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Dornenkrönung Christi

Ident. Nr.: 3140

ObjID: obj:1379712

Details (Expert)

Datierung
um 1330/1340
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 63 x 45,5 x 14 cm
Gewicht: 7,5 kg

Objektbeschreibung

Im Zentrum der fünffigurigen Gruppe sitzt Christus frontal auf einer Bank. Seine unbewegte, kraftlose Gesamthaltung, der nach unten gerichtete Blick und das Fehlen offensichtlicher Zeichen des Schmerzes drücken Passivität und Ergebenheit aus, die in einem scharfen Kontrast zu Haltung und Anspannung der Schergen stehen. Christus trägt ein Gewand und einen langen Mantel, der ihm zum Spott umgelegt worden ist. Die Schergen, die mit überkreuzten Stangen die Dornenkrone auf das Haupt des Herrn drücken, sind symmetrisch um Christus angeordnet. Das regelmäßige Grundschema mit den fünf vertikalen Figuren wird durch individuelle Haltung, Gestik und Kleidung der Folterknechte belebt, wobei eine Zunahme der Dynamik nach rechts offensichtlich ist, die in Hinblick auf die rhythmische Gesamtkomposition der Szenenabfolge erfolgt sein könnte.
Darstellungen der bei den Evangelisten Matthäus, Markus du Johannes im Anschluss an die Verhöre Christi geschilderten Dornenkrönung sind ein weitgehend spätmittelalterliches Phänomen. Vor der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts sind selbst in der Buchmalerei bildliche Umsetzungen des Themas rar und auch später fast immer – wie auch in unserem Fall – Teil eines Passionszyklus und nur selten autonom. Die zunächst noch enthaltenen Anspielungen auf die Herrschaft Christi treten zugunsten einer Betonung von Leid und Verspottung in den Hintergrund. Besonders im 15. Jahrhundert wird die Darstellung (ebenso wie die der Geißelung) meist für anekdotenhafte Schilderungen von verzerrten Gesichtern, entstellten Körpern und lächerlichen Haltungen der Schergen genutzt, vor denen die eigentliche Grausamkeit des Ereignisses etwas verblasst.
Das Relief gilt als Teil des „ältesten schwäbischen Schnitzaltars“ und ist mit anderen, meist nur fragmentiert erhaltenen Eichenholzreliefs verbunden worden, die im zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts am Bodensee, vielleicht in Konstanz entstanden sind und von wohl zwei Retabeln stammen. Eines dieser Reliefs, das Pfingstfest, befindet sich seit 1854 im Badischen Landesmuseum Karlsruhe und stammt laut Aussage des Vorbesitzers aus dem Zisterzienserkloster Salem und könnte zu einem Marienretabel auf dem Hochaltar der Zisterzienserkirche gehört haben. Die Berliner Dornenkrönung mag Teil des Passionsretabels auf dem Kreuzaltar der Salemer Kirche gewesen sein. Ebenso denkbar ist aber auch, dass es sich um Reste eines Lettnerschmucks handelt; Salem müsste dann nicht unbedingt fraglich werden, da derartig aufwendige Ausstattungen von Chorschranken durchaus auch aus Zisterzienserkirchen bekannt sind. Passionsszenen waren an Chorschranken durchaus verbreitet und konnten sich dort auf den in der Regel zentral nach Westen ausgerichteten Kreuzaltar beziehen.
Die Berliner Dornenkrönung ist auch seitlich sorgfältig ausgearbeitet und gefasst, die Füße des zweiten Schergen von links etwa werden erst aus der diagonalen Ansicht erkennbar. In einem Retabel wäre eine seitliche Ansicht des – um das Schließen des Schreines zu ermöglichen – in einer seitlich begrenzten Nische versenkten Reliefs eigentlich unmöglich. Zudem ist das Relief auf eine extreme Untersicht gearbeitet: bisher hat man es ausnahmslos frontal abgebildet, was in etwa dem Blick des Zelebranten auf das untere Register eines Retabels entsprechen dürfte. Aus dieser Position blickt man aber direkt in die unschönen Gesichter der Schergen, während das mit Abstand gelungenste Detail der Dornenkrönung, das Antlitz Christi, kaum zur Geltung kommt. Platziert man jedoch das Relief in einer Höhe von ca. 2,5 m, schaut man unmittelbar in das Gesicht des Gekrönten, ohne dass wichtige Details der oberen Zone verdeckt werden – was zweifellos der Intention des Bildschnitzers entsprach. Sowohl die schräge Ansicht als auch die hohe Platzierung wären bei der Anbringung an einer Chorschranke möglich, wo die Reliefs weiter vorkragen und höher angebracht werden konnten.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

weiterführende Literatur: H. Meurer, Frühe szenische Retabel in Schwaben, in: H. Krohm, K. Krüger und M. Weniger (Hg.), Entstehung und Frühgeschichte des Flügelaltarschreins, Berlin 2001, S. 213–230

Letzte Aktualisierung: 06.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Kruzifixus

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Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Bildnis des Bischof Philipp von Freising

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Das markante Gesicht des Dargestellten ist im strengen Profil nach links wiedergeben, während der Oberkörper sich ein wenig zum Betrachter hinwendet, was eine leichte Bewegung suggeriert. Das Barett mit herabgeschlagener Krempe wie auch der Mantel mit pelzverbrämtem Kragen, der so genannten Schaube, zeigen an, dass hier eine vornehme Persönlichkeit porträtiert wurde, ist doch die beschriebene Tracht allein dem ersten Stand vorbehalten gewesen. Das Relief weist weder eine Inschrift noch ein Familienwappen auf, die die Identität des hier Dargestellten preisgibt. Das scharf gezogene Profil mit der leicht gebogenen Nase und dem runden Kinn lassen den Porträtierten nicht zuletzt auch aufgrund seiner halblangen, die Ohren bedeckenden Haare, leicht als den Bischof Philipp von Freising und Naumburg identifizieren, wie der Vergleich zu zahlreich gesicherten Porträts des Dargestelllten belegen. Neben Gemälden existieren von ihm auch weitere Bildnisreliefs, von denen das von Loy Hering (1484/85-nach 1554) in Solnhofener Stein gearbeitete (Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg) zu den prominentesten zählt. Das hier vorgestellte Brustbild Philipps ist hingegen für die Zeit von ungewöhnlicher Größe. Wie bereits festgestellt wurde, handelt es sich hier wohl um eine eigenhändige Wiederholung von Friedrich Hagenauers Medaille des Bischofs Philipp von Freising und Naumburgs. Durch die Übertragung vom ausgewogenen rund der Medaille in das hochrechteckige Format entstand ein ungewöhnlicher, weitaus steilerer Bildausschnitt. Es wird vermutet, dass Friedrich Hagenauer die Vergrößerung auf Wunsch des Auftraggebers ausführte. Der vorgesehene Bestimmungsort des Reliefs blieb bis heute unbekannt.Hans-Ulrich Kessler