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Kreuzabnahme Christi

Ident. Nr.: 3145

ObjID: obj:1363733

Details (Expert)

Datierung
Mitte 11. Jahrhundert
Material / Technik
Birnbaumholz
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 26,7 x 17,7 x 4,6 cm

Objektbeschreibung

In dem Bildfeld der rundbogig geschlossenen Tafel ist die Kreuzabnahme im Hochrelief dargestellt. Ein breiter, einfach profilierter Rahmen ist am Bogen leicht eingezogen und am Rand erhöht. Dieses Detail zeigt zusammen mit den Scharnierspuren, dass die Tafel das Mittelstück eines Triptychons war, dessen Flügel verloren sind. Die Kreuzbalken zeigen Astansätze – ein im 11. Jahrhundert wie im gesamten Mittelalter geläufiger Verweis auf den „arbor vitae“, den Lebensbaum, als Auferstehungs- und Erlösungssymbol. Die Assistenzfiguren sind gerade dabei, den Leib Christi abzunehmen; seine linke Hand wird im dargestellten Moment von dem über dem Balken platzierten Nikodemus (Kopf erneuert) gelöst, während die Rechte bereits von dem Nagel befreit, von der am linken Rand stehenden Maria ergriffen und an ihre Lippen geführt wird. Rechts neben der Muttergottes, zwischen ihr und dem Kreuz, steht Joseph von Arimathia, der den Corpus Christi entgegennimmt und mit beiden Händen an der Hüfte umfasst, den Blick intensiv nach oben gerichtet. Auf der rechten Seite stehen außen Johannes der Evangelist, der seine Hände im Schmerz ringt und das Buch kaum sichtbar unter dem linken Arm geklemmt hat, sowie direkt neben dem Kreuz ein Gehilfe, der mit einer großen Zange den Nagel aus dem linken Fuß Christi löst.
Als Darstellung auf der Mitteltafel eines Triptychons ist die Kreuzabnahme – anders als etwa die weit verbreitete Kreuzigung – in älteren Darstellungen unbekannt; selten ist auch die Anwesenheit des kleinen Gehilfen. Gleichwohl unüblich ist die Geste des Johannes, in Kreuzigungen zeigt er das Buch sonst deutlicher und hat die Rechte erhoben. Auf drei elfenbeinernen Buchdeckeln, die um 1050 vermutlich in Echternach entstanden sind, findet sich eine vergleichbare Geste, allerdings ohne den markanten Knick der Handgelenke. Der einzeln herabstürzende Engel kommt bei der Tafel aus Merzig wahrscheinlich zum ersten Mal in einer Kreuzabnahme vor.
Neben dem ungewöhnlichen Thema ist auch das Material für ein Triptychon im 11. Jahrhundert bemerkenswert. Die Tafel folgt sowohl in ihrer Gestalt mit halbrundem, eingezogenem Abschluss als auch hinsichtlich der Konstruktion der Flügelbefestigung sowie überhaupt ihrer Größe nach dem Vorbild byzantinischer Elfenbeine. Es liegt daher nahe, dass die Tafel auf ähnliche Weise benutzt wurde wie diese kostbaren Importe oder Produkte aus einem der abendländischen Elfenbeinzentren: als Altar zur privaten Frömmigkeit oder als Reisealtar. Warum der virtuose Schnitzer nicht in dem zweifellos in seiner Zeit auch zur Verfügung stehenden Elfenbein, sondern in Birnbaumholz gearbeitet hat, entzieht sich aufgrund der Einzigartigkeit des Falls unserer Kenntnis.
