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Schüssel

Ident. Nr.: 4863

ObjID: obj:1372996

Details (Expert)

Beteiligte
Datierung
14./15. Jahrhundert
Material / Technik
Keramik
Abmessungen
Durchmesser: Rand 15,7 cm
Erwerbung
Erworben 1907 aus der Sammlung Massonneau.

Objektbeschreibung

Vollständig erhalten; die Randlippe etwas angeschlagen. Verlust, heute in Russland.
Das in der Sgraffitotechnik flüchtig ausgeführte Motiv erstreckt sich über fast die gesamte Innenfläche. Es stellt einen nach links gerichteten Vogel dar, der auf langen, gekrümmten Beinen und gespreizten Krallen zu laufen scheint. Der Flügel liegt an, die fast bis zum steilen Wandungsansatz reichende Schwanzfeder ist gespalten. Wellenlinien und gekrümmte Linien deuten das Federkleid flüchtig an. Aufgrund der gedrungenen Gestalt und des schmalen Kopfes mit dem spitz zulaufenden, etwas geneigten Schnabel kann das Tier als Taube gedeutet werden. Große offene Dreiecke füllen die freien Flächen über dem Rücken und vor der Brust des Tieres. Am Übergang zur steil aufgestellten Wandung und unterhalb der Randlippe wird die Darstellung durch mehrere parallele Linien umkreist. Gelbbraunes und grünes Oxyd verteilen sich fleckig über die Schüsselinnenseite, wobei es an einigen Stellen die Dekoration farbig ausmalt. Über den Rand ziehen sich abwechselnd Streifen der beiden Oxydfarben. Die Randpartie der Außenseite
schmückt ein Zickzackband aus wechselständigen Dreiecken, das teilweise mit grünem Oxyd unterlegt ist.
Im Spiegel ist die abgebrochene Spitze eines Tripodenfüßchens erkennbar.
Aus Südrussland sind weitere Gefäße dieser Machart und Verzierung bekannt. Eine Schüssel aus dem Victoria and Albert Museum zeigt enge Verwandtschaft.
Lit.: Beate Böhlendorf-Arslan, Spätantike, byzantinische und postbyzantinische Keramik, mit einem Beitrag zur Geschichte der Sammlung von Gabriele Mietke, (Spätantike - frühes Christentum - Byzanz, Kunst im Ersten Jahrtausend, Reihe A: Grundlagen und Monumente, Band 3), Wiesbaden 2013, S. 550, Kat. 1335.

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Backsteinfragment mit ornamentalem Dekor

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Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

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Die Konsole hat eine kelchförmige Gestalt mit Blattornamenten und rechteckiger Deckplatte. Die Deckplatte zeigt jeweils fünf Seiten eines Achtecks und ist wohl dadurch zu erklären, dass sie an einer der beiden Wandzungen, an den rechtwinklig abknickenden Seiten des Portals gestanden haben wird. Der vegetabile Schmuck besteht aus einer Reihe von Blättern, die dem Kelch aufgelegt sind und zur eckigen Form der Deckplatte vermitteln. Dadurch wird die tektonische Strenge überspielt, ohne gegen die Konventionen des Aufbaus einer gotischen Konsole zu verstoßen.Die Kirche des in den 1030er-Jahren am linken Aaufer gegründeten Damenstifts Liebfrauen war von Beginn an zugleich Pfarrkirche der Bürger der Münsteraner Vorstadt Überwasser. Diese Doppelfunktion, die sich auch in der Finanzierung und Nutzung des 1340 begonnenen Neubaus spiegelt, dürfte für die Konzeption des Westportals von Bedeutung gewesen sein. Mit der Errichtung des Turms wurde, wie man aus einem Bauvertrag weiß, 1363/64 begonnen. 1374 ließ Fürstbischof Florenz von Wevelinghoven (amt. 1364–78) mehrere Reliquien in der rechten Schulter des Marienbildes am Portal einschließen und man hat zu Recht angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt das Portal mit seinem Figurenschmuck vollendet war, vielleicht auch schon bereits seit mehreren Jahren. Die Funktion der Konsolen ist die Vermittlung zwischen der streng geometrischen Architektursprache des kunstvollen Portalgebildes und der menschlichen Figur. Daher wurden auch die einzelnen Glieder (Halsring und Kelch) in fantasievolle pflanzliche Gebilde aufgelöst, deren wohl kalkulierter Verismus nicht auf effektvolle Überraschung abzielt, sondern der Wirkungs- und Bedeutungseinheit von Architektur und Skulptur dient.Die Konsolen des Westportals der Liebfrauenkirche passen gut in die Genese gotischer Laubwerkgestaltung, bei der um 1350 eine Tendenz zur stärkeren Bewegung und einem Verwischen der Grenzen zwischen Wand und Ornament festzustellen ist. Die Werkstatt hat, wie die geringere Qualität der späteren Konsolen in Münster zeigt, die Stadt wieder verlassen, möglicherweise, um in Utrecht zu arbeiten, wo sich am Dom um 1380 vergleichbare figürliche Darstellungen finden. Der Steinmetz hat sich eindeutig an der Bauornamentik des Kölner Doms orientiert, wie eine Durchsicht der dortigen Kapitelle im Chor und Langhaus zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)