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Fragmente von der Hals- und Schulterpartie einer Tunika

Ident. Nr.: 11403

ObjID: obj:1373964

Details (Expert)

Datierung
Datierung: 7.-9. Jahrhundert
Abmessungen
Höhe: 52 cm
Breite: 47,5 cm
Erwerbung
1968 vom Kunstgewerbemuseum überwiesen; 1886 von Theodor Graf erworben, angeblich aus dem Gräberfeld von Madinat al-Faijum

Objektbeschreibung

Das Fragment stammt aus der Hals- und Schulterpartie einer ungefärbten Leinentunika. Die Kette verläuft waagerecht zur Tunika. Die Halsöffnung ist kreisrund und geht auf der Schulter über in einen waagerechten, 5,5 cm langen Dehnungsschlitz zur Vergrößerung der Halsöffnung. Obwohl ein breiteres Stück der Schulterpartie erhalten ist, gibt es keine Hinweise darauf, ob die Tunika Ärmel besaß oder nicht.
Auf dem Vorder- und Rückenteil verlaufen Clavi, die auf der Schulter durch den Dehnungsschlitz unterbrochen werden. Nach Vergleichsstücken zu urteilen, waren wahrscheinlich beide Schultern mit einem Dehnungsschlitz ausgestattet. Der runde Halsausschnitt ist auf dem Vorder- und dem Rückenteil mit einer gebogenen Borte eingefasst. Die Borten des Vorder- und des Rückenteils brechen auf der Schulter zum Dehnungsschlitz um, begleiten die Schlitzkanten und laufen am Ansatz des Schlitzes zusammen. An dieser Stelle schließt ein oval-runder Schulterbesatz an.
Die Clavi und der oval-runde Besatz zeigen ein entsprechendes Muster in heller Zeichnung auf braunrotem Grund: Verschiedene Blatt- und Blütenstengel sind auf den Clavi senkrecht gereiht und auf dem Besatz radial um ein zentrales Kreisfeld angeordnet. In diesem zentralen Kreisfeld befinden sich vier radial ausgerichtete Blütenstengel mit grauoranger Blüte, die Blatt- und Blütenstengel in den Hauptachsen des oval-runden Besatzes sind untereinander durch Ranken mit hängenden Früchten verbunden, die Randzone der Clavi und des Besatzes besteht aus einem dreistufigen Winkelmotiv.
Die Halsborte zeigt auf schwarzblauem Grund ein rotbraunes Zickzackmuster: Die Zickzackbalken bestehen aus einer Linie mit zu beiden Seiten gereihten Punkten, in den Zwickeln des Zickzackbandes befindet sich jeweils ein gleiches Dreiecksmotiv bzw. eine halbe Raute, die in kleinere Rauten mit Punktfüllung unterteilt ist. Die Längsseiten der Borte sind rotbraun abgesetzt und mit abwechselnd einem hellen kreuzförmigen und einem Würfelfünf-Motiv gemustert, bei der unteren Borte ist ein Abschnitt dieser Randzonen ungemustert.

Literatur: C. Fluck, P. Linscheid, S. Merz, Textilien aus Ägypten. Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz. Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, Bestandskataloge, Band 1, Wiesbaden 2000, S. 44-45, Nr. 1 (Text Petra Linscheid)

Letzte Aktualisierung: 30.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Über einem knappen Schulterausschnitt erhebt sich der leicht nacht rechts gewendete Kopf des ca. 55-jährigen Barons Otto Hermann von Vietinghoff-Scheel. Er trägt unter dem Rock eine Weste mit einem darüber diagonal verlaufenden Ordensband, weiter ein über die Brust reichendes Halstuch, das so genannte Jabot, mit dem der vordere Ausschnitt der Weste verdeckt wird. Sein Haar ist nach der im 18. Jahrhundert in Mode gekommenen Zopftracht mit Seitenlocken frisiert, die dem wohlgenährten Gesicht eine natürliche Würde verleiht.Der 1722 in Riga geborene Baron von Vietinghoff gehörte dem deutschbaltischen Uradel an und zählte zu den bedeutendsten Persönlichkeiten Livlands. Neben seinen Aufgaben als livländischer Gouvernementsregierungsrat in Riga, später Geheimrat und Senator, sowie am Hof von St. Petersburg, wo er im Dienste Katharina der Großen stand, machte er sich vor allem durch sein kulturelles, der Aufklärung verpflichtetes Engagement einen Namen. Sein immenser Reichtum erlaubte es ihm, die Kirche in Marienburg errichten zu lassen und ein großes Haus zu führen, im dem er die "Gesellschaft der Muße" gründete und ein Liebhaber-Theater einrichtete, deren Direktor er lange Zeit war. Darüber hinaus unterhielt er ein Orchester mit hervorragenden Musikern. Seine breitgefächerte Bildung und Kunstkenntnisse wie auch seinen ausgeprägten, in verschiedenen zeitgenössischen Quellen gerühmten Geschmack erwarb er durch zahlreiche ausgedehnte Reisen durch Frankreich und Italien. Unter seinem Einfluß erlebte seine Heimatstadt Riga einen kulturellen Aufschwung.Auf einer seiner zahlreichen Reisen in die französische Hauptstadt suchte der Baron - vermutlich 1777 - auch die Werkstatt von Jean-Antoine Houdon auf, um sich von dem erst 36-Jährigen, aber schon im Zenit seines Ruhmes stehenden Billdhauer porträtieren zu lassen. Houdon, der sculpteur der französischen Aufklärung, hatte sich vor allem durch seine Büsten der philosophes, der Pariser Intellektuellen wie u. A. Denis Diderot (1771) hervorgetan.Die zunächst in Gips ausgeführte Büste des Baron von Vietinghoff wurde im Pariser Salon von 1777 - wohl nur kurze Zeit nach ihrer Entstehung - mit 25 weiteren Werken Houdons ausgestellt, wie das livret unter der Nr. 238 vermerkt: "Portrait de M. le Baron de Vietinghoff (buste platre)". Diese frühe Fassung, von der noch weitere, nicht datierte Gipsrepliken existieren, dürfte als Modell für das hier gezeigte Marmorporträt von 1791 gedient haben, den es zeigt zweifellos den Mittfünfziger und nicht den 69-Jährigen, am Ende seines Lebens stehenden Baron. Houdon erfaßte in diesem Porträt nicht nur den selbstbewußten Staatsmann, dessen energisches Durchsetzungsvermögen uns in der Profilansicht besonders hervortritt, sondern auch den aufmerksamen lebensbejahenden Menschen, charkterisiert durch die leicht geöffneten Lippen und vor allem seinen offenen Blick, der einen Eindruck von jener Aktivität vermitttelt, mit der er durch sein wohltätiges Handeln einen kulturellen Wandel in seiner Heimatstadt herbeiführte. Houdon hat mit dieser Büste den Ruhm und die Verdienste des Barons auf eindrucksvolle Weise der Nachwelt überliefert.Hans-Ulrich Kessler