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Porträt eines Mädchens in Halbfigur

Ident. Nr.: KdZ 1366

ObjID: obj:1394745

Details (Expert)

Beteiligte
zugeschrieben: Meister der Ursula-Legende (vor 1480),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: um 1470
Provenienz
Barthold Suermondt (1818-1887),
bis 1874
Abmessungen
Blattmaß: 12,8 x 10,5 cm
Erwerbung
1874 von Barthold Suermondt, Aachen, erworben

Objektbeschreibung

Die kantigen Wangenknochen, das große, knorpelige Ohr und die lange Nase verleihen dem Antlitz des Mädchens ein wenig herbe Züge, aber doch ist der Körper eher zerbrechlich gebildet, und die großen Augen blicken ernst und schwer. Kleid und Kopfbedeckung sind typisch für die Zeit um 1450-70, man findet sie auch auf flä-mischen Gemälden jener Jahre.
Altniederländische Zeichnungen des 15. Jahrhunderts lassen sich nur in sehr wenigen Fällen bestimmten Künstlern zuschreiben, Jan van Eycks prachtvolles Porträt des Kardinal Albergati im Dresdner Kupferstich-Kabinett ist eine der seltenen Ausnahmen. Originalstudien werden von Nachzeichnungen nicht immer scharf genug getrennt, aber man darf nicht vergessen, daß es allgemein üblich war, sich in der Art von Musterbüchern einen Vorrat an Kompositionen und Einzelfiguren zuzulegen. Auch diese Blätter sind also als Originalarbeiten, häufig aus dem engeren Werkstattbereich, einzustufen. Die Berliner Porträtzeichnung dürfte nach dem Modell entstanden sein, ist demnach ein Originalentwurf, vielleicht für ein Gemälde, und ihre hohe Qualität spricht für einen bedeutenden Meister. Als Autor galt seit ihrer Erwerbung Hugo van der Goes, der Genter Maler von Altarstücken und Bildnissen. Der Gesichtsausdruck des Mädchens findet Entsprechungen in seinem Werk. Auch wenn die Zuschreibung aufgrund der Forschungslage nicht völlig gesichert ist, so wird man den Zeichner im unmittelbaren Umkreis des Hugo van der
Goes suchen müssen.

Text: Holm Bevers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 170f., Kat. IV.3 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 25.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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Jan Gossaert, seinerzeit berühmt und hoch geschätzt, war bei verschiedenen Fürsten als Hofmaler tätig und gilt als der Begründer des neuen romanistischen Stils in den Niederlanden. 1508-09 reiste er in Begleitung Philipps von Burgund, eines humanistisch gelehrten Fürsten, nach Rom, wo er im Auftrag seines Mäzens nach antiken Monumenten zeichnete. Zu einem nicht erhaltenen römischen Skizzenbuch dürfte die Berliner Ansicht des Kolosseums gehört haben. Das sogenannte Kolosseum, ein um 80 n. Chr. errichtetes Amphitheater – bis zum heutigen Tag ein Wahrzeichen Roms −, ist von Westen her gesehen. Der Zeichner stand dicht am Bauwerk, sodass er nur wenige Achsen wiedergab. Der Baubefund, wie er sich in jenen Jahren darstellte, ist mit der feinen, spitzen Feder minuziös erfasst: die einzelnen Mauerringe und ihre Abbrüche, die Säulenordnungen und die aus dem Mauerwerk hervorwachsenden Bäume. Gossaert war wie alle nordischen Künstler vor und nach ihm von dem ruinösen Zustand des antiken Monumentes, das die Zeit überdauert hatte, fasziniert. Doch er sah das Bauwerk mit den am spätgotischen Stil geschulten Augen des Nordländers: Es gelang ihm nicht so recht, seine wahre Monumentalität zu erfassen. Text: Holm Bevers, in: Wir suchen das Weite. Reisebilder von Albrecht Dürer bis Olafur Eliasson im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Ina Dinter, Berlin 2016, S. 72Jan Gossaert, famous and highly valued already during his lifetime, worked as a court painter for several princes and was considered the founder of the new Roman-influenced style of painting in the Netherlands. In 1508 and 1509, he traveled to Rome in the entourage with the humanistically trained Philip of Burgundy to Rome. There he was commissioned by his patron to draw the ancient monuments. The Berlin view of the Colloseum is most likely from this no longer extant Roman sketchbook. The so-called Colosseum, an amphitheater built in 80 AD that remains a trademark of the city today, is depicted from the West. The draftsman is close to the structure, so that he only presents a few of the axes. The state of the structure in the years of its depiction is captured with the fine, sharp pen meticulously: the individual rings of the wall and the ruined arches, the lines of columns and the trees emerging from the brickwork. Gossaert, like all Northern artists, was interested especially in the ruinous state of the Ancient objects that had lasted through the ages. But he also saw the structure with the eyes of a northerner, schooled in the late Gothic style. He was not quite able to do justice to its true monumentality. Text: Holm Bevers, in: We’re off then. Travel Pictures from Albrecht Dürer to Olafur Eliasson in the Kupferstichkabinett, published by Hein-Th. Schulze Altcappenberg and Ina Dinter, Berlin 2016, p. 72