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Johannes von Tepl: Ackermann von Böhmen (Bamberg, bei Albrecht Pfister)

Ident. Nr.: Sign. 2616

ObjID: obj:1397129

Details (Expert)

Beteiligte
Albrecht Pfister (um 1460),
Drucker*in
Meister von Tepl (um 1440),
Autor*in
Datierung
Herstellung: um 1463
Weitere Titel
Sammlungstitel: Johannes von Tepl: Ackermann von Böhmen (Bamberg, bei Albrecht Pfister)
Der Ackermann aus Böhmen;
Abmessungen
Höhe x Breite: 30 x 19,5 cm
Buchformat: 2°

Objektbeschreibung

Etwa zehn Jahre nach der Erfindung des Buchdruckes durch Johannes Gutenberg in Mainz erschienen 1462/63 bei dem Bamberger Drucker Albrecht Pfister die ältesten mit beweglichen Lettern gedruckten Bücher, die mit Holzschnittillustrationen ausgestattet waren: Ulrich Boners Fabelsammlung »Edelstein« und »Der Ackermann aus Böhmen« des Johannes von Tepl. Während beim »Edelstein« Text und Illustrationen auf ein und derselben Seite vereinigt sind, stehen beim »Ackermann« die fünf Holzschnitte den Textseiten gegenüber, auf deren Satzspiegel sie hinsichtlich ihres Formates engen Bezug nehmen. Auch mit den von Gutenberg übernommenen großen Schrifttypen, die zuvor bereits für die in Bamberg gedruckte 36zeilige lateinische Bibel verwendet wurde, harmonisieren die Bilder gut. Die Umrißholzschnitte, in der Qualität den Illustrationen in den anderen Pfister-Drucken überlegen, waren für die Kolorierung durch Briefmaler bestimmt.
Johannes von Tepl (um 1350-1414), ein studierter Jurist aus dem böhmischen Saaz, verfaßte den »Ackermann«, die erste große Prosadichtung in Neuhochdeutsch - und ein wichtiges Dokument des deutschen Frühhumanismus am Ausgang des Mittelalters - im Jahre 1401. Zahlreiche Handschriften gingen den gedruckten Textversionen voraus, Vorbilder ' für die Illustrationen finden sich in der Überlieferung aber nicht. Der Ackermann, dessen Frau in der Blüte ihres Lebens gerade verstorben ist, tritt klagend vor den Tod und fordert ihn auf, sich für seine Tat zu rechtfertigen. Beide führen ein Streitgespräch, in dem der Kläger sich auf das Leben auf Erden beruft, der Tod seine Rolle im göttlichen Weltplan darlegt. Die abgebildete Seite zeigt den personifizierten Tod; er erläutert dem Ackermann die Sterblichkeit der Menschen aller Stände: »Wir thun als die sunn, die do scheint über gut unde poß, wir nemen gut und poß in unsern gewalt.« Gott beendet schließlich mit seinem Urteil das sich lange hinziehende Streitgespräch: »Ir habt peid wol gevochten... Darumb clager hab ere, tot sige.«
Die illustrierte Pfister-Ausgabe von 1462/63 ist nur in drei Exemplaren und wenigen verstreuten Einzelblättern überliefert. Das Exemplar im Kupferstichkabinett ist bis auf ein Blatt und eine Fehlstelle in der Schlußillustration vollständig und von seltener Erlesenheit in der Erhaltung.

Text: Holm Bevers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 71, Kat. II.3 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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