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Pogrom (Skizze)

Ident. Nr.: A IV 176

ObjID: obj:1386577

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Horst Strempel (1904 - 1975),
Künstler*in
Datierung
nach 1945
Weitere Titel
Sammlungstitel: Pogrom (Skizze)
Übersetzung: Pogrom (sketch)
Material / Technik
Öl auf Pappe
Abmessungen
Höhe x Breite: 60 x 49 cm
Erwerbung
1967 Überweisung des Ministeriums für Kultur der DDR

Objektbeschreibung

Mit der vorliegenden Skizze hat Strempel die brutale Zäsur der Novemberpogrome 1938 in Deutschland thematisiert. In jenem Moment brach sich der Antisemitismus entfesselt Bahn, was schließlich in den Holocaust mündete. Wie in dem Triptychon „Nacht über Deutschland“ (A III 257) hat der Künstler die direkte Konfrontation mit dem Terror der Nazis gegen Juden gesucht und verdeutlicht, dass hier weit mehr zerstört wurde als Glasscheiben und Kronleuchter. Um ihr Leben bangend verstecken sich vorn im Bild drei Personen. Im Hintergrund brennen Häuser und Synagogen. Auf der Straße dazwischen liegen leblose Körper. Strempel verzichtete darauf, Statur und Gesichter der Verfolgten auszuarbeiten. Zwei von ihnen scheinen gar als mausartige Wesen dargestellt zu sein. Die Täter sind nicht zu sehen und doch allgegenwärtig. Das Museum der verlorenen Generation in Salzburg verfügt über eine zweite, 1946 entstandene Fassung des Motivs, die sich auf die drei Figuren konzentriert und sie detaillierter zeigt, während der Bildhintergrund abstrakt bleibt. „Pogrom“ entstand in etwa parallel zu „Nacht über Deutschland“ und war möglicherweise als eigenständiger Zyklus geplant. | Sven Haase

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Glanz und Elend der Reformen

Glanz und Elend der Reformen

Klapheck wollte, dass seine Bilder als ein Epos gelesen werden, dessen Hauptfiguren „nicht vom Menschen, sondern von seinen wichtigsten Gebrauchsgegenständen verkörpert werden“ (Klapheck, in: Konrad Klapheck, Ausst.-Kat. Hannover, Kestner-Gesellschaft, 1966, S. 21). Zu den Protagonisten dieser epischen Welt zählte er Schreibmaschinen, Nähmaschinen, Schuhleisten und Taschenmesser, Telefone, Bügeleisen und Rollschuhe. Dinge dieser Art, auf deren Präsentation in Werbung er besondern achtete, verband er in seiner Bildfindung mit wegweisenden Werken der Kunstgeschichte von der Romantik bis zum Surrealismus sowie mit zeitgeschichtlichen Fotografien. Das Werk „Glanz und Elend der Reformen“ zeigt eine hochstilisierte, schlicht konstruierte Planierraupe, deren Vorbild möglicherweise ein Spielzeug war. Die Maschine füllt das Bild ganz aus und ist aus der Froschperspektive dargestellt, wodurch sie imposant, ja beinahe monströs wirkt. Alles, was ihr im Wege steht, macht sie ordentlich und einheitlich, jedoch zugleich kompromisslos platt. Vor dem Hintergrund der weitreichenden Reformen, die in den frühen 1970er-Jahren von der sozialliberalen Koalition unter Bundeskanzler Willy Brandt in der Bundesrepublik angestoßen wurden, entfaltet das Bild eine starke Ambivalenz. Es spiegelt die Skepsis gegenüber den Auswirkungen gesellschaftlicher und politischer Veränderungen wider, wo der politische Apparat an den komplexen Bedürfnissen und Zwängen der Nachkriegsgesellschaft vorbeizuarbeiten schien. | Catherine Nichols

Liebespaar

Liebespaar

Mit provokant offener Bluse, kurzem Kleid und einem demonstrativen, den Betrachter:innen zugewandten Blick malte Grundig seine Freundin Gerda Laube, wie sie mit ihm auf den Elbwiesen liegt. Dabei gab er sich und seine Partnerin weniger als Individuen wieder, sondern vielmehr als Vertreter einer Klasse: des Proletariats. Die Derbheit der nahezu bildfüllenden neusachlich-veristischen Darstellung des Paares konterkarierte er mit den sorgfältig, geradezu in altermeisterlich-volkstümlicher Genauigkeit gemalten Blumen und Gräsern. Es war genau diese Kombination, die der Dresdner Kritiker Will Grohmann 1925 an dem Bild lobte: „Von Grundig sind Gemälde da, deren Farben- und Formenklang auf die Möglichkeit einer Durchdrigung veristischer mit romantischen, rousseauhaften Elementen hinweist“ (Will Grohmann, Dresdner Ausstellungen, in: Der Cicerone, 17. Jg., H. 18 [1925], S. 913 f.). Grohmann hatte das „Liebespaar“ auf einer der letzten regelmäßigen Ausstellungen der Dresdner Sezession gesehen, der auch Grundig für kurze Zeit angehörte. Der Künstler hatte das großformatige Bild während seiner Studienzeit an der Dresdner Kunstakademie (1922–1927) gemalt, wo er um 1922 in Kontakt mit Otto Dix gekommen war, dessen veristisch-sozialkritischer Stil ihn stark beeinflusste. Das Gemälde gehört zu einem Konvolut von Arbeiten Grundigs, das in den 1960er-Jahren teilweise aus Mitteln des Kulturfonds der DDR für die Nationalgalerie (Ost) finanziert wurde. Die Ankäufe zeigen die zunehmende Akzeptanz der sogenannten proletarisch-revolutionären Kunst der Vorkriegszeit in der DDR. | Maike Steinkamp

