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Fragmente von der Hals- und Schulterpartie einer Tunika

Ident. Nr.: 11403

ObjID: obj:1373964

Details (Expert)

Datierung
Datierung: 7.-9. Jahrhundert
Abmessungen
Höhe: 52 cm
Breite: 47,5 cm

Objektbeschreibung

Das Fragment stammt aus der Hals- und Schulterpartie einer ungefärbten Leinentunika. Die Kette verläuft waagerecht zur Tunika. Die Halsöffnung ist kreisrund und geht auf der Schulter über in einen waagerechten, 5,5 cm langen Dehnungsschlitz zur Vergrößerung der Halsöffnung. Obwohl ein breiteres Stück der Schulterpartie erhalten ist, gibt es keine Hinweise darauf, ob die Tunika Ärmel besaß oder nicht.
Auf dem Vorder- und Rückenteil verlaufen Clavi, die auf der Schulter durch den Dehnungsschlitz unterbrochen werden. Nach Vergleichsstücken zu urteilen, waren wahrscheinlich beide Schultern mit einem Dehnungsschlitz ausgestattet. Der runde Halsausschnitt ist auf dem Vorder- und dem Rückenteil mit einer gebogenen Borte eingefasst. Die Borten des Vorder- und des Rückenteils brechen auf der Schulter zum Dehnungsschlitz um, begleiten die Schlitzkanten und laufen am Ansatz des Schlitzes zusammen. An dieser Stelle schließt ein oval-runder Schulterbesatz an.
Die Clavi und der oval-runde Besatz zeigen ein entsprechendes Muster in heller Zeichnung auf braunrotem Grund: Verschiedene Blatt- und Blütenstengel sind auf den Clavi senkrecht gereiht und auf dem Besatz radial um ein zentrales Kreisfeld angeordnet. In diesem zentralen Kreisfeld befinden sich vier radial ausgerichtete Blütenstengel mit grauoranger Blüte, die Blatt- und Blütenstengel in den Hauptachsen des oval-runden Besatzes sind untereinander durch Ranken mit hängenden Früchten verbunden, die Randzone der Clavi und des Besatzes besteht aus einem dreistufigen Winkelmotiv.
Die Halsborte zeigt auf schwarzblauem Grund ein rotbraunes Zickzackmuster: Die Zickzackbalken bestehen aus einer Linie mit zu beiden Seiten gereihten Punkten, in den Zwickeln des Zickzackbandes befindet sich jeweils ein gleiches Dreiecksmotiv bzw. eine halbe Raute, die in kleinere Rauten mit Punktfüllung unterteilt ist. Die Längsseiten der Borte sind rotbraun abgesetzt und mit abwechselnd einem hellen kreuzförmigen und einem Würfelfünf-Motiv gemustert, bei der unteren Borte ist ein Abschnitt dieser Randzonen ungemustert.

Literatur: C. Fluck, P. Linscheid, S. Merz, Textilien aus Ägypten. Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz. Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, Bestandskataloge, Band 1, Wiesbaden 2000, S. 44-45, Nr. 1 (Text Petra Linscheid)

Letzte Aktualisierung: 30.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)