der Königinmutter des Westens, Xiwangmu, die auf einem Phönix reitend in die Paradieslandschaft herabkommt, wo die Unsterblichen ihrer harren. In den Darstellungen auf dem Thronsitz und dem Paravent erwarten sie die »Acht daoistischen Unsterblichen« an prominenter Stelle. Auf der Mitteltafel des Paravents sind sie auf der großen zentralen Terrasse vereint, zahlreiche weitere Unsterbliche beleben zu Wasser und zu Lande die paradiesische Landschaft. Auf den beiden Innenseiten der Thron-Armlehnen schreiten jeweils vier der »Acht daoistischen Unsterblichen« auf die zentrale Terrasse zu, wo die Göttin erwartet wird. Thronsitz und Paravent wurden 1924 durch einen französischen Kaufmann von chinesischen Vorbesitzern in Tianjin, Provinz Shandong, erworben. Wie aus einem damals beigegebenen chinesischen Dokument hervorgeht, stammt das Ensemble aus dem kaiserlichen Reisepalast von Panshan im Bezirk Jizhou, Provinz Zhili (heutige Provinz Hebei), den die Mandschu-Kaiser auf ihren Reisen in ihre Sommerfrische in Chengde, etwa 250 Kilometer nordöstlich von Beijing, benutzten. Unter den Kaisern Kangxi (reg. 1662–1722), Yongzheng (reg. 1723–1735) und Qianlong (reg. 1736–1795) erlebte China eine mehr als hundertjährige Blütezeit und erreichte die größte territoriale Ausdehnung in seiner Geschichte. Die Einzigartigkeit und Erhabenheit der Kaiser fand auch in der Bildkunst ihren Niederschlag. In vielfältigen Rollen kaiserlicher Repräsentation begegnen uns auf zahlreichen Bildern die Kaiser thronend in prächtiger Staatsrobe, bei kaiserlichem Zeremoniell, als Literaten und Connaisseure, als Jäger und auch als religiöse Heilsgestalt. Das Thema auf dem Thronsitz und Paravent lässt die herrscherliche Autorität der sich auf das Mandat des Himmels gründenden Regierung des Kaisers in besonderem Lichte erscheinen und unterlegt den Wunsch, dass sie ewig währen möge. Nahm der Kaiser auf dem Thronsitz Platz, saß er im Zentrum des Paradieses der Unsterblichen und wurde sozusagen ein Teil desselben. [SM8HF]