O Deutschland, bleiche Mutter (Entwurf II)

O Deutschland, bleiche Mutter (Entwurf II)

1933 schrieb Bertolt Brecht im Exil das Gedicht „Deutschland“: „Mögen andere von ihrer Schande sprechen / ich spreche von der meinen. / O Deutschland, bleiche Mutter! / Wie sitzest du besudelt / Unter den Völkern. / Unter den Befleckten / Fällst du auf. […] O Deutschland, bleiche Mutter! / Wie haben deine Söhne dich zugerichtet / Daß du unter den Völkern sitzest / Ein Gespött oder eine Furcht!“ Dieses Gedicht nahm Cremer zum Ausgangspunkt seines Denkmals für das Konzentrationslager Mauthausen in Oberösterreich, mit dem er 1960 beauftragt wurde. In Mauthausen hatten verschiedene Länder bereits Denkmale aufgestellt, sodass auch jenes von Cremer für die Opfer eines Landes steht. Hier wird Deutschland durch eine Mutterfigur verkörpert, die – wie im Brecht-Gedicht – zugleich Opfer und Täterin ist. Ihr Oberkörper ist von einem rau gearbeiteten Umhang eingeengt, die Augen sind geschlossen. Sie trägt eine Verletzung auf der Stirn, die der Kunsthistoriker Gerd Brüne als Kainsmal identifiziert, Symbol der Schuld des Brudermörders im alttestamentlichen Buch Genesis (Gerd Brüne, Pathos und Sozialismus, Weimar 2005, S. 236–238). Auch wenn diese komplexe Figur ursprünglich für den Kontext einer KZ-Gedenkstätte konzipiert wurde, sprach nichts dagegen, sie auch für Museen zu erwerben. Der zweite Entwurf, nur 73 cm groß, kam 1967 in die Sammlung der Nationalgalerie (B III 36), ein 230 cm hoher Guss der Figur im Jahr 1980 (B III 200); auch weitere Museen erwarben Güsse. Von 1987 bis 1991 stand die monumentale Fassung von „O Deutschland, bleiche Mutter“ im damals gepflasterten Lustgarten vor dem Alten Museum auf der Museumsinsel. Nach dem Tod Cremers wurde sie vor der Alten Nationalgalerie aufgestellt, später auf der Rasenfläche zwischen der Alten Nationalgalerie und dem Berliner Dom. | Emily Joyce Evans

Schreitende I

Schreitende I

Kaspers Hauptthema war die ruhig stehende Frauenfigur. Dabei sollten die Plastiken „keinerlei persönliche Gefühle“ oder seelischen Ausdruckswillen zeigen, wie Werner Haftmann in seiner Monografie über den Künstler schrieb (Werner Haftmann, Der Bildhauer Ludwig Kasper, Frankfurt am Main u. a. 1978, S. 13, Anm. 15). Ab 1936 entstanden fünf lebensgroße Frauengestalten, unter ihnen zwei Versionen der Schreitenden. Die „Schreitende I“ schuf der Künstler noch vor seinem halbjährigen Griechenland-Aufenthalt 1936/1937. Ihre „archaische“ Wirkung, die an griechische Koren erinnert, beruht also nicht auf Eindrücken von dort, sondern entsprach Kaspers Formenstil, wie er ihn seit 1931 ausgebildet hatte. Schon in dieser Zeit war der Rückgriff auf die Skulptur der Antike und insbesondere die der Etrusker, deren Archaik und formale Strenge, ihre sparsame Gestik und ihren weitgehenden Verzicht auf jeglichen anekdotischen Zierrat, ein Charakteristikum von Kaspers Kunst. In seinen Skulpturen interessierte er sich nicht für das Individuelle, sondern für das Typische. Trotz der in ihnen angelegten Überzeitlichkeit und klassischen Skulpturauffassung, die seine Werke auch im Kontext der NS-Plastik interessant machten, ist es kein heroisches Menschenbild, das Kasper vertritt. In der Nationalgalerie befinden sich sowohl eine Bronzefassung (B III 38 b) als auch zwei Exemplare aus Stukko und Marmorzement (B III 38 a und ohne Inv.-Nr.). Eine der beiden Stukkofassungen (B III 38 a) wurde zusammen mit der „Stehenden I“ (B III 134 a) nach 1945 aus dem zerstörten Haus der Ateliergemeinschaft Klosterstraße in Berlin geborgen und im November 1949 vom Amt für Rückführungen und Museen der Nationalgalerie zur Verwahrung übergeben (Kurt Reutti, Liste der Bergungen, Typoskript, Berlin 1947–1951, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, VI, HA, NL Reutti). 1971 konnte davon mit Erlaubnis der Witwe des Künstlers, Ottilie Kasper, ein Bronzeguss angefertigt werden. | Maike Steinkamp

