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Schrankenplatte, Fragment aus drei Teilen

Ident. Nr.: 2983

ObjID: obj:1374254

Details (Expert)

Beteiligte
Pollak, Ludwig (1868 - 1943),
Vermittler*in
Datierung
1. Hälfte 9. Jahrhundert
Geografische Bezüge
Material / Technik
Marmor
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 113 x 224 x 9 cm
Erwerbung
1906 als anonyme Schenkung erworben.

Objektbeschreibung

Die Reliefplatte war wahrscheinlich ursprünglich eine Brüstungsplatte einer Schrankenanlage. Sie zeigt deutliche Spuren einer Wiederverwendung. Der obere Teil des Reliefs wurde abgetrennt, wie an dem beschnittenen Kreisnetz und dem fehlenden Rahmen ersichtlich ist, und an allen vier Seiten wurde der Rand abgeschrägt.
Von der ursprünglichen Platte ist eine hohe glatte Sockezone erhalten. Darüber schließt ein reliefiertes Bildfeld an. Dieses wurde ursprünglich an allen vier Seiten von einem dreifach abgestuften Rahmen eingefasst. Ein Kreisnetz aus dreistreifigen Schlingbandranken überzieht fast das gesamte Relieffeldfeld. Erhalten sind zwei Reihen von je sechs Medaillons. Das Zentrum jedes Medaillons bildet ein kleiner Knopf, um den sich drei Dreiblattmotive winden, die aus den Schlingbandranken hervorwachsen. Die gesamte erhaltene Höhe innerhalb des Rahmens wird auf der rechten Seite von einer Palmette mit gegabeltem Stiel ausgefüllt.
Welches die zweite Verwendung war, ist nicht sicher zu sagen. Zwei rechteckige Einlassungen links in der Mitte und rechts unten könnten damit zusammenhängen, vielleicht handelt es sich um Klammerlöcher. Möglicherweise wurde die Platte mit der Reliefseite gegen eine Wand gesetzt, die glatte Rückseite diente dann als Wandverkleidung. Auf diese Weise wurden Werkstücke aus wertvollem Marmor recht häufig wiederverwendet und haben sich so, wenn auch oft verstümmelt, erhalten.

Letzte Aktualisierung: 06.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)