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Thronende Maria mit dem Kind

Ident. Nr.: 467

ObjID: obj:1312493

Details (Expert)

Datierung
1330 - 1350
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 126 x 42 x 30 cm
Gewicht: 27 kg
Gewicht: ca. 80 kg
Erwerbung
Erworben 1887 als Geschenk des nicht näher bekannten Anton Henoch aus Berlin; weitere Informationen zur Provenienz fehlen.

Objektbeschreibung

Die sitzende Maria trägt ein langes Kleid, das bis knapp unterhalb der Brust glatt anliegt und darunter bis zum Boden hin fein plissiert ist. Über den in regelmäßigen Zickzacklinien verlaufenden Haaren befindet sich ein dünner Reif, auf dem ursprünglich eine Reihe von hölzernen Edelsteinimitationen appliziert war, und darüber ein doppelt gelegter Schleier mit gekräuseltem Rand. Das Haupt des Christuskindes ist unbedeckt, man sieht die groben, großen Locken seitlich des Gesichts und die feineren Locken über der Stirn.
Der Oberkörper der hoch aufragenden Muttergottes ist auffällig nach hinten bzw. nach links gebogen. Diese Drehung ist nur im Zusammenspiel mit der Position und Handlung des Kindes verständlich. Es steht aufrecht auf dem linken Oberschenkel der Mutter und spiegelt die Biegung ihres überlängten Oberkörpers. Die auffallende, bei thronenden Madonnen in dieser Deutlichkeit ungewöhnliche Spiegelung der Haltungen bezieht sich wohl auf die Krönung Marias, als die die Geste der rechten Hand des Kindes gedeutet werden kann (Krone verloren).
Aufgrund der repräsentativen Größe und des Themas wird es sich um ein Altarbild gehandelt haben; da Maria, Kind und Bank innerhalb einer schmalen, hochrechteckigen Kontur bleiben, liegt die ursprüngliche Platzierung in einem Schrein, wie sie für zahlreiche Marienfiguren der Zeit nachgewiesen ist, zunächst nahe. Andererseits spricht jedoch die rückseitige Ausarbeitung der Muttergottes für eine relativ freie Aufstellung. Die Spuren einer sekundären Verwendung als bekleidetes Bildwerk in einem neuen Gehäuse, wofür insbesondere der Sockel stark verändert wurde, sprechen für eine spätere Aufstellung in einem Barockaltar, durch die dann spätestens der originale Kontext zerstört worden war.
Die Zuordnung zum süddeutschen Kunstkreis dürfte aufgrund der Ortsangabe auf dem Verladezettel am Rücken der Maria erfolgt sein. Wie in einer knappen Notiz in der Stückakte der Skulpturensammlung festgehalten wurde, wurde 1969 mündlich auf die thronende Maria in der Pfarrkirche zu Kiedrich (Rheingau) verwiesen, die dort 1860 auf dem Kirchenspeicher gefunden wurde, eine mittelrheinische, französisch geprägte Arbeit des frühen 14. Jahrhunderts. Obwohl der provinzielle Charakter der Figur eine genaue Zuordnung und Datierung erschwert, darf man dennoch eine Entstehung um 1330/50 in Südwestdeutschland annehmen. Die längliche Gesichtsform Marias, die eng zusammen liegenden (wenn auch ursprünglich weitaus größeren) Augen, die überlange, grafisch wirkende Nase und der schmale Mund ähneln etwa einer sitzenden Maria aus dem Schwarzwald im Badischen Landesmuseum Karlsruhe (Inv. C 10850; H. 100 cm, angeblich aus Altglashütten) oder einer stehenden Muttergottes von der Schweizer Seite des Bodensees, ehemals Sammlung Georg Schwarz, die beide ins zweite Viertel des 14. Jahrhunderts datiert werden.
Das Bildwerk führt in ekklektizistischer Weise bestimmte Motive zusammen, die in Südwestdeutschland seit 1300 für Marienfiguren entwickelt worden waren. Das macht die Datierung kurz vor der Jahrhundertmitte, als sich die Figurenauffassung auch in dieser Region grundlegend wandelte, sehr wahrscheinlich.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Letzte Aktualisierung: 24.04.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Beweinung Christi (4 teilig)

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Die aus Einzelfiguren zusammengesetzte Figurengruppe zeigt die Beweinung Christi - ein Motiv, das in den Evangelien nicht erwähnt wird. Der vom Kreuz abgenommene Leichnam Christi lagert ausgestreckt mit halb aufgerichtetem Oberkörper über dem Schenkel der seitlich nach hinten sinkenden Maria. Sie ist in ein weites Kleid und in ein über ihr Haupt gezogenes Tuch gehüllt, Voll Schmerz ringt sie mit den von sich gestreckten Händen, ihre Augen sind fast geschlossen. In Ohnmacht fallend, wird sie von Johannes aufgefangen, der von rechts herantritt und die Komposition auf dieser Seite abschließt. Diese Dreiergruppe bildet von den Füßen Christi ausgehend bis zum Kopf des Lieblingsjüngers Jesu ein aufsteigendes Dreieck, das links von der knienden Maria Magdalena ausbalanciert wird. Die von Jesus bekehrte Sünderin benetzt mit ihren Tränen den Leib Christi und salbt diesen mit einem Tuch, das sie in ihrer erhobenen Linken hält.Die Dramatik des Geschehens wird nicht allein durch Gesten und Mimik veranschaulicht, sondern vor allem auch durch die Gewänder, die mit ihren bewegten Draperien die Seelenzustände der jeweiligen Personen widerzuspiegeln scheinen. Eingebettet ist darin der nackt lagernde Leichnam des Erlösers, dessen schwerer, lebloser Körper in einem fließenden S-Schwung dem Betrachter zugewandt ist. Hier greift der Bildschnitzer italienische Vorbilder des 16. Jahrhundert und frühen 17. Jahrhunderts auf, bei denen die Christusfigur in einer ähnlich aufsteigenden Torsion komponiert ist. Die für die private Andacht konzipierte Gruppe darf dem venezianischen Bildhauer Giovanni Giuliano oder einem seines engsten Umkreises angehörigen Mitarbeiters zugeschrieben werden. Giuliano ging bereits in jungen Jahren nach München, wo er in den 1680er-Jahren in der Werkstatt des Bildhauers Andreas Faistenberger tätig war. Anschließend zog er nach Wien. Die letzten 33 Jahre lebte er als Laienbruder im Stift Heiligenkreuz, wo er mit vielen Mitarbeitern zahlreiche Werke für das Stift schuf. In diese Zeit fällt auch die Gruppe der Beweinung Christi. Kennzeichnend sind für ihn Ensembles, bei denen sich die Einzelfigur als rhythmisch bewegte Silhouette der Harmonie des Ganzen einzufügen hat. Auffallend ist zugleich, dass die leicht fließende Kontur der Komposition immer an eine Fläche gebunden ist und somit nur eine bestimmte Ansicht zulässt.