Bildnis Fräulein Lechner

Bildnis Fräulein Lechner

Nach dem Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig war Stelzmann ab 1968 zunächst einige Jahre freischaffend tätig. In dieser Zeit porträtierte er die uns bis auf ihren Nachnamen unbekannte Frau Lechner formatfüllend im Hüftbildnis. Die mittlerweile obsolete Bezeichnung „Fräulein“ verweist darauf, dass die Porträtierte unverheiratet war. Ihr rotbraunes Haar trägt sie in einem modischen Bob, ihre markanten Gesichtszüge wirken überzeichnet. Sie richtet den Blick auf etwas jenseits des Bildes und verschränkt die Arme, wobei sie in der linken Hand eine Zigarette hält und mit der rechten zu schnipsen scheint. Hört Frau Lechner Musik? In der sich im Hintergrund erstreckenden Stadt sind zwei Schornsteine zu erkennen, die dunklen Qualm ausstoßen – entsprechend dem Alternativtitel des Gemäldes, „Bildnis Fräulein Lechner mit sächsischer Industriestadt“. Der Gebirgszug in der Ferne verortet die Szene im (Süd-)Osten Sachsens. Verschiedentlich verortete Stelzmann Bildnisse in einer urbanen Umgebung, die an Milieuporträts der Neuen Sachlichkeit erinnern, beispielsweise ein Selbstporträt von 1967 und ein Gemälde aus dem darauffolgenden Jahr, das seine Frau Christine zeigt (WVZ Behrends 2 u. 3, in: Volker Stelzmann. 1967–1985. Werkverzeichnis der Gemälde und Grafik, Ausst.-Kat. Oberhausen, Berlin, Frankfurt am Main, 1985). Das reduzierte, triste Farbspektrum im „Bildnis Fräulein Lechner“ suggeriert eine gewisse Eintönigkeit. Insgesamt strahlt das Werk die Nüchternheit des Alltags mit seinen Pflichten und kleinen Freuden aus. Das in der DDR von staatlicher Seite an die Kunstschaffenden herangetragene Optimismusgebot verlor in den 1970er-Jahren zunehmend an Bedeutung und findet auch in Stelzmanns Œuvre keinen Ausdruck. | Sophie Thorak

Invasion

Invasion

Vor seiner Hinwendung zur Bildhauerei hatte der als Arno Walter Beckmann geborene Künstler Malerei studiert. Nach einem Semester an der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee war er 1948 an die Hochschule für Bildende Künste in Berlin-Schöneberg gegangen. Als Meisterschüler von Georg Tappert absolvierte er dort 1951 die Prüfung für das künstlerische Lehramt an höheren Schulen, wurde aber anschließend Meisterschüler von Karl Hofer. Letzterer hatte im Juni 1949 die Berliner Neue Gruppe mitbegründet, an deren Ausstellungen Arno in den Jahren 1953–1958 regelmäßig teilnahm. In seinen Gemälden folgte Arno nicht dem Stil seines jeweiligen Lehrers, sondern er setzte sich mit surrealistischer und ungegenständlicher Kunst auseinander. Heinz Trökes und Max Ernst waren für ihn Hauptquellen der Inspiration. Bei „Invasion“ griff Arno die Art auf, in der Trökes in Bildern wie „Flug der Steinvögel“ oder „Trabanten“ (1946 und 1948; beide in Privatbesitz) isolierte Formen über undefiniert wolkige Bildgründe ziehen ließ. Arno dynamisierte das Geschehen, indem er die in grauen Schlieren bemalte Leinwand um 45 Grad gedreht auf die Spitze stellte und die stark farbigen, vertikal angeordneten Formen dadurch mit der Assoziation des Hinabstürzens auflud. Erinnerungen an Fallschirmspringer und Bombenabwürfe im Luftkrieg mögen hier eingeflossen sein. Eine schlanke Form links in Blau und Lila lässt an eine Feile oder einen Meißel denken. | Dieter Scholz