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Bildnis eines Mannes mit Nasenpflock, über die linke Schuler schauend

Ident. Nr.: SZ Nolde 8

ObjID: obj:1400317

Details (Expert)

Datierung
Herstellung: 1913/14
Provenienz
Nationalgalerie, Sammlung der Zeichnungen,
bis 1992
Abmessungen
Blattmaß: 51,0 x 38,2 cm

Objektbeschreibung

Über 200 Aquarelle hat Emil Nolde auf der Medizinisch-demographischen Deutsch-Neuguinea-Expedition gemalt, zu der er 1913 vom Reichskolonialamt eingeladen wurde. Die großen Bögen Japanpapier hatte er aus China mitgebracht, eine seiner Stationen auf der Hinreise ins melanesische Inselgebiet, die er mit Eisenbahn, Reisebus und Schiff unternahm. Es waren die unterschiedlichen Erscheinungsformen der Menschen in der Kolonie, die Nolde (für die Nachwelt) dokumentieren wollte. Die für sein Œuvre untypische Lokalfarbigkeit ergibt sich aus den expressiven Farben des Kopf- und Gesichtsschmucks der Südsee-Bewohner. Im Gegensatz zum realitätsverleugnenden Utopismus Gauguins spiegeln Noldes zum Teil grimmige Portraits seinen Respekt vor den fremden Gesellschaftsformen und Sitten.
Die Studien sind auf das Wesentliche konzentriert. Der Mensch steht im Mittelpunkt, ist aber auch als Symbol eines idealen Urzustands der Menschheit zu verstehen. Den psychologisierenden Portraits von intensivem Ausdruck ist eine metaphysische Dimension zu Eigen. Sie sind kraftvoll und expressiv, im Innern aber zutiefst melancholisch, verweisen sie doch auf den drohenden Identitätsverlust durch kolonialistische und missionarische Eingriffe, derer sich Nolde durchaus bewusst war.

Text: Ina Dinter, in: Wir suchen das Weite. Reisebilder von Albrecht Dürer bis Olafur Eliasson im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Ina Dinter, Berlin 2016, S. 90

Emil Nolde painted over 200 watercolors on the Medical-demographic German-New Guinea Expedition, to which he was invited in 1913 by the Imperial Colonial Office. He brought along large sheets of Japan paper from China, one of his stations on the journey to the Melanesian islands, which he undertook by train, bus, and ship. Nolde wanted to document all the different kinds of people in the colony. The local color is untypical of his work and derives from the already expressive colors of the South Seas islands inhabitants’ headdresses and facial adornments. In contrast to Gauguin’s illusionistic utopianism, Nolde’s sometimes grim portraits also reflect his respect of foreign norms and traditions.
The studies focus on the essential. The human figure is central but also to be understood as a symbol of an ideal state of humanity. The psychologizing portraits of intense expression possess a metaphysical dimension. They are powerful and expressive, but at their core deeply melancholic, for they point to a threatened loss of identity due to colonial and missionary interventions that Nolde was quite aware of.

Text: Ina Dinter, in: We’re off then. Travel Pictures from Albrecht Dürer to Olafur Eliasson in the Kupferstichkabinett, published by Hein-Th. Schulze Altcappenberg and Ina Dinter, Berlin 2016, p. 90

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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