Über die bereits vorgeschlagene Datierung um oder kurz nach 1050 und die Lokalisierung an den Mittel- oder Niederrhein ist die Forschung nicht wesentlich hinaus gekommen. Andere Kleinkunstwerke aus Holz sind rar. Einig war man sich schon früh, dass zwar motivische und bedingt auch stilistische Ähnlichkeiten zu den 1065 datierten Reliefs an den Türflügeln in St. Maria im Kapitol in Köln, den in der Größe der einzelnen Bildfelder vielleicht am ehesten vergleichbaren Werken, bestehen. Allerdings tauchen die schlanken, sich frei bewegenden Figuren der Merziger Tafel und die exakte Komposition an keiner Darstellung der Kölner Tür auf. Die Merzinger Tafel muss deshalb nicht zwangsläufig später datiert werden als die Kölner Reliefs.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Letzte Aktualisierung: 02.04.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Der schlanke Körper des heiligen Bischofs ist stark durchgebogen, der linke Fuß vorgestellt und das Knie deutlich nach innen geknickt. Dieses bereits Mitte des 14. Jahrhunderts beliebte Standmotiv wird kombiniert mit einer ausladenden rechten Hüfte, über der in der eng anliegenden rechten Hand drei goldene Kugeln, eines der Hauptattribute des Nikolaus von Bari, liegen. In der linken Hand befand sich ehemals ein Bischofsstab, der vielleicht bereits bei der Erwerbung nicht mehr als Original, sondern (mittlerweile ebenfalls verlorene) spätere Ergänzung vorhanden war. Die Hand umfasst den Stab mit einem im Mittelalter zu dessen Schutz gebräuchlichen Schweißtuch (Sudarium). Hinter dem Stab ist der um den linken Unterarm bzw. das Handgelenk gelegte Manipel, ein Rangabzeichen der höheren Kleriker, zu erkennen. Dazu muss man die Figur allerdings aus der Schrägansicht betrachten. Auch die beiden Enden der Stola, die Nikolaus seinem bischöflichen Rang gemäß zwischen Albe und Kasel über beide Schultern gelegt hat, sind nur aus den beiden Halbprofilansichten erkennbar. Der Oberkörper wirkt sehr gelängt – ein Eindruck, der durch Reduktion der Falten an der Kasel auf drei flache, parallel verlaufende Schüsseln verstärkt wird. Im unteren Bereich des Gewandes setzen sich diese stets nach links ausgerichteten Schüsselfalten in etwas voluminöserer Form, doch in ähnlich weiten Abständen fort.Ein auffälliges Motiv ist die schräge Kopfhaltung. Heute scheint es, als würde Nikolaus nach oben schauen, doch war sein Blick ursprünglich geradeaus gerichtet. Die Neigung des Haupts dürfte somit lediglich kompositorisch (und nicht durch eine entsprechende Blickrichtung auch noch szenisch) auf eine zur Rechten des Bischofs befindliche Figur verwiesen haben, der er zugleich die Kugeln präsentierte. Die Geste erhält durch die kostbare Mitra einen zusätzlichen Akzent. Das Haupt ist sehr schlank und mit Abstand am sorgfältigsten ausgearbeitet. Der Bart ist am Kinn gekräuselt, die Wangen mit hoch sitzenden Knochen erscheinen fast glatt, die Unterlippe ist sinnlich geschwungen, die Oberlippe hingegen fast vom hier glatt verlaufenden Bart verdeckt, sodass der Mund verschattet wirkt. Tiefe Augenhöhlen und ein sehr dünner, scharf nach vorn tretender Nasenrücken verleihen dem Antlitz eine asketische Wirkung. Der untere Rand der ansonsten regulär gestalteten Mitra pretiosa besitzt eine ungewöhnliche, wohl als künstlerisches Missverständnis zu deutende Gestalt: Der breite Saum über der Stirn mit zentraler Metallapplikation geht an beiden Seiten in Höhe der Schläfen unvermittelt in den dichten, voluminösen Haarkranz über, der auch die Ohren größtenteils verdeckt. Logischerweise kann es sich dabei nur um sich nach oben kräuselnde Locken handeln, wogegen jedoch der gerade obere Haarabschluss spricht. Der Bildschnitzer der Berliner Nikolausfigur, für deren Provenienz jeder Hinweis fehlt, orientierte sich zweifellos an Prager Werken der Parlerzeit.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)