Thronende Maria mit dem Kind

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Die schlanke Gestalt der Muttergottes sitzt auf einer mit flachem Kissen belegten Thronbank, der eine im Achteck gebrochene, hohe Plinthe vorgelegt ist. Marias überlängter Oberkörper ist leicht schräg nach links gebogen, parallel zur diagonal verschobenen Stellung der Knie. In der Rechten hielt sie vielleicht ursprünglich ein Zepter (aufgrund des Fehlens des originalen Unterarms unklar), mit der Linken umgreift sie die Hüfte des Kindes, dessen linker Fuß noch auf dem Sitzkissen steht, während es das rechte Bein nach vorn auf den Oberschenkel der Mutter gesetzt hat. Die Schrittstellung bewirkt eine leicht gekippte Haltung, besonders im linken Halbprofil, von wo aus das linke Standbein nicht zu sehen ist. Das Kind dürfte mit der Hand einst nach Marias Oberkörper gegriffen haben, wie es bei zahlreichen Figuren des Typs der Fall ist. In der Linken hält es einen (ergänzten) Vogel. Die beiden Köpfe (der des Kindes stark ergänzt) neigen sich leicht einander zu, Maria blickte das Kind an, wie der Verlauf der vorgeritzten Pupillen zeigt. Bekleidet ist sie mit langem Kleid und einem Mantel, der über dem rechten Arm gerafft, von dort quer über den Oberkörper gespannt und unter dem linken Arm eingeklemmt wird. Das über die linke Schulter fallende Ende dient dem Kind als Standfläche. Am Oberkörper bildet der Mantel zahlreiche Parallelfalten aus, die strahlenförmig auf das Kind zulaufen. Dieses Motiv ist innerhalb der großen Gruppe Kölner Madonnen dieses Typs einzigartig; üblicherweise fällt der Mantel in den Schoß Marias und gibt den Blick auf den Gürtel frei. Das Kind trägt ein langes Kleid. Maria trägt keinen Schleier, in den lockigen Haaren zeichnet sich noch die Auflage für den ehemals aufgesetzten Kronreif ab. Wie die rückseitige Ansicht zeigt, stand die Figur ursprünglich vor einem Rückbrett. Sie dürfte sich in einem Schrein auf einem Altar befunden haben, entweder als Einzelfigur oder in einem größeren Kontext.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Allegorie des Wahnsinns

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Die auf einem Segmentbogen lagernde Aktfigur eines kahlköpfigen, finster dreinblickenden Mannes scheint in einem Anfall von Wut mit weit geöffnetem Mund zu brüllen. Aufgrund seines unberechenbaren Temperaments sind die Hände an den Gelenken miteinander verkettet. Nicht nur der sanft geschwungene Giebel, auch die Komposition der darauf ausgestreckten Figur erinnert an Michelangelos lagernde, die Zeiten des Tages symbolisierende Gottheiten aus der Medici-Kapelle in San Lorenzo in Florenz. Insbesondere das Motiv des sich auf dem Unterarm stützenden Armes, der die Aufrichtung des Oberkörpers erlaubt, ist Michelangelos Figur des „Abends“ entlehnt.Das bei seiner Erwerbung 1908 zunächst noch Pietro Tacca (1577-1640) zugeschriebene Modell konnte inzwischen mit überzeugenden Argumenten dem dänischen und überwiegend in England tätigen Bildhauer Caius Gabriel Cibber zugewiesen werden. Die hier dargestelte Allegorie des Wahnsinns ist das Pendant zur Liegefigur der Melancholie, die der Bildhauer als Giebelfiguren für das Hauptportal des Royal Bethlem Hospitals in Moorfields schuf. Das 1247 in Bedlam, vor den Toren Londons gegründete Hospital war seit dem Ende des 14. Jahrhunderts ein Heim für Geisteskranke. Als die Stadt 1666 einem Brand weitgehend zum Opfer fiel, ließ man zwischen 1674 bis 1676 einen Neubau nach den Plänen des Architekten Robert Hooke (1635-1703) außerhalb der Stadt in Moorfields errichten, wofür Cibber schließlich die beiden lebensgroßen Liegefiguren in Stein schuf. Bei dem hier ausgestellten Werk handelt es sich um einen ersten künstlerischen Entwurf des Künstlers.