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Kreuz mit Szenen aus dem Leben Christi auf achtseitigem Stufensockel

Ident. Nr.: 793

ObjID: obj:1371908

Details (Expert)

Material / Technik
Buchsbaumholz
Abmessungen
Höhe: des Kreuzes 34,5 cm

Objektbeschreibung

Das Objekt besteht aus zwei Teilen, einem Sockel und dem eigentlichen Kreuz. Beide Teile sind kleinteilig und durchbrochen mit ornamentalen und figürlichen Schnitzereien versehen. Das Kreuz enthält in einzelnen gerahmten Feldern Szenen aus dem Leben Christi. Von oben nach unten und von links nach rechts fortlaufend sind dies auf der Frontseite die Verkündigung an Maria, der Tempelgang Marias, Christi Geburt und die Anbetung der Könige, die Predigt Johannes des Täufers und Taufe Christi, die Darstellung im Tempel und der Einzug in Jerusalem, an der rechten Schmalseite der lehrende Christus, die Flucht nach Ägypten, Christus im Tempel vor Frauen, die Auferweckung des Lazarus, auf der Rückseite die Verklärung auf dem Berg Tabor, die Annagelung ans Kreuz, die Kreuzigung, die Kreuzabnahme, die Beweinung, die Höllenfahrt, an der linken Schmalseite die Himmelfahrt, das Pfingstwunder, die Grablegung und die Szene des ungläubigen Thomas, schließlich auf den oberen Flächen der Kreuzarme und der Spitzer Halbfiguren des Petrus und Paulus sowie ein liegender Mann mit Lendenschurz und Schriftrolle. Die Randleisten und Querriegel sind mit fortlaufenden Ranken verziert. Zwischen Kreuz und Sockel vermittelt ein Blattkelch über einem Blattknoten. Der achteckige, gestufte Sockel zeigt in einer unteren Zone Blattranken zwischen Ornamentstäben. Es folgen drei Zonen mit Bildfeldern, die jeweils durch Halbmuscheln und Giebel bekrönt werden. Die Szenen am Sockel sind fortlaufend angeordnet und zeigen die Fußwaschung, die Austeilung von Brot und Wein (also das Abendmahl), die Bestechung des Judas (?), das Gebet Christi in Gethsemane, die sich nähernden Pharisäer und Soldaten, der Judaskuss, Christus vor den Hohepriestern, im unteren Register ist auf acht Szenen verteilt die mehrfache Vorführung Christi vor Pilatus und Herodes, die Geißelung, die heiligen Frauen und Apostel, die Verleugnung Christi durch Petrus, die Kreuztragung, die Kreuzaufrichtung, die schlafenden Grabwächter, die Frauen am leeren Grabe Christi mit einem bzw. zwei Engeln, Christus mit den heiligen Frauen. Auf dem obersten, schmalsten Absatz des Kreuzsockels sitzen die vier Evangelisten.
Ein Teil der Darstellungen wird durch lateinische bzw. missverstandene griechische Beischriften identifiziert, die Art der Darstellung folgt hingegen griechischen Vorbildern. Es wird deshalb vermutet, dass es sich um das Werk eines venezianischen Bildschnitzers nach einem ostkirchlichen Vorbild handelt.
Das Kreuz wird seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst.

Letzte Aktualisierung: 02.04.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Kruzifixus

Kruzifixus

Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Bildnis des Bischof Philipp von Freising

Bildnis des Bischof Philipp von Freising

Das markante Gesicht des Dargestellten ist im strengen Profil nach links wiedergeben, während der Oberkörper sich ein wenig zum Betrachter hinwendet, was eine leichte Bewegung suggeriert. Das Barett mit herabgeschlagener Krempe wie auch der Mantel mit pelzverbrämtem Kragen, der so genannten Schaube, zeigen an, dass hier eine vornehme Persönlichkeit porträtiert wurde, ist doch die beschriebene Tracht allein dem ersten Stand vorbehalten gewesen. Das Relief weist weder eine Inschrift noch ein Familienwappen auf, die die Identität des hier Dargestellten preisgibt. Das scharf gezogene Profil mit der leicht gebogenen Nase und dem runden Kinn lassen den Porträtierten nicht zuletzt auch aufgrund seiner halblangen, die Ohren bedeckenden Haare, leicht als den Bischof Philipp von Freising und Naumburg identifizieren, wie der Vergleich zu zahlreich gesicherten Porträts des Dargestelllten belegen. Neben Gemälden existieren von ihm auch weitere Bildnisreliefs, von denen das von Loy Hering (1484/85-nach 1554) in Solnhofener Stein gearbeitete (Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg) zu den prominentesten zählt. Das hier vorgestellte Brustbild Philipps ist hingegen für die Zeit von ungewöhnlicher Größe. Wie bereits festgestellt wurde, handelt es sich hier wohl um eine eigenhändige Wiederholung von Friedrich Hagenauers Medaille des Bischofs Philipp von Freising und Naumburgs. Durch die Übertragung vom ausgewogenen rund der Medaille in das hochrechteckige Format entstand ein ungewöhnlicher, weitaus steilerer Bildausschnitt. Es wird vermutet, dass Friedrich Hagenauer die Vergrößerung auf Wunsch des Auftraggebers ausführte. Der vorgesehene Bestimmungsort des Reliefs blieb bis heute unbekannt.Hans-Ulrich Kessler