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Studie für eine kniende Tochter des Kekrops in "Die Entdeckung des Erichthonius"

Ident. Nr.: KdZ 15541

ObjID: obj:1346854

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Peter Paul Rubens (1577 - 1640),
Zeichner*in
frühere Zuschreibung: Domenichino (1581 - 1641),
Zeichner*in
Datierung
Ausführung: 1613-1614
Weitere Titel
Sammlungstitel: Studie für eine kniende Tochter des Kekrops in "Die Entdeckung des Erichthonius"
Mädchenakt nach einer antiken Skulptur
Provenienz
Bartolomeo Cavaceppi (1716-1799),
1799
Kauf: Vincenzo Pacetti (1746-1820),
nach 1799 - 1820
Nachlass/Vermächtnis: Michelangelo Pacetti (1793-1865),
1820–1843
Abmessungen
Blattmaß: 49,4 x 35,0 cm
Wasserzeichenmaß: 27 x 31 mm

Objektbeschreibung

Der hervorragende Bestand von etwa 40 Rubenszeichnungen in Berlin stammt aus sehr unterschiedlichen Quellen. Bereits im ältesten Teil der Sammlung, der unter König Friedrich Wilhelm l., vielleicht sogar schon unter dem Großen Kurfürsten nach Berlin gelangte und aus dem Besitz des jüngeren Merian stammt, waren Zeich¬nungen des größten flämischen Malers. Sie lagen zum Teil bis in jüngste Zeit unter anderem Namen. Unsere Kreidezeichnung wurde 1843 mit der umfangreichen Sammlung Pacetti als ein Werk Domeni-chinos erworben und erst 1963 durch M. Winner als Werk Rubens' erkannt.
Die Datierung des Blattes bleibt weiterhin problematisch. Einerseits orientiert sich die Zeichnung, wie Winner ausführlich darlegte, an einer antiken Skulptur, der sogenannten Leda der Sammlung Cesi. In dieser Sammlung hat Rubens bereits in den ersten Jahren des Jahrhunderts gezeichnet. Andererseits scheint die Zeichnung stilistisch eher in die ersten Antwerpener Jahre zu gehören, wohin er 1608 zurückkehrte. Auch scheint der Arm hinter dem Kopf der Figur in direkter Vorbereitung eines – unbekannten – Gemäldes eingefügt zu sein (vgl. Ident. Nr. KdZ 4003).
Das Blatt wirft ein helles Licht auf Rubens' Verhältnis zur Antike, von der er in einem Traktatfragment »De imitatione statuarum« fordert, der Künstler müsse von ihr ganz durchdrungen sein. In der Wiedergabe der antiken Statuen, die ihm als vorbildliche Studienobjekte so selbstverständlich waren wie allen Künstlern der frühen Neuzeit, müsse man versuchen den Stein nicht merken zu lassen, sondern die auf Haut anders als auf Marmor ausfallenden Lichtwirkungen wiederzugeben. Unser Blatt vermag deutlich zu machen, was mit einer solchen Rückverwandlung ins Leben gemeint war.

Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 197, Kat. IV.40 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 05.05.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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Der Abstieg zur Hölle, wo Christus nach dem Kreuzestod und vor der Auferstehung die Gerechten - angefangen von Adam und Eva bis hin zu Johannes dem Täufer - aus der Gewalt Satans befreite, wird im apokryphen Nikodemus-Evangelium erwähnt. Das Thema war im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Mantegna könnte Anregungen von einem kleinen Bild seines Schwiegervaters Jacopo Bellini (Padua, Museo Civico) und von einem Bronzerelief Donatellos erhalten haben (Florenz, San Lorenzo). Unter den Zeichnungen des Kabinetts befindet sich noch eine exakte Wiederholung der Christusfigur, die auf einer um 1490/92 entstanden Gemäldeversion Mantegnas erscheint (KdZ 622; Kat. [Andrea Mantegna, London / New York 1992], Nr. 71, Farbabb.).Die Auseinandersetzung mit der Mantegna-Graphik ist von ständig wechselnden Zu- und Abschreibungen geprägt und in vielen Punkten noch klärungsbedürftig. Erst kürzlich wurden aus Anlaß der Londoner Ausstellung wieder zwei völlig divergierende Meinungen vertreten. Während Suzanne Boorsch vermutet, das gesamte Œuvre sei nur unter der Aufsicht des Meisters entstanden (ebd., S. 56ff.), verzeichnet der von David Landau erstellte Katalog sieben eigenhändige Werke und vier Attributionen. Unter den letzten wird auch der »Abstieg in die Hölle« aufgeführt. Die Argumente für eine Zuschreibung des Stichs an Mantegna überwiegen. So weicht die Komposition nur in wenigen, aber doch wichtigen Details von der Vorzeichnung in der École des Beaux-Arts zu Paris ab, einem unbestrittenen Autograph (ebd., Nr. 66, Farbabb.). Veränderungen und Zusätze wären einem rein reproduzierenden Graveur nicht erlaubt gewesen. Gewichtiger als dies ist aber der unvollendete Zustand der Platte, die nur in den zentralen Partien und auch hier ohne feine Tonnuancen durchgearbeitet ist, welche ein Stecher zum Schluß hinzufügen würde. Ein solches Nonfinito war wohl kaum für den Markt gedacht. Es ist Resultat des künstlerischen Experiments. Dieser Neugier mag ebenfalls verdankt werden, daß das Berliner Blatt in brauner Farbe abgezogen ist, welche die koloristischen Effekte der Federzeichnung imitiert (ein gleichartiger Abzug in London; Hind [Catalogue of Early Italian Engraving, London] 1910,S. 347, Nr. 5a).Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 252-253, Kat. V.10 (mit weiterer Literatur)