Logo

Avantgarde

Ident. Nr.: LB 16-2007

ObjID: obj:1409297

Erworben im Rahmen der Künstler*innenförderung aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin von der Kulturverwaltung des Berliner Senats

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Kai Schiemenz (1966),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 2005
Abmessungen
Bildmaß: 99 x 130,7 cm
Rahmenaußenmaß: 103,5 x 134,8 x 6 cm

Objektbeschreibung

Der in Berlin lebende Bildhauer und Zeichner Kai Schiemenz beschäftigte sich in den Nullerjahren in seinem Werk intensiv mit den utopischen Architekturprojekten der russischen Konstruktivisten, etwa dem turmartigen Monument der Dritten Internationale 0 10 (1919) von Vladimir Tatlin oder El Lissitzkys Entwürfen für Wolkenbügel-Bürohäuser (1924), und somit mit einer jener künstlerischen Avantgarden der Moderne, welche die Gesellschaft nicht nur ästhetisch verändern wollten − und die in diesem Fall dem Stalinismus zum Opfer fiel.
Der französische Begriff der „Avantgarde“ bezeichnete ursprünglich eine den Truppen vorausziehende Vorhut, also eine kleinere militärische Einheit, deren Ziel es war, die Position und Stärke des Gegners zu erkunden. In Kai Schiemenz’ gleichnamiger Gouache aus dem Jahr 2005 besteht sie aus drei kleinen gelben, düsengetriebenen Flugobjekten, die im Tiefflug eine Felslandschaft durchqueren – überraschenderweise gegen die Leserichtung, also von rechts nach links. Ob diese deltaförmigen Flieger bemannt oder unbemannt sind, bleibt offen. Der Sinn ihres Einsatzes beziehungsweise das Ziel des Fluges lassen sich ebenso wenig erahnen wie die tatsächliche Größe der Flieger und der unwegsamen Steinlandschaft. Das Erkunden fremder Gegenden auf einer Reise ins Ungewisse − wie man es im Genre des Science Fiction findet − scheint das Leitmotiv des Werkes zu sein.

Text: Andreas Schalhorn, in: Wir suchen das Weite. Reisebilder von Albrecht Dürer bis Olafur Eliasson im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Ina Dinter, Berlin 2016, S. 104

Berlin sculptor and draftsman Kai Schiemenz worked in the early years of the twenty-first century intensely with the utopian architectural projects of the Russian constructivists, like the towering Monument to the Third International 0 10 (1919) by Vladimir Tatlin or El Lissitzky’s designs for the cloud iron-office buildings (1924), and thus one of modernism’s artistic avant-gardes that wanted to change society in a not merely aesthetic way, and which ultimately in this case fell victim to Stalinism.
The French term “avant-garde” originally referred to advance troops, a small military unit whose goal was to explore the position and strength of the enemy. In Kai Schiemenz’ gouache by the same name from 2005, the avant-garde consists of three small yellow, jet-driven flying objects that cross a rocky landscape flying low—surprisingly against the direction of reading, that is, from right to left. Whether these delta-shaped flyers are manned or unmanned is left unanswered. The purpose of their mission or the goal of the flight is unknown, as is the actual size of the flying objects in relation to the inhospitable stony landscape. The leitmotif of the work seems to be the exploration of unfamiliar terrain on a journey to the unknown—as found in the genre of science fiction.

Text: Andreas Schalhorn, in: We’re off then. Travel Pictures from Albrecht Dürer to Olafur Eliasson in the Kupferstichkabinett, published by Hein-Th. Schulze Altcappenberg and Ina Dinter, Berlin 2016, p. 104

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett