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Dornenkrönung Christi

Ident. Nr.: 3140

ObjID: obj:1379712

Details (Expert)

Datierung
um 1330/1340
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 63 x 45,5 x 14 cm
Gewicht: 7,5 kg
Erwerbung
Erworben 1908 gemeinsam mit zahlreichen Geschenken mehrerer anonymer „Gönner“.

Objektbeschreibung

Im Zentrum der fünffigurigen Gruppe sitzt Christus frontal auf einer Bank. Seine unbewegte, kraftlose Gesamthaltung, der nach unten gerichtete Blick und das Fehlen offensichtlicher Zeichen des Schmerzes drücken Passivität und Ergebenheit aus, die in einem scharfen Kontrast zu Haltung und Anspannung der Schergen stehen. Christus trägt ein Gewand und einen langen Mantel, der ihm zum Spott umgelegt worden ist. Die Schergen, die mit überkreuzten Stangen die Dornenkrone auf das Haupt des Herrn drücken, sind symmetrisch um Christus angeordnet. Das regelmäßige Grundschema mit den fünf vertikalen Figuren wird durch individuelle Haltung, Gestik und Kleidung der Folterknechte belebt, wobei eine Zunahme der Dynamik nach rechts offensichtlich ist, die in Hinblick auf die rhythmische Gesamtkomposition der Szenenabfolge erfolgt sein könnte.
Darstellungen der bei den Evangelisten Matthäus, Markus du Johannes im Anschluss an die Verhöre Christi geschilderten Dornenkrönung sind ein weitgehend spätmittelalterliches Phänomen. Vor der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts sind selbst in der Buchmalerei bildliche Umsetzungen des Themas rar und auch später fast immer – wie auch in unserem Fall – Teil eines Passionszyklus und nur selten autonom. Die zunächst noch enthaltenen Anspielungen auf die Herrschaft Christi treten zugunsten einer Betonung von Leid und Verspottung in den Hintergrund. Besonders im 15. Jahrhundert wird die Darstellung (ebenso wie die der Geißelung) meist für anekdotenhafte Schilderungen von verzerrten Gesichtern, entstellten Körpern und lächerlichen Haltungen der Schergen genutzt, vor denen die eigentliche Grausamkeit des Ereignisses etwas verblasst.
Das Relief gilt als Teil des „ältesten schwäbischen Schnitzaltars“ und ist mit anderen, meist nur fragmentiert erhaltenen Eichenholzreliefs verbunden worden, die im zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts am Bodensee, vielleicht in Konstanz entstanden sind und von wohl zwei Retabeln stammen. Eines dieser Reliefs, das Pfingstfest, befindet sich seit 1854 im Badischen Landesmuseum Karlsruhe und stammt laut Aussage des Vorbesitzers aus dem Zisterzienserkloster Salem und könnte zu einem Marienretabel auf dem Hochaltar der Zisterzienserkirche gehört haben. Die Berliner Dornenkrönung mag Teil des Passionsretabels auf dem Kreuzaltar der Salemer Kirche gewesen sein. Ebenso denkbar ist aber auch, dass es sich um Reste eines Lettnerschmucks handelt; Salem müsste dann nicht unbedingt fraglich werden, da derartig aufwendige Ausstattungen von Chorschranken durchaus auch aus Zisterzienserkirchen bekannt sind. Passionsszenen waren an Chorschranken durchaus verbreitet und konnten sich dort auf den in der Regel zentral nach Westen ausgerichteten Kreuzaltar beziehen.
Die Berliner Dornenkrönung ist auch seitlich sorgfältig ausgearbeitet und gefasst, die Füße des zweiten Schergen von links etwa werden erst aus der diagonalen Ansicht erkennbar. In einem Retabel wäre eine seitliche Ansicht des – um das Schließen des Schreines zu ermöglichen – in einer seitlich begrenzten Nische versenkten Reliefs eigentlich unmöglich. Zudem ist das Relief auf eine extreme Untersicht gearbeitet: bisher hat man es ausnahmslos frontal abgebildet, was in etwa dem Blick des Zelebranten auf das untere Register eines Retabels entsprechen dürfte. Aus dieser Position blickt man aber direkt in die unschönen Gesichter der Schergen, während das mit Abstand gelungenste Detail der Dornenkrönung, das Antlitz Christi, kaum zur Geltung kommt. Platziert man jedoch das Relief in einer Höhe von ca. 2,5 m, schaut man unmittelbar in das Gesicht des Gekrönten, ohne dass wichtige Details der oberen Zone verdeckt werden – was zweifellos der Intention des Bildschnitzers entsprach. Sowohl die schräge Ansicht als auch die hohe Platzierung wären bei der Anbringung an einer Chorschranke möglich, wo die Reliefs weiter vorkragen und höher angebracht werden konnten.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

weiterführende Literatur: H. Meurer, Frühe szenische Retabel in Schwaben, in: H. Krohm, K. Krüger und M. Weniger (Hg.), Entstehung und Frühgeschichte des Flügelaltarschreins, Berlin 2001, S. 213–230

Letzte Aktualisierung: 06.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Beweinung Christi (4 teilig)

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Die aus Einzelfiguren zusammengesetzte Figurengruppe zeigt die Beweinung Christi - ein Motiv, das in den Evangelien nicht erwähnt wird. Der vom Kreuz abgenommene Leichnam Christi lagert ausgestreckt mit halb aufgerichtetem Oberkörper über dem Schenkel der seitlich nach hinten sinkenden Maria. Sie ist in ein weites Kleid und in ein über ihr Haupt gezogenes Tuch gehüllt, Voll Schmerz ringt sie mit den von sich gestreckten Händen, ihre Augen sind fast geschlossen. In Ohnmacht fallend, wird sie von Johannes aufgefangen, der von rechts herantritt und die Komposition auf dieser Seite abschließt. Diese Dreiergruppe bildet von den Füßen Christi ausgehend bis zum Kopf des Lieblingsjüngers Jesu ein aufsteigendes Dreieck, das links von der knienden Maria Magdalena ausbalanciert wird. Die von Jesus bekehrte Sünderin benetzt mit ihren Tränen den Leib Christi und salbt diesen mit einem Tuch, das sie in ihrer erhobenen Linken hält.Die Dramatik des Geschehens wird nicht allein durch Gesten und Mimik veranschaulicht, sondern vor allem auch durch die Gewänder, die mit ihren bewegten Draperien die Seelenzustände der jeweiligen Personen widerzuspiegeln scheinen. Eingebettet ist darin der nackt lagernde Leichnam des Erlösers, dessen schwerer, lebloser Körper in einem fließenden S-Schwung dem Betrachter zugewandt ist. Hier greift der Bildschnitzer italienische Vorbilder des 16. Jahrhundert und frühen 17. Jahrhunderts auf, bei denen die Christusfigur in einer ähnlich aufsteigenden Torsion komponiert ist. Die für die private Andacht konzipierte Gruppe darf dem venezianischen Bildhauer Giovanni Giuliano oder einem seines engsten Umkreises angehörigen Mitarbeiters zugeschrieben werden. Giuliano ging bereits in jungen Jahren nach München, wo er in den 1680er-Jahren in der Werkstatt des Bildhauers Andreas Faistenberger tätig war. Anschließend zog er nach Wien. Die letzten 33 Jahre lebte er als Laienbruder im Stift Heiligenkreuz, wo er mit vielen Mitarbeitern zahlreiche Werke für das Stift schuf. In diese Zeit fällt auch die Gruppe der Beweinung Christi. Kennzeichnend sind für ihn Ensembles, bei denen sich die Einzelfigur als rhythmisch bewegte Silhouette der Harmonie des Ganzen einzufügen hat. Auffallend ist zugleich, dass die leicht fließende Kontur der Komposition immer an eine Fläche gebunden ist und somit nur eine bestimmte Ansicht zulässt.

Thronende Maria mit dem Kind

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Die schlanke Gestalt der Muttergottes sitzt auf einer mit flachem Kissen belegten Thronbank, der eine im Achteck gebrochene, hohe Plinthe vorgelegt ist. Marias überlängter Oberkörper ist leicht schräg nach links gebogen, parallel zur diagonal verschobenen Stellung der Knie. In der Rechten hielt sie vielleicht ursprünglich ein Zepter (aufgrund des Fehlens des originalen Unterarms unklar), mit der Linken umgreift sie die Hüfte des Kindes, dessen linker Fuß noch auf dem Sitzkissen steht, während es das rechte Bein nach vorn auf den Oberschenkel der Mutter gesetzt hat. Die Schrittstellung bewirkt eine leicht gekippte Haltung, besonders im linken Halbprofil, von wo aus das linke Standbein nicht zu sehen ist. Das Kind dürfte mit der Hand einst nach Marias Oberkörper gegriffen haben, wie es bei zahlreichen Figuren des Typs der Fall ist. In der Linken hält es einen (ergänzten) Vogel. Die beiden Köpfe (der des Kindes stark ergänzt) neigen sich leicht einander zu, Maria blickte das Kind an, wie der Verlauf der vorgeritzten Pupillen zeigt. Bekleidet ist sie mit langem Kleid und einem Mantel, der über dem rechten Arm gerafft, von dort quer über den Oberkörper gespannt und unter dem linken Arm eingeklemmt wird. Das über die linke Schulter fallende Ende dient dem Kind als Standfläche. Am Oberkörper bildet der Mantel zahlreiche Parallelfalten aus, die strahlenförmig auf das Kind zulaufen. Dieses Motiv ist innerhalb der großen Gruppe Kölner Madonnen dieses Typs einzigartig; üblicherweise fällt der Mantel in den Schoß Marias und gibt den Blick auf den Gürtel frei. Das Kind trägt ein langes Kleid. Maria trägt keinen Schleier, in den lockigen Haaren zeichnet sich noch die Auflage für den ehemals aufgesetzten Kronreif ab. Wie die rückseitige Ansicht zeigt, stand die Figur ursprünglich vor einem Rückbrett. Sie dürfte sich in einem Schrein auf einem Altar befunden haben, entweder als Einzelfigur oder in einem größeren Kontext.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Allegorie des Wahnsinns

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Die auf einem Segmentbogen lagernde Aktfigur eines kahlköpfigen, finster dreinblickenden Mannes scheint in einem Anfall von Wut mit weit geöffnetem Mund zu brüllen. Aufgrund seines unberechenbaren Temperaments sind die Hände an den Gelenken miteinander verkettet. Nicht nur der sanft geschwungene Giebel, auch die Komposition der darauf ausgestreckten Figur erinnert an Michelangelos lagernde, die Zeiten des Tages symbolisierende Gottheiten aus der Medici-Kapelle in San Lorenzo in Florenz. Insbesondere das Motiv des sich auf dem Unterarm stützenden Armes, der die Aufrichtung des Oberkörpers erlaubt, ist Michelangelos Figur des „Abends“ entlehnt.Das bei seiner Erwerbung 1908 zunächst noch Pietro Tacca (1577-1640) zugeschriebene Modell konnte inzwischen mit überzeugenden Argumenten dem dänischen und überwiegend in England tätigen Bildhauer Caius Gabriel Cibber zugewiesen werden. Die hier dargestelte Allegorie des Wahnsinns ist das Pendant zur Liegefigur der Melancholie, die der Bildhauer als Giebelfiguren für das Hauptportal des Royal Bethlem Hospitals in Moorfields schuf. Das 1247 in Bedlam, vor den Toren Londons gegründete Hospital war seit dem Ende des 14. Jahrhunderts ein Heim für Geisteskranke. Als die Stadt 1666 einem Brand weitgehend zum Opfer fiel, ließ man zwischen 1674 bis 1676 einen Neubau nach den Plänen des Architekten Robert Hooke (1635-1703) außerhalb der Stadt in Moorfields errichten, wofür Cibber schließlich die beiden lebensgroßen Liegefiguren in Stein schuf. Bei dem hier ausgestellten Werk handelt es sich um einen ersten künstlerischen Entwurf des Künstlers.

Bildnis Baron Otto Hermann Vietinghoff-Scheel

Bildnis Baron Otto Hermann Vietinghoff-Scheel

Über einem knappen Schulterausschnitt erhebt sich der leicht nacht rechts gewendete Kopf des ca. 55-jährigen Barons Otto Hermann von Vietinghoff-Scheel. Er trägt unter dem Rock eine Weste mit einem darüber diagonal verlaufenden Ordensband, weiter ein über die Brust reichendes Halstuch, das so genannte Jabot, mit dem der vordere Ausschnitt der Weste verdeckt wird. Sein Haar ist nach der im 18. Jahrhundert in Mode gekommenen Zopftracht mit Seitenlocken frisiert, die dem wohlgenährten Gesicht eine natürliche Würde verleiht.Der 1722 in Riga geborene Baron von Vietinghoff gehörte dem deutschbaltischen Uradel an und zählte zu den bedeutendsten Persönlichkeiten Livlands. Neben seinen Aufgaben als livländischer Gouvernementsregierungsrat in Riga, später Geheimrat und Senator, sowie am Hof von St. Petersburg, wo er im Dienste Katharina der Großen stand, machte er sich vor allem durch sein kulturelles, der Aufklärung verpflichtetes Engagement einen Namen. Sein immenser Reichtum erlaubte es ihm, die Kirche in Marienburg errichten zu lassen und ein großes Haus zu führen, im dem er die "Gesellschaft der Muße" gründete und ein Liebhaber-Theater einrichtete, deren Direktor er lange Zeit war. Darüber hinaus unterhielt er ein Orchester mit hervorragenden Musikern. Seine breitgefächerte Bildung und Kunstkenntnisse wie auch seinen ausgeprägten, in verschiedenen zeitgenössischen Quellen gerühmten Geschmack erwarb er durch zahlreiche ausgedehnte Reisen durch Frankreich und Italien. Unter seinem Einfluß erlebte seine Heimatstadt Riga einen kulturellen Aufschwung.Auf einer seiner zahlreichen Reisen in die französische Hauptstadt suchte der Baron - vermutlich 1777 - auch die Werkstatt von Jean-Antoine Houdon auf, um sich von dem erst 36-Jährigen, aber schon im Zenit seines Ruhmes stehenden Billdhauer porträtieren zu lassen. Houdon, der sculpteur der französischen Aufklärung, hatte sich vor allem durch seine Büsten der philosophes, der Pariser Intellektuellen wie u. A. Denis Diderot (1771) hervorgetan.Die zunächst in Gips ausgeführte Büste des Baron von Vietinghoff wurde im Pariser Salon von 1777 - wohl nur kurze Zeit nach ihrer Entstehung - mit 25 weiteren Werken Houdons ausgestellt, wie das livret unter der Nr. 238 vermerkt: "Portrait de M. le Baron de Vietinghoff (buste platre)". Diese frühe Fassung, von der noch weitere, nicht datierte Gipsrepliken existieren, dürfte als Modell für das hier gezeigte Marmorporträt von 1791 gedient haben, den es zeigt zweifellos den Mittfünfziger und nicht den 69-Jährigen, am Ende seines Lebens stehenden Baron. Houdon erfaßte in diesem Porträt nicht nur den selbstbewußten Staatsmann, dessen energisches Durchsetzungsvermögen uns in der Profilansicht besonders hervortritt, sondern auch den aufmerksamen lebensbejahenden Menschen, charkterisiert durch die leicht geöffneten Lippen und vor allem seinen offenen Blick, der einen Eindruck von jener Aktivität vermitttelt, mit der er durch sein wohltätiges Handeln einen kulturellen Wandel in seiner Heimatstadt herbeiführte. Houdon hat mit dieser Büste den Ruhm und die Verdienste des Barons auf eindrucksvolle Weise der Nachwelt überliefert.Hans-Ulrich Kessler